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Vorspiel

Der 1. FC Köln beim Re-Start gegen Mainz 05: Besonderes Wiedersehen im Blindflug

Nach über zwei Monaten Pause kehrt der 1. FC Köln mit einem Heimspiel gegen Mainz 05 ins Bundesliga-Geschehen zurück. Dass es keine normale Partie werden wird, dürfte allen Beteiligten bewusst sein.

MAINZ, GERMANY - OCTOBER 25: Noah Katterbach of 1.FC Koln is challenged by Levin Öztunali of 1.FSV Mainz 05 during the Bundesliga match between 1. FSV Mainz 05 and 1. FC Koeln at Opel Arena on October 25, 2019 in Mainz, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Über zwei Monate ist es her, da stand der 1. FC Köln zuletzt für ein Pflichtspiel auf dem Platz. Mit 1:2 unterlagen die „Geißböcke“ im ersten so genannten „Geisterspiel“ der Bundesliga-Geschichte unter Ausschluss nahezu aller Zuschauer bei Borussia Mönchengladbach. Es war ein Derby, das in die Historie der Duell zwischen den rheinischen Rivalen eingehen wird – weniger aufgrund der sportlichen Geschehnisse einer recht unspektakulären Partie, mehr wegen der komplett surreal daherkommenden Rahmenbedingungen, die der SARS-COV-2-Pandemie und einer vormaligen Verlegung des Spiels dank eines Sturmtiefs geschuldet waren.

67 Tage und viele, viele Debatten rund um die Bundesliga später geht es für den 1. FC Köln im Spielbetrieb weiter – die Saison wird dort fortgesetzt, wo sie unterbrochen wurde. Mit einem Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 kehren die „Geißböcke“ zurück. Die Rahmenbedingungen sind um einiges absurder als noch vor dem Geisterderby: Die Mannschaft, wochenlang entweder in Einzeleinheiten im Home Office oder im Kleingruppentraining am Geißbockheim unterwegs, bekam erst in der vergangenen Woche grünes Licht für die gemeinsame Vorbereitung auf den Re-Start. Regelmäßige Tests von Spielern und Trainerstab sollen ebenso Sicherheit vermitteln wie ein umfangreiches Hygienekonzept, das allerdings nicht allerorten auf Verständnis stößt. Zuschauer wird es keine geben – die Bundesliga kehrt einzig und allein zurück, um ihr Überleben zu sichern.

Gisdol: „Wir haben wieder ein Ziel vor Augen“

FC-Coach Markus Gisdol war dementsprechend in einer Video-Pressekonferenz vor der Partie gegen Mainz die Erleichterung deutlich anzumerken, dass der Leerlauf nun endlich der Vergangenheit angehört: „Die Mannschaft freut sich, dass wir wieder einen Wettkampf haben. Wir haben wieder ein Ziel vor Augen. Jeder Leistungssportler möchte sich mit anderen Gegnern messen. Wir versuchen uns auf bei allen Begleiterscheinungen auf das Spiel zu konzentrieren und auf die Dinge, die wir beeinflussen können“, erklärte der 50 Jahre alte Fußballlehrer, der beim Re-Start bis auf Niklas Hauptmann und Rafael Czichos auf einen prall gefüllten Kader zurückgreifen kann. Selbst Ismail Jakobs, einige Tage wegen einer asymptomatischen Covid-19-Infektion in Quarantäne, kehrte rechtzeitig zum Neubeginn ins Mannschaftstraining zurück.

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Die starke Form, die der FC vor der Unterbrechung der Saison zeigte, sieht Gisdol als Faustpfand und Herausforderung zugleich. „Es ist natürlich besser, wenn du mit einem positiven Gefühl in die Pause gehst. Du weißt, dass du gut drauf warst und gut gearbeitet hast. Diese Dinge jetzt ohne Zuschauer abzuliefern, ist unsere Challenge“, unterstreicht der Kölner Trainer: „Ich bin gespannt, wie sich die Laufleistungen der gesamten Liga unterscheiden werden, weil die Anfeuerung von außen nicht da sein wird. Wir haben dennoch versucht, uns bestmöglich vorzubereiten. Wir müssen jetzt auch ohne Zuschauer wieder so Fußball spielen, wie wir es vor der Unterbrechung getan haben.“

