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Lebenswege beim 1. FC Köln: Silvio Pagano – “Ich hätte mehr aus meinem Talent machen können!”

Wie ergeht es ehemaligen Jugendspielern des 1. FC Köln, die den Sprung zu den Profis nicht geschafft haben? effzeh.com-Autor Kurt Ludwigs sprach mit Silvio Pagano, der einst bei den “Geißböcken” zu den hoffnungsvollen Talenten zählte. Doch sein Weg führte ihn zu zahlreichen anderen NRW-Clubs – und hinter die Theke zweier Eisdielen.

Silvio Pagano in seiner Zeit bei Viktoria Köln Foto: imago/osnapix

Der Pfiff von Schiedsrichter Kevin Domnick durchschnitt die Luft über dem Stadion am Zoo und beendete das Endspiel um den Niederrheinpokal der Saison 2018/19. Der Spieler mit der Rückennummer 30 auf seinem roten Trikot ließ sich auf den Rasen sinken, enttäuscht, erschöpft und ausgelaugt. Die Niederlage war ausgesprochen unglücklich, hatte sein Team, der Regionalligist Wuppertaler SV, dem Drittligisten aus Uerdingen doch einen tollen Kampf geboten und nur denkbar knapp mit 1:2 den Kürzeren gezogen. Und so zollten auch die 10.000 Zuschauer im weiten Rund der ausgezeichneten Leistung und dem unermüdlichen Einsatz des WSV mit langanhaltendem Beifall ihren Respekt.

Silvio Pagano schaute zu den jubelnden Spielern aus der Seidenstadt hinüber, zu Kevin Großkreutz, Dominic Maroh und Assani Lukimya und schüttelte den Kopf. In der Schlussphase hatten sie dem KFC kaum Luft zum Atmen gelassen, aber irgendwie hatte das runde Leder nicht über die Torlinie der Uerdinger gewollt. Dabei war er es gewesen, der die Wuppertaler in der siebten Spielminute mit 1:0 in Führung gebracht hatte. In dem Moment hatte er geglaubt, dass das Märchen wahr werden könnte und er im allerletzten Spiel seiner langen Karriere sein Team zum Pokalsieg schießen könnte. „Es hatte nicht sollen sein”, dachte der dunkelhaarige Akteur und schloss für einige Augenblicke seine Augen.

Silvio Pagano trifft zum 1:0 für den Wuppertaler SV im Pokalfinale gegen KFC Uerdingen | Foto: imago/Revierfoto

Das Ende einer langen Fußballkarriere

Stationen seiner Laufbahn kamen ihm in den Sinn, Menschen, die er auf diesem Weg kennengelernt hatte, Spiele, die er nie vergessen würde. Eine Begegnung gegen Holstein Kiel fiel ihm ein, als er mit der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln nach 0:2-Rückstand noch mit 3:2 gewonnen hatten, obwohl sie nach zwei Platzverweisen nur zu neunt gewesen waren. Er hatte selber zwei Tore zum Sieg beigesteuert und damit im letzten Saisonspiel den Abstieg der FC-Amateure mit verhindert. Oder ein Spiel mit Carl Zeiss Jena in der Saison 2006/07 bei den Münchener Löwen vor 46.000 Zuschauern in der Allianz-Arena, dem Stadion, in dem nur zwei Monate vorher Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 stattgefunden hatten. 13.000 Fans hatten den Zweitligaaufsteiger damals an die Isar begleitet und ihre Mannschaft stimmgewaltig unterstützt.

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Das heutige Pokalfinale, da war er sich sicher, würde zu den Begegnungen gehören, die er niemals vergessen würde. Silvio Pagano blickte sich noch einmal um, sah das immer noch volle Stadion, seine Mitspieler, die sich gegenseitig Trost zusprachen, die Betreuer, die er schon so lange kannte, und musste daran denken, dass dies für ihn nun alles vorbei war. Wehmut machte sich in ihm breit, als er langsam aufstand und in die Nordkurve zu den treusten Fans der Wuppertaler ging. Danach schlenderte er hinüber zur Tribüne, wo ihn der Reporter des vereinseigenen Fernsehkanals zu einem Interview erwartete. Sein achtjähriger Neffe Alessandro gesellte sich zu ihnen. Pagano strich ihm über den Kopf und wurde an seine Kindertage erinnert, dachte daran, wie alles begonnen hatte.

Verrückt nach Fußball – die Anfänge in Sonnborn

Geboren wird Silvio Pagano am 12. September 1985 in Haan und wächst im Wuppertaler Ortsteil Sonnborn auf. Von klein auf dreht sich bei ihm alles um das runde Leder. „Ich war verrückt nach Fußball”, erinnert er sich. „Jede freie Minute verbrachte ich damit. Wenn kein Ball da war, nutzte ich andere Gegenstände.“ So halten die Stofftiere seiner Schwester Daniela und zusammengeknüllte Papiertaschentücher als Ballersatz her, der Wäscheständer seiner Mutter dient ihm als Tor.

„Ich war verrückt nach Fußball, jede freie Minute verbrachte ich damit. Wenn kein Ball da war, nutzte ich andere Gegenstände.“

Mit sechs Jahren schließt er sich seinem ersten Verein an, dem SC Sonnborn. Er durchläuft die Jugendmannschaften des Vereins, die Verantwortlichen erkennen das Talent des schwarzhaarigen Offensivakteurs, machen ihm zum Kapitän der jeweiligen Teams. Von der F-Jugend rückt er sofort zur D-Jugend auf und eifert dort seinen Vorbildern nach. Da ist zunächst Alessandro del Piero, der Stürmerstar von Juventus Turin und spätere Rekordtorschütze der Bianconeri.  Später wird Ronaldo Luis Nazaro de Lima zu seinem Idol, der brasilianische Ronaldo, der beim FC Barcelona, bei Inter Mailand und Real Madrid zu der Zeit für Furore sorgt. „Er ist und bleibt für mich der beste Stürmer der Geschichte”, sagt Pagano. „Sein Antritt, die Torgefährlichkeit und seine unglaublichen Dribblings sind für mich bis heute unerreicht.“

Silvio Pagano ganz vorne als Mannschaftskapitän der D-Jugend des SC Sonnborn 1997/98 | Foto: Silvio Pagano

In der eigenen Familie ist es sein zwei Jahre älterer Cousin Angelo La Rosa, mit dem er wetteifert. „Er spielte beim AC Mailand und war eines der hoffnungsvollsten Talente Italiens“, erläutert der ehemalige Sonnborner. „Leider hat es bei ihm nicht zu einer Profikarriere gelangt, mehrere schwere Verletzungen verhinderten dies und auch die ein oder andere Verlockung der Jugend.“

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Zu Beginn des Jahres 1998 nehmen die Sonnborner an einem Hallenturnier von Bayer Wuppertal teil. „Ich sollte eigentlich gar nicht an dem Turnier teilnehmen, unser Trainer wollte mich schonen“, erinnert sich Pagano. Schließlich läuft er doch für sein Team auf und glänzt mit seiner Dynamik, seiner großen Schnelligkeit und seiner vorzüglichen Technik. So nimmt es auch nicht Wunder, dass er den Scouts des 1. FC Köln auffällt und ein Angebot des Klubs erhält. „Ein Traum wurde für mich wahr“, erläutert der Offensivakteur. “Und da mein Vater leidenschaftlicher FC-Fan war, musste ich nicht lange überlegen.“

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