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Vorspiel

Der 1. FC Köln ist Favorit im Pokal: Ein Kontrapunkt zum Jahresabschluss

Der 1. FC Köln ist erstmals seit einem Monat klarer Favorit, wenn er Dienstagabend den Platz in Müngersdorf betritt. Markus Gisdol muss daher taktisch noch mal umdenken, um den Zweitligisten aus Osnabrück zu schlagen und den immerwährenden Traum vom Pokalsieg am Leben zu halten.

Foto: Ronald Wittek - Pool/Getty Images

Es ist nicht überliefert, wie genau das Trainerteam um Markus Gisdol die Fehleranalyse nach der 1:2-Heimniederlage gegen Union Berlin Mitte November angegangen ist und welchen Plan sie sich überlegten, um den damaligen Negativlauf zu stoppen. Die „Geißböcke“ fielen nach der bitteren Niederlage auf den vorletzten Platz, nach dem Spiel gab es sogar Spekulationen um eine Trainerentlassung. Selbst FC-Präsident Werner Wolf schaltete sich via Zeitungsinterview in die Diskussionen ein. Was man jedenfalls weiß ist, dass Markus Gisdol seine Spieler in die Pflicht nahm und mehr Kommunikation auf dem Platz forderte.

Aber nicht nur das: Er stellte bis auf einzelne Ausnahmen sein Spielsystem auf Fünferkette mit falscher Neun im Sturm um. Vielleicht ein wenig aus der Not geboren, weil Modeste und Andersson beim nächsten Spiel in Dortmund verletzungsbedingt fehlten. Vielleicht aber auch nicht, denn er kannte den Spielplan der anstehenden Wochen: Zunächst beim BVB, dann zuhause gegen Wolfsburg, anschließend in Mainz, gefolgt von einem Heimspiel gegen Leverkusen und zum Abschluss das Spiel in Leipzig. Favorit waren die Kölner in keiner dieser Partien, also wurde ein sehr defensiver Fußball für das Jahresende implementiert, um wieder Stabilität zu finden und es den bis auf Mainz mindestens überdurchschnittlichen Gegnern zumindest schwer zu machen.

Es geht im Pokal auch immer um das liebe Geld

Wie wir alle wissen, gelang dies bis auf das Spiel gegen Leverkusen exzellent. Der FC holte acht Punkte aus den fünf Spielen und überwintert damit auf den 15. Tabellenrang. Doch zum Abschluss des Jahres wartet noch einmal eine Herausforderung der anderen Art: Kurz vor Heiligabend empfangen die „Geißböcke“ den Zweitligisten VfL Osnabrück zur zweiten Pokalrunde und sind das erste Mal seit einer Weile klarer Favorit.

Hinten erstmal sicher stehen, kontern, vorne Standards provozieren, notfalls einen dreckigen Punkt mitnehmen und sich anschließend im Jammern der Gegner über den ach so destruktiven 1. FC Köln suhlen, das wird am Dienstag nicht funktionieren. Und das nicht nur, weil Pokal ist. Es braucht unabhängig von der Startelf und der Grundausrichtung auf Grund des unterklassigen Gegners vermutlich eine etwas andere, offensivere Herangehensweise.

Köln Frankfurt Duda

Foto: Marcel Kusch POOL/AFP via Getty Images

Und das Spiel etwas leichtfertig mit einer B-Elf wegschenken, wie dies Achim Beierlorzer vergangenes Jahr in Saarbrücken passierte, ist dieses Jahr erst recht keine Option: Ein Erreichen der nächsten Pokalrunde würde auch dem eigenen Porte­mon­naie helfen. Der 1. FC Köln ist bekanntlich auf Kante genäht und kann jeden Cent gebrauchen. Horst Heldt machte auf der Pressekonferenz vor dem Spiel auch keinen Hehl daraus, dass das Wirtschaftliche im Pokal dieses Jahr noch mehr als sonst eine Rolle spielt: „Wir freuen uns auf das Spiel und es wird auch von finanziellen Anreizen begleitet, die in Corona-Zeiten helfen.“

Gisdol beeindruckt von Gegner Osnabrück

Der Gegner aus Osnabrück allerdings ist keiner, der sich nur hinten rein stellen und seinem Schicksal ergeben dürfte. Das bemerkte auch Markus Gisdol im Videostudium. Frech und mutig seien die Osnabrücker, das hätte ihn überrascht. Die Lila-Weißen würden versuchen, Kombinationsfußball zu spielen. „Ich freue mich auf die Herausforderung“ so der Schwabe. Auch Gästetrainer Marco Grote freut sich auf das Spiel gegen den Tabellen 15., wie er unumwunden zugab. „Ein ziemlich geiles Spiel“ sei das Pokalduell.

