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Report

Ein Jahr neuer Vorstand des 1. FC Köln: Freischwimmer in unruhigen Gewässern

Unter dem Motto „Gemeinsam gewinnen alle“ trat vor einem Jahr der neue Vorstand des 1. FC Köln seinen Job an. Nach schwierigen Zeiten scheinen sich Werner Wolf & Co. in unruhigen Gewässern endlich etwas freizuschwimmen.

1.FC Köln Wolfgang Weber übergibt Dr. Werner Wolf ein Glücksbringer Kissen und einen Schal Dr. Werner Wolf mit Mundschutz 12.05.2019 *** Sport 1 FC Köln Wolfgang Weber presents Dr Werner Wolf with a lucky charm pillow and a scarf Dr Werner Wolf with mouthguard 12 05 2019
Foto: imago images / Herbert Bucco

Text: Thomas Reinscheid / Severin Richartz

Vergnügungssteuerpflichtig: Nein, das dürfte ein Vorstandsamt beim 1. FC Köln in den zurückliegenden Wochen wahrlich nicht gewesen sein. Öffentliche Diskussionen um die Nachbesetzung des offenen Vizepräsidenten-Postens, ein interner Brandbrief der Abteilungsleiter am Geißbockheim nach Entlassung des Medienchefs, finanzielle und sportliche Nöte beim Aushängeschild des Vereins nicht ausschließlich nur dank einer weltweit grassierenden Viruspandemie. Für FC-Präsident Werner Wolf dürften es derzeit Zeiten sein, in denen das psychologische Geschick des einstigen Bitburger-Bosses gefordert ist.

Vor einem Jahr, am 8. September 2019, war der heute 64-Jährige gemeinsam mit Jürgen Sieger und Eckhard Sauren auf einer hitzigen Mitgliederversammlung in der Kölnarena gewählt worden. 78,2 Prozent der anwesenden stimmberechtigten FC-Mitglieder schenkten dem mit dem Motto „Gemeinsam gewinnen alle“ angetretenen Trio das Vertrauen – einer Schlammschlacht seitens der scheidenden Restvorstände Toni Schumacher und Markus Ritterbach, die im Vorfeld und während der Veranstaltung kaum eine Gelegenheit zur Attacke ausließen, zum Trotz. Die Konsequenz aus unruhigen Zeiten: Auch 2020 ist der 1. FC Köln noch ein zutiefst gespaltener Club mit zahlreichen Friktionen und Fraktionen – das zeigten vor allem die Debatten um Carsten Wettichs Nominierung als Kandidat für den vakanten Posten als Vizepräsident des Vereins.

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Enttäuschte Hoffnungen auf einen „Regimechange“

Tatsächlich hat der FC im ersten Jahr der dreijährigen Amtszeit des neuen Vorstands kaum einen Schritt nach vorne machen können. Teils aus eigenem Antrieb, teils aus externen Zwängen. Hatten sich viele Unterstützer vor der Wahl Hoffnungen auf einen strukturellen wie personellen Neuanfang gemacht, sahen sie sich vom „Wolf-Rudel“, wie der Boulevard das Triumvirat an der Spitze der „Geißböcke“ taufte, schnell enttäuscht. Die Erwartungen, dass nach dem anstrengenden Machtkampf, der vor allem auf Seiten der bis dato Verantwortlichen mit harten Bandagen geführt wurde, auch eine Art „Regimechange“ am Geißbockheim stattfindet, erwiesen sich als verfrüht. Außer einer sinnvollen Umstrukturierung des Vereinsbeirats sowie des Aufsichtsrats der KGaA blieb es verhältnismäßig ruhig unter dem neuen Präsidium.

1.FC Köln vs. TSG 1899 Hoffenheim 10. Spieltag 08.11.2019, 15.30 Uhr von links: Werner Wolf, Alexander Wehrle, Armin Veh 1.FC Köln DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO 08.11.2019 *** Sport 1 FC Cologne vs TSG 1899 Hoffenheim 10 Matchday 08 11 2019, 15 30 hrs from left Werner Wolf, Alexander Wehrle, Armin Veh 1 FC Cologne DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND OR QUASI VIDEO 08 11 2019

Foto: imago images / Herbert Bucco

Das galt allerdings nicht für alle Bereiche, hatte Werner Wolf doch gerade sportlich keine allzu prickelnde Ausgangslage geerbt. Zwar war der 1. FC Köln gerade in die Bundesliga zurückgekehrt, doch der direkte Wiederaufstieg fühlte sich mehr als Pflicht denn als Aufbruch an. Armin Vehs Vertrag als Sportgeschäftsführer lief nur noch ein Jahr, der einstige Meistercoach hatte das Budget für Neuzugänge weit überzogen und sich darüber hinaus mit Achim Beierlorzer noch ein (letztlich erfolgloses) Experiment auf der Trainerbank gegönnt. Der neue FC-Vorstand hatte keinen Hehl daraus gemacht, mit dem erfahrenen Ex-Profi verlängern zu wollen, und ließ auch keine Gelegenheit aus, diese Ambitionen öffentlich möglichst wortreich zu untermauern. Der amtsunwillige Veh ließ seine neuen Chefs lange zappeln, um dann seinen Abschied für 2020 zu verkünden.

Dass es mit dem Aus bei den „Geißböcken“ für den Augsburger nicht so lange dauerte, war allerdings weniger diesem Affront geschuldet denn der sportlichen Situation. Nach der bitteren Last-Minute-Niederlage gegen Hoffenheim wurde das sofortige Veh-Ende verkündet – nur wenige Tage später dann auch die Demission des glück- und erfolglosen Beierlorzer. Kaum zwei Monate im Amt ging es für den Vereinsvorstand schon um alles: Inmitten des Abstiegskampfes galt es für den 1. FC Köln, einen neuen Sportchef UND einen neuen Trainer zu finden. Keine alltägliche Szenerie, in der der Club einmal mehr nicht sonderlich gut aussah. Nach öffentlichem Baggern um Bruno Labbadia, der früh absagte, und Pal Dardai fand letztlich Markus Gisdol als Trainer den Weg ans Geißbockheim. Den Posten als Sportgeschäftsführer besetzten Werner Wolf und Co. mit Horst Heldt, der zuerst nicht auf Zustimmung im Gemeinsamen Ausschuss stieß, aber letztlich doch übernehmen durfte.

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