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Early-Bird-Angebot des 1. FC Köln: Eine Odyssee namens Kartenkauf

Early-Bird-Angebot für Karten zu den Hinrunden-Heimspielen des 1. FC Köln? Gute Idee! Das dachte nicht nur unser Autor – und wurde vom Onlineshop in den Wahnsinn getrieben.

COLOGNE, GERMANY - FEBRUARY 08: Fans of Koeln prior to the Second Bundesliga match between 1. FC Koeln and FC St. Pauli at RheinEnergieStadion on February 08, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)
Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Eigentlich begann das Elend mit einem altbekannten Fehler: Ich wollte einfach nett sein. Wie es halt manchmal, aber weiß Gott nicht immer so ist. Hatte doch am Dienstag um kurz vor Neun mein Rechner einen Mucks von sich gegeben, wo doch sonst nur mein Smartphone so klingelt. Dieser Whatsapp-Ton im Browser, den ich im Tab versehentlich nicht ausgestellt hatte. Eine gute Freundin hatte mir eine Nachricht gesendet. „Hi S“, hieß es dort. Ich wusste, es war dringend. Sonst ist die Anrede eher „Sev“, „Seppl“, „Richie Rich“ oder sonst irgendein Blödsinn, der in unseren kruden Gehirnen in den vergangenen 15 Jahren unseres gemeinsamen Weges entstanden ist.

„Hab gerade gesehen, dass gleich VVK-Start beim FC ist. Early Bird und so. Ob du mir zwei Karten für das Derby besorgen kannst? Bin um 10 im Termin und schaffe es leider nicht. Zugangsdaten hast du ja. M“ – ein Hilfegesuch, das ich schlecht ablehnen kann. Klar, was tut man nicht für eine gute Freundin, die darüber hinaus noch glühender effzeh-Fan ist. Vermutlich mehr Spiele im Stadion gesehen hat als der Rest von uns. Zusammen. Und außerdem: Zwei Karten, das wird jawohl ein Klacks werden. Dachte ich zumindest. Und hatte schon da den Verdacht, dass ich diese Aufgabe vielleicht ein wenig zu sehr auf die leichte Schulter nehme. Aber das wird schon schiefgehen, irgendwie hat es immer geklappt. Ich Narr. Ich armer, unwissender Narr.

„Määäääähhhhh…“ – der Wartungsmodus ruft

Also: Alles vorbereiten. Generalstabsmäßig. Login-Versuche in verschiedenen Browser auf verschiedenen Endgeräten, man weiß ja schließlich nie. Vielleicht stimmen die Zugangsdaten nicht mehr. Oder das zurückliegende Update auf dem Firmenrechner hat die Einstellungen zerschossen. Oder das Netzwerk streikt im entscheidenden Moment. Der Teufel steckt im Detail. Der Fehler zumeist auch. Den Zufall minimieren. Die Störfaktoren auch. Den Kollegen, der das Büro, aber nicht die Fußballleidenschaft mit mir teilt, werde ich um kurz vor 10 irgendwohin schicken. In der internen Planung wird ein wichtiges Telefonat vermerkt. Alles ist gerichtet: In Ruhe soll und wird die Aufgabe erledigt werden.

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Doch da habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Oder besser gesagt: Keine Rechnung, kein Wirt. Gar nichts. Die Seite lädt nicht. Macht nichts, ich habe ja vorgesorgt. Doch auch auf den anderen Geräten: Tumbleweed. Rien ne va plus. Nichts geht mehr. „Määäääähhhhh…“ schreit mir die FC-Homepage den Wartungsmodus entgegen. Sechs Ä, fünf H, drei Punkte, ein konsternierter Nutzer. Die werden mir doch wohl jetzt nicht währenddessen die kostbaren Derby-Tickets wegkaufen? Kurzer Blick auf mein Smartphone: Unsere einst für wilde Beschimpfungen und hitzige Diskussionen eingeführte FC-Gruppe explodiert. Niemand kommt an Karten. „Ich raste hier gleich aus“, schickt mein bester Freund ins große Rund. Der Rest ist definitiv nicht zitierfähig.

Ruhe bewahren – es ist nicht das erste Mal

Wenn es jedoch vielen bis allen so geht, ist die Chance auf Karten bestimmt noch intakt. Es tut sich was, es geht voran. Immerhin bis zum Shop. Oder besser gesagt: Bis zur Fehlermeldung, dass keine Tickets verfügbar sind. Aber davon lässt sich ein erfahrener Ticketkäufer für effzeh-Spiele jedweder Art doch nicht abschrecken. Wer viel fährt, der erlebt auch viel. Mitunter auch schon weit im Vorfeld. Das ist definitiv nicht der erste Servercrash in der leidvollen Geschichte der Zusammenarbeit zwischen dem glorreichen 1. FC Köln und Eventim. Das wird uns nicht aufhalten, schließlich geht es hier nicht um irgendein Spiel. Es geht um das verdammte Derby. Am vierten Spieltag. Nach der Bundesliga-Rückkehr meines geliebten Vereins. Warteschleife.

