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Kurz & Knapp

Der 1. FC Köln zu Gast bei Union Berlin: Auswärts bei der absoluten Antithese

Im Auswärtsspiel beim 1. FC Union Berlin steht der 1. FC Köln massiv unter Druck. Beim Mitaufsteiger treffen die „Geißböcke“ auf den Gegenentwurf der eigenen Befindlichkeiten.

BERLIN, GERMANY - JANUARY 31: Jorge Mere of Koeln is challenged by Ken Reichel of Berlin during the Second Bundesliga match between 1. FC Union Berlin and 1. FC Koeln at Stadion An der Alten Foersterei on January 31, 2019 in Berlin, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)
Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Eine angenehme Reise nach Berlin: Das erwartet der 1. FC Köln nun wahrlich nicht. Zu tief stecken die „Geißböcke“, die immerhin am vergangenen Wochenende durch ein 1:1 gegen den FC Augsburg nach fünf Pflichtspiel-Niederlagen den freien Fall stoppen konnten, im Abstiegsschlamassel. Nun also das Duell beim Mitaufsteiger Union Berlin – der zuletzt in der Bundesliga gerade vor den eigenen Fans überzeugen konnte.

„Das wird ein anderes Spiel als der ganze Rest dieser Saison. An der Alten Försterei ist der Ball gefühlt immer in der Luft und mit jeder einzelnen Aktion wird gefightet. Das muss man annehmen, sonst hat man keine Chance“, warnt effzeh-Coach Markus Gisdol im „Express“-Interview vor dem abermaligen Sechs-Punkte-Spiel seine Schützlinge vor der Spielweise der „Eisernen“, die in dieser Spielzeit mit ihrer Herangehensweise die Gegner reihenweise vor Probleme stellen.

An der Alten Försterei fühlt sich Union wohl

Wie das aussehen kann, mussten in der Alten Försterei bereits richtige Schwergewichte erfahren: Borussia Dortmund unterlag in Köpenick mit 1:3, Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach stolperte beim krassen Außenseiter mit 0:2. Der überraschende Triumph gegen die punktbeste Mannschaft der Bundesliga: Es war der letzte von drei Zu-Null-Erfolgen vor den eigenen Fans. Eine Serie, die Union zuvor im Derby gegen Hertha BSC (1:0) ausgebaut hatte, auch der SC Freiburg wurde mit 2:0 niedergerungen.

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Zwölf der bisher 16 Punkte in dieser Spielzeit sicherten sich die „Eisernen“ an der heimischen Alten Försterei. Unter dem Schweizer Trainer Urs Fischer verlor Union Berlin, das sich in der Relegation sensationell gegen den VfB Stuttgart durchsetzen konnte, erst vier von 25 Heimspielen. Wie unangenehm die Köpenicker in ihrem Wohnzimmer zu bespielen sind, das bekam der 1. FC Köln in diesem Jahr bereits einmal zu spüren. Zum Jahresauftakt unterlagen die „Geißböcke“ in Berlin mit 0:2 – ein „Tor des Monats“ des ehemaligen Kölners Marcel Hartel, der mittlerweile in Bielefeld kickt, inklusive.

BERLIN, GERMANY - JANUARY 31: Marcel Hartel of Berlin scores his team's first goal during the Second Bundesliga match between 1. FC Union Berlin and 1. FC Koeln at Stadion An der Alten Foersterei on January 31, 2019 in Berlin, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

16 Punkte heißt allerdings auch: Der 1. FC Union Berlin hat doppelt so viele Zähler geholt wie sein Mitaufsteiger aus dem Rheinland, der als Zweitliga-Meister in die Bundesliga kam und seitdem gewaltige Probleme offenbart. Nicht ausschließlich, aber auch dieser Ausbeute ist es zuzuschreiben, dass bei den „Eisernen“ eine gänzlich andere Atmosphäre herrscht als beim effzeh. Die Euphorie in Köpenick ist groß, auf jedes Spiel wird sich bei Union gefreut wie auf die Bescherung an Weihnachten. Zwischen Verein, Mannschaft und Fans passt bei den Hauptstädtern derzeit kein Blatt – selbst bei unschöneren Szenen wie nach dem siegreichen Derby gegen die Hertha.

Heldt schiebt die Favoritenrolle ab

Bei den „Geißböcken“ ist derweil nach dem Unentschieden gegen Augsburg zumindest etwas Aufbruchstimmung zu spüren. Der späte Ausgleich durch Jhon Cordoba hat ein wenig die Lebensgeister geweckt – auch dank der Unterstützung der effzeh-Fans, wie Sportchef Horst Heldt vor der Partie in Berlin noch einmal betonte: „Wir brauchen die bedingungslose Liebe zum Verein. Das war auch erkennbar gegen Augsburg. Das Stadion hat uns zum Ausgleich geführt. Die Fans haben nicht nachgelassen. Es war beeindruckend. Die Kurve hat eine unfassbare Stimmung gemacht. So brauchen wir das“, so Heldt, der die Favoritenrolle am Sonntag bei den Gastgebern verortet.

