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Nachspiel

„Haben ihr Bestes versucht“: 1. FC Köln präsentiert sich in Freiburg nicht bundesligatauglich

Beschämend, blutleer, nicht bundesligatauglich: Der 1. FC Köln lässt sich in Freiburg ohne Gegenwehr abschießen und erreicht beim 0:5 einen neuen Tiefpunkt.

Foto: Matthias Hangst/Getty Images

Dass Freiburg für den 1. FC Köln selten eine Reise wert ist, davon zeugt ein Blick in die Statistiken. Dass die „Geißböcke“ aber bis in den Breisgau fahren müssen, um an einen neuen Tiefpunkt zu gelangen, das ließ sich in der 2021er Version eines Auswärtsspiels beim SC Freiburg bewundern. Ohne Gegenwehr ließen sich die Domstädter mit 0:5 (0:2) abschießen und präsentierten sich dabei durch die Bank weg beschämend, blutleer und nicht bundesligatauglich. Oder um es mit einem der Hauptverantwortlichen für das Desaster auszudrücken: „Sie haben ihr Bestes versucht. Es hat in dem Moment nicht gereicht“, war FC-Coach Markus Gisdol gewohnt gnädig in seiner Bewertung.

Wie „ihr Bestes versucht“ aussah, das war in den 90 Minuten zuvor deutlich erkennbar gewesen. Der FC, der im klassischen 4-2-3-1-System antrat und neben Stoßstürmer Anthony Modeste auch auf Kapitän Jonas Hector als Linksverteidiger setzte, begann die Partie wie einst unter Zvonimir Soldo: Hinten mit Beton die Null halten, vorne ohne eigenen Beitrag zum Spiel mal sehen. Diese Strategie erledigte nach 18 Minuten Timo Horn, der beim ersten Gegentor zwar vor Torschütze Ermedin Demirovic am Ball war, diesen aber nicht entscheidend klären konnte. Der frühzeitige Genickschuss für die „Geißböcke“, die an diesem Samstag sowohl defensiv als auch offensiv im Standby-Modus unterwegs waren.

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„Und dann so etwas…“

Und dabei kräftig mithalfen, um den Freiburgern zu ihren Toren zu verhelfen: Salih Özcan fiel im Spielaufbau in einen Sekundenschlaf und ließ sich den Ball von Nicolas Höfler abluchsen, der allein vor Horn eiskalt blieb (39.). Vom FC war wenig bis gar nichts zu sehen, außer einem Abschluss von Marius Wolf, der diesmal rechts offensiv spielen durfte, gab es aus kölscher Sicht nichts zu vermelden. Oder um es mit dem offiziellen Liveticker des Vereins nach dem 0:2 zu formulieren: „Der FC war eigentlich gut im Spiel, traute sich offensiv deutlich mehr zu, und dann so etwas…“

Was soll man da noch sagen? Wer jedenfalls dachte, das würde sich nach dem Seitenwechsel ändern, sah sich eines Besseren belehrt: Freiburg ließ das Gisdol-Team etwas mehr kommen, doch verlor nie die Kontrolle über dieses Spiel. Wirkliches Aufbäumen war von den Kölnern nicht zu sehen, selbst die zwei, drei Gänge, die die Mannschaft von Christian Streich herunterschaltete, reichten für den glorreichen 1. FC Köln an diesem Samstagnachmittag locker aus. Inmitten dieser „besten“ Phase der „Geißböcke“ die Entscheidung: Fast eine Stunde war gespielt, da bekam Demirovic beim 3:0 nicht mehr als Begleitschutz bei seiner Torvorlage für Roland Sallai (59.).

Leidenschaft? Widerstand? Ehre im Leib? Nicht zu sehen!

„Wir haben nichts von dem auf den Platz gebracht, was wir uns vorgenommen hatten. Es war auch kämpferisch keine gute Leistung. Es hat an allem gefehlt“, formulierte Marius Wolf nach der Partie, die eigentlich bereits beim 1:0, aber spätestens beim dritten Treffer zugunsten der Freiburger entschieden war. Die Schlussfolgerung aus diesem beschämenden Auftritt aus Kölner Sicht für den Rechtsaußen: „So gewinnst du kein einziges Spiel in der Bundesliga. Jeder von uns muss sich hinterfragen, ob er alles gegeben hat“, so Wolf. Das sah auch Kapitän Hector so: “Alle, die auf dem Platz stehen, müssen Leistung bringen. Das haben wir auf jeden Fall heute nicht geschafft. Auch ich nicht. Wir müssen jetzt in die Analyse des Spiels gehen und kritisch mit uns selbst sein. Jeder mit sich und auch jeder mit der Gesamtleistung.“

Foto: Matthias Hangst/Getty Images

Die Gesamtleistung ließ dann auch noch zwei weitere Gegentreffer zu: Beim 4:0 durfte erst Demirovic eine Ecke unbedrängt per Kopf ablegen, um dem noch größere Freiheit genießenden Lienhart das nächste Tor zu ermöglichen (69.). Leidenschaft? Widerstand? Ehre im Leib? Nicht zu sehen. So fehlte auch beim fünften Treffer an diesem schmachvollen Samstagnachmittag eigentlich nur, dass die Kölner Defensive ihren Freiburger Gegenspielern beim Betreten des Strafraums noch ein Stück Kirschstreusel und frischgebrühten Kaffee bereitstellte. Günter passte flach auf den eingewechselten Höler, der ohne Gegnerdruck zum 5:0 einschoss (79.). Der höchste Sieg der Bundesliga-Geschichte des SC Freiburg war perfekt, hätte aber sogar noch höher ausfallen können: Höler traf nur den Pfosten.

Der Druck steigt in Köln

„Es war ein verdienter Sieg der Freiburger. Wir waren ihnen heute nicht gewachsen. Sie waren deutlich besser als wir“, sah auch FC-Coach Gisdol einen Klassenunterschied zwischen den Teams, wollte aber seinen Schützlingen keine allzu großen Vorwürfe machen: „Fußballspiele verliert man meist durch individuelle Fehler. Aber die macht niemand mit Absicht. Als Trainer stellt man dafür keinen Spieler öffentlich an die Wand“, so der gebürtige Schwabe, der nach diesem Debakel einmal mehr den Druck in Köln spüren dürfte. Will der FC in dieser Saison eine Chance auf den Klassenerhalt haben, müssen andere Auftritte her. Ob das Team in dieser Gesamtkonstellation dazu in der Lage ist? Fraglich! Oder anders formuliert: Wenn die „Geißböcke“ bei dieser Nicht-Leistung in Freiburg wirklich ihr Bestes versucht haben, dann Gute Nacht, Marie!

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