COLOGNE, GERMANY - APRIL 26: Fans of Koeln prior to the Second Bundesliga match between 1. FC Koeln and SV Darmstadt 98 at RheinEnergieStadion on April 26, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Geduld bewahren. Schon immer meine größte Stärke. So schnell schießen die alten Preußen nicht. In der Whatsapp-Gruppe wird es langsam ungemütlich. Das Frustrationslevel ist enorm, einige Jungs und Mädels wollen endlich wissen, welche Heimniederlage es denn gemeinsam zu sehen gibt. Jetzt könnte es vorangehen, in der Warteschleife im Onlineshop scheint sich etwas zu tun. Doch was dann folgt, lässt auch den am meisten in sich ruhenden effzeh-Fan explodieren. Übersichtsseite. Ohne Spiele. Nur mit der Information zum Early-Bird-Angebot. Ich schreie innerlich, beiße gefühlsmäßig in die Schreibtischkante, doch lasse mir nichts anzumerken. Warum zur Hölle hatte ich nochmals zugesagt, diese verfluchten Karten zu bestellen? Ich weiß doch, wie sehr einem dieser Onlineshop auf die Nüsse gehen kann.

„Großer Ansturm“: Der 1. FC Köln nimmt Stellung

„Und? Die Karten eingetütet?“ flötet mir mein Bürokollege zu, als er von seinem enorm wichtigen Auftrag zurückkehrt. Ich antworte nicht. Ein Blick reicht. „Oh, das sieht mir nicht nach einem Ja aus!“ – doch, und zwar nach einem Ja zu deinem erneuten temporären Abflug aus diesen Räumlichkeiten, du Otto. Sage ich nicht, denke ich nur. Konzentration auf die Kartensuche. Dieses eine kleine Fenster nutzen, um vielleicht doch die zwei Tickets an den Start zu bringen. Glück haben, wieder einmal. Weil andere schon vorher die Flinte ins Korn geworfen haben. Was für Trottel. In den sozialen Netzwerken brennt derweil der Baum. Also mehr als sonst noch. Der Ärger ist groß – und er ist verständlich. Bleibt das noch länger so, steht vermutlich der wütende Mob mit Mistgabeln und Pechfackeln am Geißbockheim.

90 Minuten. So lange dauert das verdammte Spiel, für das ich Karten erwerben wollte. 90 Minuten. So lange dauert nun auch der verzweifelte Versuch, dies auch zu tun. Der FC rührt sich, kommt aus der Deckung hervor. Großes Bedauern. Neuer Link. Ob das die Probleme löst? „Wir haben mit einem großen Ansturm auf die Tickets gerechnet – aber die Nachfrage beim Early-Bird-Vorverkauf für effzeh-Mitglieder ist wirklich überwältigend. Dabei sind unsere Dienstleister an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. Es tut uns sehr leid, dass deshalb viele effzeh-Mitglieder den Ticketshop nicht erreichen können oder in Warteschlangen festhängen. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Dienstleistern an einer Lösung, um die Probleme schnellstmöglich zu beheben“, twittert der Club.

Aufgabe: Dieser Verein schafft mich!

Als ob es das erste Mal geschehen ist. Als ob nicht selbst ein Vorverkauf für nur zwei Partien zur selben Zeit die Server beim Dienstleister überfordern. Die Probleme sind nicht neu, die Probleme sind hinlänglich bekannt. Irgendwie besänftigt mich dieses Statement nicht, es macht mich sogar noch wütender. Da helfen auch die ersten Whatsapp-Nachrichten nicht, dass meine Kumpels ihre Wunschtickets für die erhofften Spiele gebucht haben. Ich schaue auf meinen Rechner, meine verschiedenen Browserfenster, auf mein Smartphone. Und gebe es auf. Dieser Verein schafft mich. Selbst wenn sie gerade nicht spielen, sondern nur Karten verkaufen. Lässt mich eine Saison im Schnitt gefühlte zehn Jahre altern, dürfte der Ticketshop locker nochmals zehn oben drauf legen.

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Diesmal gibt der Rechner keinen Mucks von sich, ich sehe die aufploppende Nachricht sofort. Mit ermatteten Augen lese ich: „Warst du etwa nicht erfolgreich, Seppl? Ich habe gerade nach meinem Termin problemlos noch zwei Derbykarten kaufen können. Trotzdem danke für die Mühen – gibt ein paar Kölsch beim nächsten Treffen. M“ – eine schnelle Antwort erspare ich mir einfach. Das Schlimme ist: Ich würde es sofort wieder tun. Auch wenn ich mir wie jedes Mal geschworen habe, nie wieder Karten für irgendjemanden zu bestellen. Zu viel Stress, zu viel Ärger, zu viel Liebesmüh. Und dennoch lasse ich mich wieder breitschlagen. Aus Schaden wird man klug? Hell no, ich bin schließlich effzeh-Fan!

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