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Das liegt neben dem unbestrittenen Heimvorteil, den die Berliner durch die Atmosphäre an der Alten Försterei ihr Eigen nennen können, auch an den sportlichen Qualität der „Eisernen“. Unter Urs Fischer ist Union zu einem auf hohem Niveau funktionierenden Kollektiv herangewachsen, das äußerst schwer zu bespielen ist. Gerade die Köpenicker Defensive um den ehemaligen Kölner und Dortmunder Neven Subotic ist ein Faustpfand im Abstiegskampf, nur 19 Tore hat der Mitaufsteiger in den bisherigen 13 Partien zugelassen (zum Vergleich: 28 Gegentreffer hat der 1. FC Köln). Es ist nicht immer unheimlich schön anzuschauen, was Union auf den Rasen bringt – unheimlich erstklassig ist es aber definitiv.

Körperlichkeit ist Trumpf im Abstiegskampf

Um das zu erreichen, haben die „Eisernen“ im Sommer eine gänzlich andere Strategie gefahren als ihre Kölner Kontrahenten des 14. Spieltags. Neben Subotic wurden noch geballte Erstliga-Erfahrung in Form von Christian Gentner und Anthony Ujah geholt, darüber hinaus noch eher unbekanntere Namen wie Marius Bülter, der noch vor zwei Jahren beim SV Rödinghausen in der Regionalliga West stürmte, oder den Heidenheimer Mittelfeldmann Robert Andrich. Ein wichtiges Merkmal aller Neuzugänge in diesem personellen Umbruch: Die Körperlichkeit stand im Anforderungsprofil wohl ziemlich weit oben. Über die Arbeit zum Erfolg kommen – das ist die Maxime von Union Berlin.

COLOGNE, GERMANY - OCTOBER 20: Sebastiaan Bornauw of FC Koln celebrates scoring his teams third goal of the game during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and SC Paderborn 07 at RheinEnergieStadion on October 20, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Im Abstiegskampf kann dies sicherlich nicht schaden, zumal es der Spielweise des 56. Teilnehmers der Bundesliga-Geschichte deutlich entgegenkommt. Anders derweil die Wahrnehmung in der Domstadt: Obwohl der 1. FC Köln ligaweit die meisten Fouls begeht und in der Fairnesstabelle ganz unten rangiert, wurde zuletzt wiederholt darüber diskutiert, ob das Team überhaupt für den Kampf um den Klassenerhalt geeignet sei. Laufleistung, Zweikampfquote, Spielausrichtung, personelle Besetzung: All das scheint beim effzeh unter den neuen Verantwortlichen Markus Gisdol und Horst Heldt auf dem Prüfstand zu stehen.

„Es wird ein Fight, der oftmals auch in der Luft entschieden wird. Ich erwarte kein schönes Spiel dort.“

Ob der neu eingeschlagene Weg erfolgreich sein kann, könnte schon das Auftreten am Sonntag zeigen: Gegen die kampfstarken Berliner dagegen zu halten, sich dadurch aber nicht vom eigenen Plan abbringen zu lassen und letztlich das Glück auf die Kölner Seite zu zwingen – das wird keine leichte Aufgabe für die „Geißböcke“, wie die Formkurve beider Teams im zurückliegenden Monat beweist. Zumal dem effzeh neben Kapitän Jonas Hector, der in der vergangenen Woche gegen Augsburg seine fünfte Gelbe Karte sah, und dem gelb-rot gesperrten Rafael Czichos auch noch Ismail Jakobs fehlen wird.

Die Frage: Wer beginnt neben Cordoba?

So wird Gisdol im Vergleich zur Vorwoche ordentlich umstellen müssen: Lasse Sobiech gilt aufgrund der erwarteten langen Bälle als Favorit für die Innenverteidiger-Position, im Mittelfeldzentrum konnte Florian Kainz gegen Augsburg nach seiner Einwechslung Punkte sammeln. Gesetzt scheint derweil in vorderster Reihe Jhon Cordoba zu sein, der als „Joker“ nicht nur wegen seines Treffers in der Vorwoche überzeugen konnte. Kaum verwunderlich, dass ihn sein Coach auf der abschließenden Pressekonferenz vor dem Berlin-Trip nochmals in höchsten Tönen lobte.

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Der Kolumbianer ist durch seine Dynamik, seinen Einsatzwillen und seine Laufwege der ideale Partner im Zweier-Sturm. Die Frage dürfte vor dem Duell beim robusten Mitaufsteiger allein sein: Wer darf neben ihm beginnen? Anthony Modeste konnte zuletzt nicht überzeugen, Simon Terodde nutzte seine Tormöglichkeiten auch nicht. Doch gegen die Abwehrhünen der Berliner auf einen Stoßstürmer mit der körperlichen Präsenz und nicht auf einen spielstarken Kompagnon wie Louis Schaub oder Dominick Drexler zu setzen, scheint auf der Hand zu liegen. Denn beim 1. FC Köln wissen alle mittlerweile: Eine angenehme Reise wird dieses Auswärtsspiel an der Alten Försterei nicht.

So könnte der 1. FC Köln spielen: Horn – Ehizibue, Bornauw, Sobiech, Katterbach – Verstraete – Skhiri, Höger – Kainz – Terodde, Cordoba

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