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From Zero to Hero: Christian Clemens & Jannes Horn sind beim 1. FC Köln unerwartet Leistungsträger

Der 1. FC Köln thront an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga. Großen Anteil haben daran mit Christian Clemens und Jannes Horn auch unerwartet zwei Spieler, die sich aus einem Leistungsloch gearbeitet haben.

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 13: Christian Clemens of Cologne (L) celebrates after scoring during the Second Bundesliga match between 1. FC Koeln and 1. FC Union Berlin at RheinEnergieStadion on August 13, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images)
Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Als Christian Clemens am Freitagabend beim Auswärtsspiel des 1. FC Köln in Sandhausen seinen Arbeitstag in der 70. Minute beendete, stand für den sprintstarken Flügelflitzer fest, dass dies kein normales Saisonspiel für ihn war. Nicht, dass die Auswechslung in der Schlussphase der Partie ungewohnt gewesen wäre – der 27-Jährige wurde bereits zum sechsten Mal im siebten Pflichtspiel früh vom Feld genommen. Nein, Clemens verließ den Platz erstmals in dieser Zweitliga-Saison ohne eine Torbeteiligung. Zwei Treffer und vier Vorlagen verbuchte der Offensivmann in dieser Spielzeit bereits und ist damit nach Goalgetter Simon Terodde (acht Tore, ein Assist) der zweitbeste Scorer der „Geißböcke“.

Ein steter Unruheherd in der effzeh-Offensive

Allein diese Zahlen sprechen für den Leistungsaufschwung des Kölner Eigengewächses, das seit seiner Rückkehr zum Jahresbeginn 2017 selten überzeugen konnte. Unter dem neuen Trainer Markus Anfang jedoch blüht Clemens bemerkenswert auf. Denn nicht nur die Beteiligungen an bereits sechs effzeh-Treffern machen ihn zu einem wichtigen Element im Angriffsspiel der Anfang-Elf: Mit seiner Dynamik reißt der Rechtsfuß regelmäßig Löcher in die dicht formierten Abwehrriegel des Gegners und verschafft seinen Mitspielern den nötigen Platz für ihre Aktionen. Dazu ist er in der Offensivreihe durchaus flexibel einsetzbar und dadurch im variabel angelegten Vorwärtsgang der „Geißböcke“ ein steter Unruheherd.

Ich habe die Sommerpause genutzt, um richtig fit zu werden. Und bin unverletzt durch die Vorbereitung gekommen. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass es für uns und mich derzeit so gut läuft!

„Es macht mir sehr viel Spaß. Wir haben viele offensive Leute auf dem Platz, es gibt ständig Aktionen nach vorne. Als Offensivmann lebt man natürlich davon“, erklärte Clemens Anfang des Monats in einem „Bild“-Interview auf die Frage, ob ihm die neue taktische Ausrichtung im effzeh-Spiel entgegen kommt. Doch es ist beileibe nicht nur ein neues System auf dem Platz, dass den gebürtigen Kölner wieder zum Leistungsträger hat werden lassen. Nach zahlreichen Blessuren vor seiner Rückkehr und während der Zeit bei den „Geißböcken“ ist Clemens nun wieder in Topform: „Ich habe die Sommerpause genutzt, um richtig fit zu werden. Und bin unverletzt durch die Vorbereitung gekommen. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass es für uns und mich derzeit so gut läuft“, betont der Außenstürmer.

Clemens: „Ich bin mir selbst einiges schuldig geblieben“

Insbesondere die Kritik an seinen schwachen Leistungen sieht Clemens als Motivationsspritze an – wie viele seiner Kollegen brennt er auf Wiedergutmachung: „Köln ist mein Verein, meine Heimat. Ich will das letzte Jahr wieder gut machen, insofern waren die Pfiffe vielleicht sogar Ansporn. Aber nicht nur die: Ich bin mir selbst einiges schuldig geblieben, war mit meinen Leistungen in den letzten anderthalb Jahren nicht zufrieden“, ist der 27-Jährige selbstkritisch. Der Neustart in der 2. Bundesliga ist ihm jedenfalls bestens gelungen. Dass er damit im Kader bei weitem nicht allein auf weiter Flur ist, zeigt beispielsweise Jannes Horn. Der Linksverteidiger, der im Sommer 2017 für 7,5 Millionen aus Wolfsburg zum effzeh kam, war in der letzten Saison häufig lediglich zweite Wahl, zwischenzeitlich stand sogar ein vorzeitiger Abschied aus der Domstadt im Raum.

