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Nachspiel

Das 2:3 des 1. FC Köln gegen Hoffenheim: Der Torwart und das letzte Glied der Fehlerkette

Der 1. FC Köln zeigt beim 2:3 gegen die TSG Hoffenheim wieder einmal defensive Instabilität, die letztlich auch einen Punktgewinn kostet. Hoffnung machte derweil der Auftritt der zwei Neuzugänge.

Foto: imago images/Mika Volkmann

Nein, Timo Horn war gewiss nicht der Alleinschuldige an der 2:3-Heimniederlage im ersten Saisonspiel gegen die TSG Hoffenheim. Und ja, er hatte seine Mannschaft in der ersten Halbzeit  vor einem höheren Rückstand bewahrt,  als er zunächst gegen Kramaric (17.) und dann gegen Kaderabek (18.) rettete. Gut anderthalb Stunden später, nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Daniel Siebert, schüttelte der Kölner Keeper enttäuscht den Kopf und ging dann langsam in Richtung seiner Teamkollegen und der gegnerischen Spieler.

Nach einer dominant geführten zweiten Hälfte und dem späten Ausgleich durch Dominick Drexler durften die „Geißböcke“ das Spiel einfach nicht mehr verlieren. Horn wird sich auf seinem Weg zum Mittelkreis an einige Szenen des Spiels erinnert haben, an verpasste Chancen, an eine merkwürdige Elfmeterentscheidung gegen seine Mannschaft und an zwei Tore, die die Begegnung umrahmt hatten.

Anfang und Ende der Fehlerkette beim 0:1

Die Partie war gerade drei Minuten alt, als Jonas Hector einen Rückpass auf seinen Torwart spielte, der den Ball am Elfmeterpunkt stehend kurz stoppte, um ihn dann wieder auf den Kapitän der Kölner zu spielen, der allerdings nicht mehr frei stand, sondern von einem Gegenspieler bedrängt wurde. Möglicherweise geriet deshalb Hectors Rückpass etwas kurz, was allerdings kein Problem gewesen wäre, wenn Horn an der Stelle stehen geblieben wäre.

Der Kölner Keeper hatte in dem Moment, als er mit seinem Pass Hector unter Druck setzte, einige schnelle Schritte auf das eigene Tor zu gemacht. Kramaric spritzte in den verunglückten Rückpass, Horn lief ihm etwas zögerlich entgegen, kam aber nicht mehr vor dem Hoffenheimer Angreifer an den Ball.

Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images

Der dann folgende Rettungsversuch des Kölner Keepers mutete etwas merkwürdig an. Er stürzte Kramaric entgegen und winkelte dabei sein rechtes Bein so an, dass ein Freiraum entstand. Groß genug für den kroatischen Goalgetter, um den Ball genau durch dieses Dreieck zu spitzeln und zur 1:0-Führung für die TSG ins Kölner Tor zu treffen. Sehr häufig ist ein Torwart bei einem Gegentreffer das letzte Glied der Fehlerkette, hier war jedoch sein Pass zum bedrängten Jonas Hector auch deren Anfang.

Das Problem des Wegdrehens und Zurückfallens beim 2:3

Anders war dies drei Minuten vor Schluss, als Kramaric mit seinem dritten Treffer den 3:2-Sieg der Hoffenheimer erzielte. Hier waren es zunächst Horns Mitspieler, die den Hoffenheimer Innenverteidiger Ermin Bicakcic ohne jede Gegenwehr bis zum Sechzehner des FC marschieren ließen, wo schlussendlich der Hoffenheimer Torjäger an den Ball kam und aus 15 Metern hart, aber relativ unplatziert abzog.

Timo Horn tat nun etwas, was schon Sascha Felter, ein langjähriger Torwarttrainer im Amateurbereich und Autor beim Blog „Cavanis Friseur“, in seinem effzeh.com-Artikel über den Kölner Keeper moniert hatte: Er drehte sich zur Seite, fiel jedoch gleichzeitig zurück und halbierte dadurch seine Körperfläche. Horn stand eigentlich ideal, um den Ball zu halten. So aber ging er halb unter, halb neben seinem Körper ins FC-Gehäuse. Ein vermeidbarer Treffer in jeglicher Hinsicht, ohne Frage.

Foto: imago images/Eduard Bopp

Eine Partie ging verloren, die zwei sehr unterschiedliche Hälften gesehen hatte, dominante Hoffenheimer im ersten Durchgang, stürmische Kölner im zweiten. Ein Unentschieden wäre nach 90 umkämpften Minuten sicherlich gerecht gewesen, auch in Anbetracht der seltsamen Elfmeterentscheidung für die TSG. Aber was ist im Fußball schon gerecht?

Stimmen zum Spiel

Das insgesamt ausgeglichene Spiel sprach auch Markus Gisdol auf der Pressekonferenz an: „Es fällt mir schwer, die Niederlage in der Form zu akzeptieren. In der ersten Halbzeit waren wir zu passiv und hatten zu wenig Druck im Spielaufbau. Das hat Hoffenheim gut ausgenutzt. Im zweiten Durchgang hatten wir  guten Ballbesitz. Da hatte ich zunehmend das Gefühl, dass wir das Spiel komplett drehen können. Es schien auch so, als ob wir körperlich überlegen wären. Wir haben bei Duda und Andersson gesehen, dass die beiden Spieler uns helfen werden und helfen können. Wir werden auf unserer Leistung heute aufbauen und uns sauber auf das Spiel in Bielefeld nächste Woche vorbereiten.“

„Im zweiten Durchgang hatten wir  guten Ballbesitz. Da hatte ich zunehmend das Gefühl, dass wir das Spiel komplett drehen können.“

Rafael Czichos thematisierte den gegen ihn verhängten Elfmeter: „Wenn er ihn nicht pfeift, dann braucht er es auch nicht mehr umändern. Wenn er dann auch noch zehn Minuten guckt, ob ich Rot kriege und dann noch nicht mal Gelb bekomme, verstehe ich die Welt nicht mehr.“

Dominick Drexler sprach den späten Siegtreffer der Hoffenheimer an: „Das hätte nicht passieren dürfen. Wir sind vorher nicht in die Zweikämpfe gekommen. Das ist jetzt keine Schuldzuweisung, wir müssen da aber insgesamt aggressiver sein. Vielleicht fehlte die letzte Konzentration, der letzte Prozentpunkt. In der zweiten Halbzeit haben wir viel Druck gemacht und das Momentum auf unserer Seite. Wir müssen einfach konzentrierter sein.“

Nächsten Samstag geht’s auf die Bielefelder Alm

Was gibt Hoffnung auf Besserung? Eine volle Trainingswoche wird Ondrej Duda und Sebastian Andersson helfen, sich besser auf ihre Mitspieler einzustellen. Mit Dimitrios Limnios und Tolu Arokodare bekommt Markus Gisdol zwei dringend benötigte Alternativen für die Offensive. Einige Sorgen muss man sich über die Defensive machen, und dies betrifft nicht nur die rechte defensive Außenbahn, sondern auch die Innenverteidigung, die Kramaric nie in den Griff bekam – und auch den Keeper der Kölner, Timo Horn.

Die Bielefelder werden in ihrem ersten Bundesliga-Heimspiel seit elf Jahren alles in die Partie werfen, was möglich ist. Mit dem 1:1 bei Eintracht Frankfurt setzten sie ein erstes Ausrufezeichen und werden mit Sicherheit ein zweites folgen lassen wollen. Für den 1. FC Köln war es schon immer schwierig, auf der Alm zu bestehen, dies wird auch am Samstag nicht anders sein – mit Zuschauern oder ohne.

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