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Nachspiel

1. FC Köln unterliegt 1:3 im Derby: Ohne Zugriff, ohne Orientierung und ohne Chance

Im Derby gegen Borussia Mönchengladbach bekommt der 1. FC Köln eine Lehrstunde in Sachen moderner Fußball erteilt. Dass es letztlich nur 1:3 ausging, haben die „Geißböcke“ mehr dem Gegner denn sich selbst zuzuschreiben.

Foto: imago images/Herbert Bucco

Die Szenen wiederholen sich Spieltag für Spieltag: Nach dem Schlusspfiff stemmen die Spieler des 1. FC Köln die Hände in die Hüfte, schauen mit leerem Blick aneinander vorbei und müssen konstatieren, dass sie verloren haben. Wieder einmal. Zum dritten Mal im dritten Saisonspiel, zum neunten Mal in den letzten 13 Partien. Sie müssen lange in ihrem Gedächtnis kramen, bevor sie sich an den letzten dreifachen Punktgewinn in der Bundesliga zurückerinnern können. Am 6. März diese Jahres war das, ein 2:1-Auswärtssieg beim SC Paderborn. Lang ist’s her.

Nun musste der 1. FC Köln eine besonders bittere Niederlage hinnehmen: Im Derby gegen Borussia Mönchengladbach setzte es für die „Geißböcke“ ein verdientes 1:3, das Ergebnis hätte durchaus noch deutlich höher ausfallen können. Zu keiner Zeit war die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol auf Augenhöhe mit dem rheinischen Rivalen, der früh mit 2:0 im Führung ging und das Heft des Handelns nur sehr selten aus der Hand gab. Mehr als der Ehrentreffer durch Elvis Rexhbecaj sprang für den FC dann auch nicht heraus.

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Ein zwanzigminütiges Hinterherlaufen

Was sich in den ersten zwanzig Minuten des einzig wahren Derbys abspielte, war für FC-Fans nur schwer zu ertragen. Die Borussia spielte die Kölner dermaßen rund, das einem angst und bange werden konnte. Die FC-Akteure kamen in keinen einzigen Zweikampf und liefen ständig hinterher. Es hätte nur noch gefehlt, dass sie den temporeichen Darbietungen der Gladbacher und ihrem gekonnten Kombinationsspiel den (verdienten) Applaus gespendet hätten.

Die Fohlen konnten sich sogar den Luxus erlauben, mehrere Großchancen auszulassen, bevor dann Alassane Pléa zur 1:0-Führung traf. An dem Tor waren zwei Dinge besonders ärgerlich: Der Angriff glich der Aktion der Bielefelder vor deren Tor am letzten Samstag wie ein Ei dem anderen. Ein langer Ball, Czichos rennt Hofmann hinterher, der einen gar nicht mal so guten Pass auf den Franzosen spielt – Tor.

Pléa steht zwar an der Strafraumlinie sträflich frei und sein Schuss hat auch die nötige Härte, trotzdem schlägt er in der von Horn aus gesehen kurzen Ecke ein. Seine Reaktion artet in eine Demutsgeste aus: Er sinkt auf beide Knie, bevor er dem Ball hinterherschaut. Nur wenig später köpft Lainer zum 2:0 ein, kein Kopfballtorpedo, weiß Gott nicht. Aber wieder in Horns Torwartecke, wieder mutet der Abwehrversuch des Tormanns hilflos an. Er versucht, mit den Füßen abzuwehren und auch mit den Armen. Den Ball kann er auf dessen Weg ins Kölner Tor jedenfalls nicht aufhalten.

Foto: imago images/Herbert Bucco

Was nicht nur heute auffällt: Horn setzt deutlich häufiger als früher die Fußabwehr ein, ohne diese wirklich gut zu beherrschen. Die Frage an Torwarttrainer Andreas  Menger drängt sich auf,  warum sein Schützling dies tut. Es wäre allerdings unfair zu verschweigen, dass das Kölner Eigengewächs in Hälfte eins einige gute Reaktionen zeigt und Schlimmeres verhindert. Das Los eines Torhüters ist jedoch, dass in erster Linie die gemachten Fehler zählen, besonders dann, wenn sie zu Gegentoren führen.