Hey Leute,ich bin echt froh über die Reaktion, die wir in Sandhausen gezeigt haben. Sicher geht spielerisch noch mehr,…

Gepostet von Jannes Horn am Samstag, 22. September 2018

„Die vergangene Saison war für den gesamten Club ein ziemlicher Reinfall. Da hat meine persönliche Situation keine Rolle gespielt. Natürlich war ich traurig, wenn ich nicht gespielt habe oder nicht im Kader war. Aber ich habe mich nie hängengelassen und habe in jedem Training Gas gegeben“, betont der 21-Jährige im „Geißbockecho“. Davon profitiert der schnelle Außenbahnspieler nun: In allen sechs Zweitliga-Spielen kam er zum Einsatz, stand sogar bis auf den Saisonauftakt in Bochum immer in der Startelf. Ob als Linksverteidiger oder in offensiverer Rolle – Horn hat sich mit überzeugenden Leistungen in die engere Rotation gespielt. Besonders mit seinen scharfen Flanken sorgt der Linksfuß für Gefahr in den Strafräumen der Kontrahenten: Gegen Aue bereitete er mit einer Hereingabe aus dem Halbfeld die Führung der „Geißböcke“ durch Terodde vor, auch am zweiten Treffer des effzeh-Torjägers war er maßgeblich beteiligt.

Horns Motto nach dem letzten Jahr: Aus Rückschlagen lernen

Wie bei Christian Clemens ist auch für Jannes Horn die Erfahrung aus dem letzten Jahr, als der 1. FC Köln eine historisch schlechte Bundesliga-Saison spielte, enorm wichtig für seine derzeitige Entwicklung gewesen. „Man kann auch etwas Positives aus der vergangenen Saison ziehen: In schwierigen Zeiten lernt man sehr viel, und sie tragen dazu bei, dass man positive Erlebnisse umso mehr wertschätzen kann“, erklärt der ehemalige U21-Nationalspieler, der auch aufgrund gesundheitlicher Probleme in seiner Premierensaison beim effzeh lediglich 15 Einsätze bestritt und bei den Fans wegen seiner Abwanderungsgedanken im Winter nicht unumstritten. „Wir haben reichlich Gelegenheiten gehabt, zu lernen, mit Rückschlägen umzugehen. Davon habe ich jetzt aber auch erst einmal genug. Wir wollen alle ein erfolgreiches Jahr spielen und wieder hoch in die Bundesliga“, gibt sich der Abwehrmann angriffslustig. Mit der sportlichen Talfahrt soll Schluss sein – sowohl Jannes Horn als auch der Bundesliga-Absteiger scheinen dabei auf einem guten Weg zu sein.

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Denn für die direkte Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußballs braucht es mehr als nur einen überragenden Torjäger, mehr als nur eine Handvoll formstarker Führungsspieler. Es braucht auch die unerwarteten Leistungsträger, die das Team über die Saison nach vorne bringen können. Sowohl Christian Clemens als auch Jannes Horn zeigen, dass zum einen niemand beim 1. FC Köln frühzeitig abgeschrieben sein sollte und zum anderen durchaus möglich ist, sich aus einem Leistungstief auch wieder herauszuarbeiten. Der eine überzeugt endlich nach einer langen Durststrecke und vielen Verletzungen, der andere beißt sich trotz Konkurrenz durch einen Nationalspieler und verlockenden Angebote in Köln durch. Es sind auch solche Geschichten, die eine erfolgreiche Saison schreiben kann.

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