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Fankultur

Besser anders!

Der effzeh startet eine große Werbekampagne, um mehr Mitglieder zu werben. Dabei wären dafür andere Schritte sinnvoller.

©1. FC Köln

Während ich diese Zeilen beginne, hat der glorreiche 1. FC Köln 57.590 Mitglieder. 100.000 sollen es werden, nimmt man den belächelten Vorstoß, den FC-Präsident Werner Spinner bei der Mitgliederversammlung im November 2013 gestartet hat. Erste Taten folgen: Unter dem Titel „Zwei Farben. Eine Liebe“ startet der effzeh „eine der größten Kampagnen seiner Vereinsgeschichte“. Ziel: Steigerung der Mitgliederzahl, zumindest über die 60.000 des Erzrivalen aus Ostholland.

Doch die Werbekampagne stößt bei den Fans auf ein geteiltes Echo. Denn die Mitgliedschaft, so der häufigste Einwand in den Diskussionen, ist vielen schlicht und einfach zu teuer. Nicht zu unrecht: 92 Euro knöpft der Verein den Mitgliedern jährlich ab. Damit ist der effzeh in Sachen Mitgliedsbeitrag nicht nur bundesligareif – er würde in diesem Fall sogar um die internationalen Plätze konkurrieren. Lediglich fünf aktuelle Vereine aus dem Fußball-Oberhaus nehmen für die Mitgliedschaft mehr: Spitzenreiter ist Eintracht Braunschweig (168 Euro), gefolgt vom Werder Bremen (144 Euro) und Eintracht Frankfurt (126 Euro). In Schlagdistanz befinden sich noch Hannover 96 (Überraschung: 96 Euro) und der 1. FC Nürnberg (95 Euro).

Von den fünf Bundesliga-Vereinen, die derzeit vor dem effzeh stehen, nimmt keiner auch nur annähernd so viel für eine Mitgliedschaft. Borussia Dortmund ist mit 62 Euro noch der teuerste unter den Spitzenklubs, danach kommt der große Rivale aus Mönchengladbach und die Bayern mit jeweils 60 Euro. Bei Schalke 04 ist die Mitgliedschaft für jährlich 50 Euro zu haben, zwei Euro weniger nimmt der Hamburger SV. Will der effzeh auf kurz oder lang in diese Dimensionen vorstoßen, geht kein Weg an dem Drehen an der Preisschraube vorbei. Und nicht nach oben – sondern spürbar nach unten.

Dazu wäre es äußerst sinnvoll, neben der Preisgestaltung auch über die Zahlungsmodalitäten nachzudenken. Bisher wird der komplette Mitgliedsbeitrag im Sommer abgebucht. In derselben Zeit fallen Kosten für die Dauerkarte an, die spätestens ab der neuen Saison in der Bundesliga wieder ordentlich ins Kontor schlagen wird. Ganz abgesehen von Ausgaben wie Urlaub (oder Urlaub im Trainingslager) oder andere Dinge im Sommer, die mit Fußball und/oder effzeh (hat ja nicht immer etwas miteinander zu tun) nichts am Hut haben.  Eine Möglichkeit, diese Kosten zu strecken, halb- oder gar vierteljährlich zu überweisen, würden vielen, gerade jüngeren Fans, den Einstieg in die Mitgliedschaft deutlich erleichtern – und damit auch dem Präsidium beim Erreichen seiner ambitionierten Ziele helfen.

Ein weiterer Punkt, der bei einer ernsthaften Verfolgung dieser Ziele definitiv auf den Tisch kommen wird, sind die Privilegien der Fan-Projekt-Mitglieder in Sachen Kartenverkauf. Machen wir uns nichts vor: Viele sind beim effzeh Mitglied, um besser und schneller an Karten zu kommen. Je länger der Verein in der Bundesliga spielt (oder gar erfolgreich!), desto mehr wird die Bestellung von Karten für Heim- und teils auch Auswärtsspiele zum Hauen und Stechen verkommen. Solange der Verein Leuten eine günstige Alternative zur Vereinsmitgliedschaft erlaubt, die den wichtigsten Vorteil ebenso bietet, werden einige diese Ausweichmöglichkeit nutzen.

Dennoch: Dass das effzeh-Präsidium seinen hochtrabenden Plänen in Sachen Mitgliedschaft Taten folgen lässt, ist erfreulich. Es wäre schön, wenn neben der Werbekampagne eben auch an anderen Stellschrauben gedreht wird!

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