Überlegene Borussen, deutlich unterlegene Kölner

Was war da passiert in den ersten zwanzig Minuten? Gisdol hatte dem Team mit der Dreierkette plus zwei Außenbahnspielern ein System verordnet, das funktionieren kann, wenn man das dafür notwendige Personal besitzt und die erforderliche Zeit hat, um Automatismen auszubilden. Jeder Ball hinter die drei Innenverteidiger wird brandgefährlich, weil diese das notwendige Tempo nicht besitzen. Eine solch komplexe Systemänderung erfordert Übung, viel Übung. Es muss niemanden verwundern, wenn vier Trainingstage dafür nicht ausreichen. Die Spieler suchten Orientierung, wo es keine gab. Vor allem aber suchten sie Zugriff auf den Gegner und fanden ihn – wenn überhaupt – erst in Hälfte zwei.

Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images

Zahlenmäßig fiel die Niederlage noch moderat aus, sie drückt das Kräfteverhältnis auf dem Platz nur unzureichend aus. Zu verdanken hat man dies den Gladbachern, die spätestens nach dem 3:0 in der 56. Spielminute ihr Tempo spürbar drosselten. Aber auch mit halber Kraft zeigten sie ihrem Gegner, wie moderner Fußball aussehen sollte: kombinationssicher, temporeich und abschlussorientiert.

Auf dem Spielfeld war die Elf vom Niederrhein am Samstag spielerisch wie kämpferisch Vorbild für deutlich unterlegene Kölner. Zudem stand mit Marco Rose ein engagierter Trainer einem seltsam teilnahmslosen Markus Gisdol gegenüber. Gladbachs Übungsleiter hat dem Team ein System beigebracht, das einfach passt. Auch die Mischung der Mannschaft macht Sinn. Sportdirektor Max Eberl bürgt hier für Qualität.

„Sowas kommt von sowas“ ist eine der Lebensweisheiten des schrulligen Herrn Kempowski in „Tadellöser und Wolff“. Das Zusammenspiel von Ursache und Wirkung. Oder: So etwas passiert, wenn ein Klub wie Borussia Mönchengladbach, der die Leistungsorientierung zur höchsten Maxime auf allen Vereinsebenen erhebt, auf einen „spürbar anderen“ 1. FC Köln trifft.

Die Stimmen zum Spiel

Markus Gisdol geht auf die starke Leistung der Gladbacher ein: „Der Gladbacher Sieg war absolut verdient. Wir sind auf einen enorm starken Gegner getroffen, der uns fast nichts erlaubt hat. In den ersten zwanzig Minuten waren wir im Zweikampf nicht gut. Gladbach war heute in der Summe zu konsequent und zu gradlinig. Du weißt dann auch, warum die Borussen gegen Inter Mailand und Real Madrid spielen und wir gegen den Abstieg.

Timo Horn machte seiner Enttäuschung Luft: „Für ein Derby war es nicht das, was wir auf den Platz bringen wollten. Wir waren chancenlos in den ersten Minuten. Wir haben Gladbach zu Torchancen eingeladen und, das muss man ganz klar sagen, verdient verloren. Ob es an der Umstellung in der Abwehr lag, werden wir analysieren. Union Berlin hat Gladbach in dem System sehr gut verteidigt, wir haben das in der Form nicht hinbekommen. Wenn der Einsatz und die Aggressivität nicht stimmen, dann kannst du jedes System der Welt spielen.“

„Bei dieser Anfangsphase fehlen einem die Worte, auch auf dem Platz. Das ist schwer zu begreifen.“

Elvis Rexhbecaj ärgerte sich besonders über die ersten zwanzig Minuten: “ Wir haben heute die ersten 20 Minuten verpennt. Wir haben dem Gegner zwei Tore geschenkt und mussten uns bei Timo bedanken, dass wir nicht schon höher zurückliegen. Bei dieser Anfangsphase fehlen einem die Worte, auch auf dem Platz. Das ist schwer zu begreifen.“

Zahlreiche Abstellungen in der Länderspielpause

Jetzt steht zunächst einmal die 14tägige Länderpause an. Markus Gisdols Hoffnung, die Zeit für das Einspielen der Neuzugänge und die Automatisierung von Abläufen im Spiel nutzen zu können, wird wohl ein frommer Wunsch bleiben. Spieler wie Duda, Limnios und Andersson werden ihren Nationalteams zur Verfügung stehen müssen, darüber hinaus wird der Kölner Übungsleiter aus dem selben Grund auf Skhiri, Bornauw und Özcan verzichten müssen.

Die Aussichten? Trübe wie das Wetter. Anlass zur Hoffnung? Fehlanzeige. Es wird Herbst in Köln.

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