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Nachspiel

1. FC Köln nach Pleite in Berlin Tabellenletzter: „Dann haben wir keine Chance!“

Der 1. FC Köln verliert auch in Berlin und ist Tabellenletzter. Der Zusammenhalt zwischen Mannschaft und Fans bröckelt.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Wochenlang hatte es sich angedeutet, nun ist der 1. FC Köln am Ende der Bundesliga-Tabelle angekommen: Mit der 0:2-Pleite gegen Union Berlin und dem Erfolg des SC Paderborn gegen Werder Bremen steht der ruhmreiche Traditionsverein vom Rhein erstmals in dieser Saison auf dem letzten Rang. Vier Punkte beträgt der Rückstand auf Platz 15 und damit das rettende Ufer bereits jetzt. Der Gegner am Sonntag, zusammen mit den Kölnern im letzten Sommer in die Bundesliga aufgestiegen, ist bereits enteilt: Mit 19 Zählern auf dem Konto liegen die „Eisernen“ auf Platz zehn – da, wo die Geißböcke gerne wären. Während die Stimmung in Köpenick also bestens ist, wirkt der 1. FC Köln zunehmend ratlos.

„In der ersten Hälfte war die Reaktion in Ordnung, da waren wir noch im Spiel drin“, fasste Neu-Trainer Markus Gisdol (drei Spiele, ein Punkt) den Spielverlauf in Berlin nach der Partie zusammen. „In der zweiten Hälfte machen wir dann einen ähnlichen Fehler, schenken dem Gegner wieder im Mittelfeld den Ball, kriegen einen Konter, es steht 0:2 und das Spiel ist weg.“ Der neue Kölner Geschäftsführer Sport, Horst Heldt, fasste sich kürzer in seiner Bewertung: „Nach dem 0:2 war nicht mehr viel drin. Das ist das Bild, das wir derzeit abgeben.“

Drexler: „Ich sehe viel, was mir Hoffnung macht“

FC-Fans in Berlin | Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Während die Verantwortlichen nach der erneuten Pleite halbwegs deutliche Worte finden, ist ungewiss, ob sich die Mannschaft des 1. FC Köln so recht im Klaren über ihre Situation ist und wie gut Fremd- und Selbstwahrnehmung am Rhein derzeit zusammenpassen. Aus dem Ergebnis werde jetzt „wahrscheinlich mehr gemacht, als es ist“, erklärte Dominick Drexler nach Spielschluss und gab eine eigenwillige Bewertung ab: „Ich habe keine tote Mannschaft gesehen. Ich sehe viel, was mir Hoffnung macht.“ Und auch Stürmer Simon Terodde fand durchaus positive Aspekte am insgesamt eher kläglichen Auftritt in der Hauptstadt: „Die Körpersprache fand ich positiv. Jeder war für den anderen da, das war mein Gefühl auf dem Platz.“

Das Gefühl dürften auf den Rängen und vor den TV-Geräten nicht allzu viele Kölner mit ihrem Mittelstürmer geteilt haben. Zwar gelang dem 1. FC Köln in der ersten halben Stunde der Partie durchaus ein solider Auftritt inklusive Torchancen von Birger Verstraete und Terodde. Das Tor machte dann aber eben mal wieder der Gegner nach einer schlecht verteidigten Ecke. Und bevor die Kölner im zweiten Durchgang geistig wieder auf der Höhe waren, nutzten die Hausherren prompt einen haarsträubenden Kölner Ballverlust im Mittelfeld und stellten auf 2:0 – von positiver Körpersprache, Hoffnung oder gar einem Aufbäumen gegen die Niederlage war spätestens ab diesem Zeitpunkt nichts mehr zu sehen.

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„Da hätte mehr von der Mannschaft kommen können“, fand auch Gisdol nach Abpfiff. Mit „Schönspielen“ werde man aus der aktuellen Situation nicht herauskommen. „Die Statistik zum Spiel zeigt, worauf es ankommt. Wenn wir nicht über 90 Minuten hinweg konsequent sind, die Laufleistung bringen und auch mal zu Null spielen, wenn wir vorne nicht treffen, dann haben wir keine Chance.“

Die Mär von der Erwartungshaltung

Nicht mehr als Faktor für den Misserfolg angeführt wurde von Gisdol und Heldt die angeblich zu hohe Erwartungshaltung des Kölner Anhangs. Vor der Partie in Berlin hatten die beiden Neuen beim FC in Interviews noch in alte Kerben geschlagen und erklärt, in Köln könne man ja nicht einfach nur auf Klassenerhalt spielen. Das Umfeld sei speziell und Druck und Erwartungshaltung einfach sehr groß. Eine alte Mär, die von den Kölner Anhängern nicht unbeantwortet bleiben sollte.

Ein offener Brief sorgte für Wirbel und in Berlin drehten die Fans den Spielern in den letzten Minuten den Rücken zu. Das feste Band zwischen Anhängern und ihrer Mannschaft, das sich in der letzten guten Phase des Vereins unter Peter Stöger und Jörg Schmadtke gebildet hatte, droht in diesen Tagen endgültig zu reißen. „Von uns kam nach dem 0:2 nichts mehr, deshalb verstehe ich die Reaktion der Fans“, erklärte Heldt und bemühte sich, den Fokus auf das zu lenken, was für den 1. FC Köln entscheidend wird: „Jeder einzelne Spieler muss Verantwortung übernehmen. Jeder muss bereit sein, alles dafür zu tun, dass wir da unten rauskommen. Das ist unsere Erwartungshaltung.“ Die der allermeisten Fans dürfte übrigens bereits zu Saisonbeginn exakt genauso gelautet haben.

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