„Osnabrück ist eine Mannschaft, die spielerische Lösungen sucht, das ist beachtlich.“

~ Markus Gisdol

Die letzten Ligaspiele liefen für die „Lila-Weißen“ allerdings nicht gut. Stand man am 9. Spieltag nach einem 1:0-Auswärtssieg auf St.Pauli noch auf dem fünften Rang mit einem nur einen Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz, konnten die Osnabrücker seitdem nur noch drei weitere Punkte einfahren und ist auf den neunten Rang ins Niemandsland der Tabelle zurückgefallen. Zuletzt verlor der VfL zuhause knapp, aber verdient mit 0:1 gegen Absteiger SC Paderborn, spielte allerdings auch rund 30 Minuten in Unterzahl. Kapitän Maurice Trapp musste nach Notbremse das Spiel in der 34. Minute verlassen, Paderborns Schallenberg folgte ihm in der 69. Minute mit einer Gelb-Roten Karte.

Foto: Uwe Kraft​ – Pool/Getty Images

Dennoch können die Osnabrücker als auswärtsstark gelten: Wie der 1. FC Köln gingen sie diese Saison erst einmal auf fremdem Platz als Verlierer vom Feld (0:3 in Düsseldorf vergangene Woche), abgesehen von diesem Spiel kassierten sie in sechs Partien erst vier Gegentreffer auswärts und stehen damit auf Platz drei der Auswärtstabelle der 2. Bundesliga. Kontrastiert wird dies mit dem 15. Rang in der Heimtabelle. Einen wirklichen Nachteil werden die Jungs von der Bremer Brücke also nicht verspüren, wenn sie nach Köln anreisen.

Andersson entwickelt sich zum Sorgenkind

Dennoch ist der 1. FC Köln klarer Favorit in diesem Duell und sollten auch mit dem Verständnis ins Spiel gehen, das Achtelfinale des Pokals zu erreichen. Sebastian Andersson wird dabei wieder einmal nicht helfen können. Der Schwede war bereits am Samstag im Leipzig keine Alternative, laut Trainer Gisdol hätte dies „keinen Sinn für ihn gemacht“. Schon vor dem Abschlusstraining klang FC-Coach Markus Gisdol nicht sonderlich optimistisch.

„Jeder, der im DFB-Pokal antritt, möchte gerne ins Finale. Ich hatte schonmal das Vergnügen, das ist ein tolles Erlebnis.“

~ Horst Heldt

Verständlich, denn trotz Operation im November entwickelt sich der sieben Millionen Euro teure Neuzugang immer mehr zum Sorgenkind am Geißbockgrün, verpasste wegen seiner Knieprobleme viele Trainingswochen und sieht auch, wenn er spielen kann, nicht sonderlich fit aus. Vor allem, weil er in einer defensiven Grundausrichtung als Wandspieler fungieren und in vielen Situationen körperlich Fußball arbeiten muss.

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Spannend wird zu beobachten, wie defensiv oder offensiv der FC in das Pokalspiel gegen Osnabrück reingehen wird. Das Spiel ist für die Mannschaft sowohl im Kopf als auch taktisch in der Herangehensweise ein Kontrapunkt zu den letzten Spielen und bietet daher durchaus Stolperpotential. Für den Verein steht allerdings viel auf dem Spiel, und nicht wenige kölsche Fans träumen davon, ihren Verein doch einmal in Berlin beim Endspiel oder zumindest weit im Wettbewerb zu kommen und sind bei jedem frühen Ausscheiden etwas trauriger als bei einer normalen Liganiederlage. Wie schön wäre es, dieses Jahr zumindest mit dem Traum von einer legendären Pokalsaison zu beenden?

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