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Interviews

Stefan Müller-Römer im Interview: „Man sollte nie vergessen, dass man Diener des Vereins auf Zeit ist“

Knapp zwei Wochen ist Stefan Müller-Römer bereits Interimsvorstand des 1. FC Köln. Wir haben mit dem nunmehr ehemaligen Mitgliederratsvorsitzenden über seine neue Rolle im Club gesprochen.

Stefan Müller-Römer | Foto: Sebastian Bahr
Stefan Müller-Römer | Foto: Sebastian Bahr

Von Markus Ritterbach und Toni Schumacher würden Sie also erwarten, dass sie im Sinne des Clubs auf eine „Kampfkandidatur“ verzichten würden, wenn sie vom Mitgliederrat nicht nominiert werden sollten?

Sofern der Mitgliederrat ein komplett neues Team vorschlagen würde, würde ich das erwarten, weil der Verein im Vordergrund stehen muss und nicht Personen. Als Funktionär sollte man nie vergessen, dass man ein Diener des Vereins auf Zeit ist.

Der „Express“ will erfahren haben, dass Dr. Werner Wolf neuer Präsident werden soll. Wie weit ist die Vorstandssuche des Mitgliederrats voran geschritten – oder dürfen Sie als Vorstand nun gar nicht mehr über die Kandidatensuche sprechen?

Natürlich darf ich darüber reden, weil ich schließlich keinen Maulkorb habe. Ich war ja in der Findungskommission. Wir haben das Ganze schon letztes Jahr begonnen, weil wir während der bereits letztes Jahr existierenden Krankheit von Werner Spinner überlegen mussten, was zu tun ist, wenn er nicht weitermachen kann. Als vorausschauend arbeitendes Gremium haben wir uns also schon vor einem Jahr mit dem Thema beschäftigt. Im Dezember (nach der Mitgliederratswahl – Anm. d. Red.) haben wir das wieder aufgenommen, weil klar war, dass die Zeit schnell vergehen wird. Das ist eine sehr wichtige Entscheidung, die mit dem aktuellen sportlichen Geschehen wenig bis gar nichts zu tun hat – da sind andere Kriterien entscheidend. Daher muss man das langfristig vorbereiten, um ein vernünftiges Team zusammen zu bekommen – und genau das hat der Mitgliederrat gemacht.

„Das muss man einfach aushalten.“

Als Person sind Sie in der Anhängerschaft des 1. FC Köln in der Vergangenheit nicht unumstritten gewesen – liegt das an Ihrer alten Oppositionsrolle zu Zeiten Wolfgang Overaths oder haben Sie andere Erklärungsansätze dafür?

Foto: Sebastian Bahr

Wenn ich mir anschaue, wie viele positive Reaktionen es gegeben hat, als der Mitgliederrat mich entsandt hat, dann spricht das eine eindeutige Sprache. Aber es gibt immer Leute, die unqualifiziert irgendwelche Dinge über andere raushauen und sich dabei noch nie mit den Betroffenen unterhalten haben. Das ist gerade in Zeiten des Internets so und trifft ja nicht nur mich. Es trifft eigentlich jeden, der irgendwie in der Öffentlichkeit exponiert ist. Das muss man einfach aushalten. Man darf auch nicht jeder schwachsinnigen Aussage hinterherlaufen. Ich bin immer bereit, mich kritisch mit jedem auseinanderzusetzen, der ein bestimmtes Niveau beachtet. Ihre mediale Konkurrenz hat das ganz gut ausgedrückt, ich bin „streitbar, aber immer fair“. Da ich damals die Opposition unter Overath angeführt habe und auch als Mitgliederratsvorsitzender vom Vorstand nicht gerade verhätschelt, sondern eher mal mit Steinen beworfen worden bin, bleiben solche Dinge natürlich haften. Da kann man sich nicht gegen wehren, wenn permanent erzählt wird, man sei „unbequem“ oder man würde „nerven“. Viele Leute neigen dazu das dann einfach zu glauben – nach dem Motto „Wenn die das sagen, wird das schon stimmen“. Die Hintergründe kennen sie natürlich nicht. Wer sich nicht die Mühe macht, sich inhaltlich auseinanderzusetzen, wird bei diesem oberflächlichen Urteil bleiben. Aber die Leute, die sich intensiv mit dem Verein beschäftigen, und das sind einige tausend Mitglieder, die wissen sehr genau, was der Mitgliederrat und auch ich persönlich für den Verein geleistet haben und nach wie vor leisten. Da bekomme ich extrem positives Feedback.

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Also glauben Sie, dass es mehr von der Rolle und gar nicht so sehr von der Person abhängt, wie man wahrgenommen wird – Sie waren schließlich in den letzten Jahren ein Kontrolleur?

Es hängt in jedem Fall auch von der Rolle ab, ganz egal wer da sitzt. Natürlich ist aber auch immer ein persönlicher Einschlag mit dabei. Aber das habe ich ja gesagt: Ich bin streitbar und fair und lasse mir Regelverstöße und Unverschämtheiten nicht einfach so gefallen, sondern setze mich dagegen auch pointiert zur Wehr. Das gefällt natürlich nicht jedem.

Mancher will Ihnen aber partout nicht glauben, dass sie im September wieder in den Mitgliederrat zurückkehren werden. Eigentlich würden Sie ein dauerhaftes Vorstandsamt anstreben. Was entgegnen Sie auf diese „Verdachtsmomente“?

(lacht) Ein dauerhaftes Amt gibt es doch gar nicht. Arbeit im Verein ist immer Dienen auf Zeit. Der Mitgliederrat müsste vorschlagen und die Mitglieder müssten wählen. Anders ginge es ohnehin nicht. Ich habe aber gesagt, dass ich auf der kommenden Mitgliederversammlung nicht kandidieren werde und dabei bleibt es auch. Ich bin kein typischer Politiker, der es heute so sagt und morgen wieder anders. Ich kann nichts dafür, wenn mancher das nicht glauben will.

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