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Vorspiel

Auswärts in Bielefeld: Kategorie Pflichtsieg für den 1. FC Köln

Das erste Auswärtsspiel der neuen Saison führt den 1. FC Köln auf die Bielefelder Alm, wo bei der Arminia sogar Publikum erwartet wird. Gegen den Aufsteiger muss das Team von Markus Gisdol dem eigenen Anspruch gerecht werden.

Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images

Auf den 1. FC Köln wartet am Samstag am zweiten Bundesliga-Spieltag eine besondere Partie: Gegner Arminia Bielefeld kehrte im Sommer nach elf Jahren Abstinenz ins Oberhaus zurück und wird die Heimpremiere gegen den FC sogar vor Zuschauern feiern dürfen. Zugelassen sind nach jetzigem Stand 5400 Fans, die dafür sorgen werden, dass die „Geißböcke“ zum ersten Mal seit langem wieder vor einer größeren Kulisse spielen werden. Beim Pokalspiel gegen Altglienicke waren es immerhin 300 Zuschauer*innen, die den FC unterstützen. Vor dem Saisonauftakt gegen Hoffenheim untersagte die Stadt Köln wegen des zu hohen Inzidenzwertes die Austragung mit Publikum.

Der Aufsteiger aus Ostwestfalen startete mit einem 1:1-Unentschieden in Frankfurt in das Abenteuer Bundesliga – und war damit durchaus zufrieden. „Ich bin stolz auf die Mannschaft“, sagte Uwe Neuhaus nach der Punkteteilung. Nur eine Woche zuvor hatte er sich nach dem überraschenden Pokal-Aus gegen Rot-Weiß Essen „geschämt“ – sein Team hatte gegen den Regionalligisten mit 0:1 verloren und insbesondere in der Schlussphase die nötige Präzision im Abschluss vermissen lassen. Gegen Frankfurt bot die Arminia ein „tolles Kampfspiel“, das letztlich in einem „gerechten Unentschieden“ endete. Hätte das Neuhaus-Team die Konter nach der Führung besser ausgespielt, wäre durchaus mehr als ein Remis möglich gewesen. Dadurch hat sich die Ausgangslage vor dem zweiten Spieltag natürlich verändert, weil die Arminen nun wissen, dass sie in der Bundesliga bestehen können. Die Zweifel nach dem Ausscheiden im Pokal dürften gewichen sein.

Klos & Andersson: Zwei Zielspieler für lange Bälle

In der vergangenen Saison zeigte die Mannschaft um Kapitän Fabian Klos durchaus ansehnlichen Ballbesitzfußball, der nun, in der ersten Liga angekommen, eher einem pragmatischeren Spielstil weichen muss. Ähnlich wie der 1. FC Köln nach dem Wiederaufstieg wird auch die Arminia versuchen, mit Konterspiel und Tempo zum Erfolg zu kommen. Das deutete die Herangehensweise bei der SGE bereits an. Mit Klos verfügt der Aufsteiger über einen prädestinierten Zielspieler für lange Bälle, der die anderen Offensivkräfte einsetzen soll. Mit Eindhoven-Leihgabe Ritsu Doan und dem früheren Kölner Marcel Hartel dürften am Samstag zwei Akteure starten, die für das spielerische Element stehen. Ansonsten dürfte Trainer Neuhaus darauf setzten, dass seine Spieler die nötige Körperlichkeit einbringen, um in der Bundesliga zu bestehen. Anders noch als der SC Paderborn, der in der letzten Saison als ostwestfälischer Außenseiter gestartet war, ordnet die Arminia dem Pragmatismus die Offensive unter.

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Der Gegner der Arminen am Samstag befindet sich immer noch in der Findungsphase, weil die vier Neuzugänge und Feldspieler Sebastian Andersson, Ondrej Duda, Dimitrios Limnios und Tolu Arokodare erst vor kurzem zum Team dazustießen. Der schwedische Stürmer Andersson stellte seine Fähigkeiten als Wandspieler bereits gegen Hoffenheim unter Beweis, ist gegen Bielefeld aber fraglich – Grund ist eine Verletzung aus dem Training. Spielmacher Duda zeigte ebenfalls, dass seine Stärken den FC im Offensivspiel weiterbringen werden. Der Slowake ist stark im Dribbling und in engen Räumen, durch seine Rolle als schwimmender Zehner überlädt er speziell die linke Seite, wie etwa beim zwischenzeitlichen 1:1 durch Andersson. Bleiben beide langfristig fit, bieten sie eine gute Kombination, um die vor der Saison als größte Problemzone definierte Offensivabteilung zu beleben.

Lichtblicke und altbekannte Problemstellen beim 1. FC Köln

Und auch sonst gab es beim ersten Spiel der neuen Saison den ein oder anderen Lichtblick: Jannes Horn zeigte auf der linken Seite beherzte Vorstöße mit Ball am Fuß, der Leihrückkehrer aus Hannover scheint qualitativ nach den guten Eindrücken in der Vorbereitung tatsächlich einen Sprung nach vorne gemacht zu haben. Wenn er Noah Katterbach leistungsmäßig Druck macht, erhöht das zwangsläufig auch die Qualität. Doch einige Problemstellen scheinen auch in Köln nach wie vor zu bestehen: Torhüter Timo Horn zeigte erneut torwarttechnische Mängel beim ersten und dritten Gegentor; auch auf der Position des Rechtsverteidigers ist noch ein Fragezeichen offen. Hier zeigte Kingsley Ehizibue aber zumindest wieder positive Ansätze.

Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images

Auf der Pressekonferenz gab sich Chefcoach Markus Gisdol allerdings vorsichtig, was die personelle Situation angeht. „Bei Sebastian Andersson müssen wir uns anschauen, wie die nächsten beiden Tage bei ihm laufen. Es war eine unglückliche Situation im Training. Wir sind vorsichtig und schauen, was die Tage bringen. Entwarnung kann ich noch keine geben. Wir müssen schauen, wie der Fuß reagiert“, sagte er über den Fixpunkt in der Offensive. Über den Gegner aus Bielefeld ließ er verlauten: „Sie haben eine Mannschaft, die eingespielt ist und die ihre Abläufe verinnerlicht hat. Sie haben so gut wie keinen Leistungsträger verloren. Sie agieren über ihre Geschlossenheit.“

Geschlossenheit wird allerdings auch beim FC gefragt sein, der im Normalfall dem Gegner individuell überlegen sein wird – es ist genau die Kategorie an Spielen, die der 1. FC Köln zwingend gewinnen muss, wenn er in der Liga bleiben möchte. Doch genau dieser Druck und die Findungsphase zu Beginn der Saison könnten auch Gründe dafür sein, dass den Arminen am Samstag eine Überraschung gelingt. Der FC wird alles daran setzen, die Feier auf der Alm mit einem Auswärtssieg zu vermiesen.

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