Unwirkliche Atmosphäre im Müngersdorfer Stadion

Von Vorteil könnte dabei sein, dass die „Geißböcke“ bereits am eigenen Leib erfahren haben, was es bedeutet, vor leeren Rängen spielen zu müssen. „Erfahrung ist immer gut. Es ist nicht von Nachteil, solch ein Spiel schon bestritten zu haben. Ich glaube, wir können Erfahrungswerte aus der letzten Partie ziehen“, betonte Gisdol schon Mitte April, als der Zeitpunkt einer Fortsetzung der Bundesliga noch nicht absehbar war. An der Einschätzung dürfte sich einen Monat später allerdings nicht viel geändert haben – diese unwirkliche Atmosphäre im Müngersdorfer Stadion wird dennoch zur Herausforderung für beide Mannschaften werden. Der FC-Coach sieht trotzdem die eigene Heimat als positiven Faktor: „Wenn ich nach Hause komme und meine Familie ist nicht da, dann bin ich trotzdem in meinem gewohnten Umfeld. Es ist besser, als wenn ich in einem fremden Haus bin. Deswegen ist der Heimvorteil nach wie vor vorhanden.“

„Wenn ich nach Hause komme und meine Familie ist nicht da, dann bin ich trotzdem in meinem gewohnten Umfeld. Es ist besser, als wenn ich in einem fremden Haus bin.“

Dennoch: Dem FC werden am Sonntagnachmittag, wenn um 15.30 Uhr ein Spiel angepfiffen wird, das viele Fans zu diesem Zeitpunkt nicht hatten haben wollen, die eigenen Anhänger abgehen. Gerade im Müngersdorfer Stadion hatten die „Geißböcke“ in der Vor-Corona-Zeit überzeugen können. Fünf der letzten sechs Heimspiele gingen an die Gisdol-Elf, die sich auch deshalb in der Tabelle von der Abstiegsrängen haben absetzen können. Und gerade die rheinhessischen Gäste schienen in der Bundesliga bisher ihre Probleme mit der Atmosphäre in Köln-Müngersdorf zu haben: In acht Heimspielen in der höchsten deutschen Spielklasse sind die „Geißböcke“ noch ohne Niederlage gegen die „Nullfünfer“, vier Siege und vier Remis stehen zu Buche.

Motivation nicht nur dank der tabellarischen Ausgangslage

Dass es kein normales Spiel werden wird, dürfte allen Beteiligten angesichts der Rahmenbedingungen bewusst sein. Im Blindflug startet der FC zurück in den Spielbetrieb – ohne großen Vorlauf oder geordnete Vorbereitung. Markus Gisdol sieht sein Team dennoch gerüstet. „Es wird vieles aus den letzten Spielen abzuleiten sein. Wir ziehen die Videoanalyse zur Hilfe und nutzen das auch. Wir legen aber noch einmal mehr Fokus auf unsere eigenen Stärken und Schwächen“, betont der Kölner Trainer vor der Partie, die für die „Geißböcke“ nicht nur wegen der Gesamtsituation richtungsweisenden Charakter haben könnte. Mainz als Tabellen-15. liegt bereits sechs Punkte hinter dem FC, der mit einem Sieg sogar die Chance hat, Richtung Europapokal-Plätze schielen zu können. Zumal in der kommenden Woche ein weiteres Duell vor den eigenen leeren Rängen mit einem Abstiegskandidaten wartet, wenn Fortuna Düsseldorf zum Derby in Köln vorbeischaut.

Hector Kainz Willenborg Mainz

Foto: imago images / Jan Huebner

Motivation dürfte die Gisdol-Elf allerdings nicht nur aus der tabellarischen Ausgangslage ziehen. Die besondere Bundesliga-Wiederbelebung beginnt für den FC auch mit dem besonderen Wiedersehen mit Ex-Coach Achim Beierlorzer, der in Köln im November seinen Hut nehmen musste und nur eine Woche später in Mainz aufschlug. Und da wäre noch dieses Hinspiel, das bei den „Geißböcken“ für ordentlich Puls sorgen sollte. Mit 1:3 unterlagen die Kölner im XXL-Möbelhaus zu Mainz – eine katastrophale Fehlentscheidung, als dem FC ein klarer Handelfmeter verweigert wurde, inklusive. Das alles wird vielleicht in den Vordergrund rücken, wenn Sonntagnachmittag der Ball wieder rollt. Angesichts der besonderen Umstände dürfte der Sport allerdings weiterhin eher Nebensache sein.

So könnte der 1. FC Köln spielen: Horn – Ehizibue, Bornauw, Leistner, Katterbach – Hector, Skhiri – Drexler, Uth, Kainz – Cordoba

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