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Ehrentribüne

Falsche Weichenstellungen und das Nottingham-Syndrom: Das Erbe des Doubles beim 1. FC Köln

Mit dem Double im April 1978 war der 1. FC Köln auf dem Gipfel des deutschen Fußballs. Wie er dort hingekommen war und warum die „Geißböcke“ dort nicht blieben, schildert Frank Steffan im Auszug aus seinem Buch.

Köln Rathaus, Double-Feier (Foto ist von Carol Serbu).
Foto: Edition Steffan

Oft genug wurde bereits vom großen Double des 1. FC Köln berichtet, auch am 42. Jahrestag dieses für Effzeh-Fans unvergessenen 29. April 1978 geschieht das berechtigterweise wieder. Der historische Tag kann nicht oft genug gewürdigt werden, so weit, so richtig. Doch es stellen sich durchaus auch Fragen. Wieso konnte der 1. FC Köln diesen Erfolg nicht auf längerfristiger Ebene nutzen, um sich für die Zukunft aufzustellen?

Wie konnte es sein, das einer der damals sicher Top- aufgestellten Vereine Europas, der seinerzeit gespickt war mit Nationalspielern und absoluten Könnern nach dem größtmöglichen Erfolg auf nationaler Ebene bis auf den DFB-Pokalsieg von 1983 keine weiteren Titel folgen ließ? Zwanzig Jahre nach dem größten Vereinserfolg erfolgte gar der Abstieg. Was war da passiert?

Cover: Edition Steffan

Frank Steffan hat mit seinem Film „Das Double 1977/78“ einen großen Erfolg gelandet, unter anderem wurde seine Dokumentation im Jahr 2017 zum Siegerfilm des internationalen „11mm Fußballfestivals“ gewählt. Der Film wird übrigens ab dem 3. Mai um 15.30 Uhr auf der gleichnamigen Facebookseite für drei Tage zu sehen sein.

In seinem Buch „Das Double – Die Dokumentation einer außergewöhnlichen Epoche“ geht der Autor und Filmemacher noch weiter, erklärt deutlich und sehr detailliert viele noch unbekannte Hintergründe zum großen Kölner Erfolg. Aber er findet am Ende auch sehr nachdenkenswerte Worte zum Erbe des Doubles. Bei aller Freude über den Tagesausgang des 29. April 1978 sollte diese Nachbetrachtung aus dem Buch des Kölner Journalisten auch einmal über den Tag X hinausgehen. Hier nun der Text aus dem genannten Buch:

Zu dem Zeitpunkt, als der 1. FC Köln das Double gewann, war er erst der dritte deutsche Fußballclub, der derart erfolgreich war. Vorher war das Kunststück nur Schalke 04 im Jahre 1937, so gesehen Urzeiten zurückliegend, und dem FC Bayern München im Jahre 1969 gelungen. Dem Double haftete daher 1978 etwas ganz Exklusives an. Erst sehr viel später relativierte sich das durch die ständigen Triumphe der Bayern, die mittlerweile im Dutzend Meisterschaft und Pokal in derselben Saison holten. Seither ist das Triple das Maß aller Dinge.

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Doch was war damals im Jahr 1978 beim 1. FC Köln geschehen? War es Glück? War es die Leistung einer überragenden, überdurchschnittlichen Mannschaft? Und: Warum trug dieser durchschlagende Erfolg bei den „Geißböcken“ nicht länger als eine Saison? Man könnte sagen, dass insgesamt acht Niederlagen, vier Unentschieden und 22 Siege kein allzu guter Schnitt sind. Dem ist nicht so. Nach der damaligen Zählweise, also zwei Punkte für einen Sieg, ein Punkt für ein Unentschieden und null Punkte im Falle einer Niederlage, waren 48 Pluspunkte eine durchaus stolze Ausbeute.

Nach der Drei-Punkte Regel war es gar nicht so knapp

Dass auch der Verfolger Borussia Mönchengladbach auf die gleiche Punktzahl am Ende kam, ist genauso bemerkenswert. Eins ist aber klar: 48 Punkte hatten stets locker ausgereicht, um Meister zu werden. Und würde man die heute zugrunde liegende Drei-Punkte-Zählweise anwenden, dann wäre der 1. FC Köln mit zwei Punkten Vorsprung durchs Ziel gegangen. Betrachtet man die Spielergebnisse und vor allem ihr Zustandekommen, dann könnte man gegebenenfalls sagen, dass die Heimsiege gegen Bochum, St. Pauli, Düsseldorf und gegen Stuttgart mit einem gewissen Glück erzielt wurden.

Auch der Sieg in Kaiserslautern war in gewisser Weise glücklich. Andererseits lässt sich ohne weiteres feststellen, dass eine Reihe von Niederlagen vermeidbar waren: Die Niederlage in Saarbrücken hätte durchaus auch ein – gerechtes – Unentschieden werden können, gleiches gilt für die Niederlage beim HSV und für den Reinfall auf Schalke. Auch die Heimniederlage gegen Frankfurt musste nicht sein. Glück und Pech haben sich insgesamt halbwegs ausgeglichen.

Keine Dreifachbelastung – der FC im Glück?

Im DFB-Pokal hatte Köln zweifellos das Glück erst im Halbfinale auf den ersten Bundesliga-Club zu stoßen. Zuvor waren die Gegner allesamt zweit-, dritt-, viertklassig. Man könnte von Losglück sprechen, allerdings entledigte man sich der zugelosten Aufgaben souverän, in sieben Spielen kassierte man lediglich ein Gegentor und das ausgerechnet in der zweiten Runde gegen Bad Kreuznach. Der Gewinn des Pokals war keine reine Glückssache, es gab glückliche Umstände, dann und wann.

Foto: Edition Steffan

Die Tatsache, dass der FC bereits in der ersten Runde des Europacups gegen Porto rausflog, hat sich gegebenenfalls auf den Verlauf der Meisterschaft günstig ausgewirkt. Anders sah es bei Mönchengladbach aus. Die „Fohlen“ standen die ganze Saison über im Europacup der Landesmeister ihren Mann, sie drangen sogar bis ins Endspiel vor, das jedoch gegen Liverpool verloren ging.

Aber auch der 1. FC Köln war es seit Ewigkeiten gewohnt dreifach belastet zu sein, Erfolge zum Beispiel im UEFA-Cup beflügelten die Mannschaft in der Meisterschaft. Das frühe Ausscheiden 1977 bewirkte eher Depressionen als das Freisetzen von Energien. In dem Moment als es passierte, breitete sich Katzenjammer aus, aber langfristig ist nicht auszuschließen, dass der FC die besseren Kraftreserven im Wettrennen mit Gladbach besaß. Es ist wahrscheinlich angemessen festzustellen, dass der Kölner Erfolg leistungsgerecht zustande kam. In manchen überregionalen Medien klang das seinerzeit nicht immer so.

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