Der erhoffte Befreiungsschlag blieb für den 1. FC Köln im Heimspiel gegen Bremen aus. Dennoch: Der befürchtete Bruch zwischen Fans und Mannschaft blieb aus.

Was wurde nicht alles nach dem Auswärtsspiel des 1. FC Köln in Baryssau geschrieben: Die Fans haben keine Geduld mehr, Pfiffe von den Rängen, „erste Risse“ zwischen Spielern, Verantwortlichen auf der einen, Fans auf der anderen Seite. Und die Anhänger, die das zweite Auswärtsspiel des effzeh in der Europa League im Stadion verfolgten, waren zu Recht frustriert, mussten sie sich zumindest in der zweiten Halbzeit den „Nicht-Fußball“ ihrer Geißböcke anschauen. Auch die Spieler waren nach Abpfiff und der besiegelten dritten europäischen Niederlange frustriert und reagierten mitunter dünnhäutig auf die Kritik von den Rängen.

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Und wie ging diese Leidensgeschichte am Sonntagmittag in Müngersdorf weiter? Grauer Himmel, ein kalter Wind und…lautstarke Unterstützung. Natürlich feuerte die Südkurve die Mannschaft an. Wer etwas anderes erwartete, der kennt die Kölner Anhängerschaft schlecht. Mit einem großen Spruchband über den Zaun vor den Blöcken S3 und S4 überbrachten Kölner Ultras der Mannschaft eine Botschaft, die man gar nicht missverstehen kann:  „Brust raus! Blick nach vorne! Kämpfen und siegen!“

Von Pfiffen aus der Südkurve keine Spur

Auf dem Platz machte sich die Mannschaft für das Kellerduell gegen Werder Bremen warm. Doch bevor die Spieler in die Kabinen verschwanden, kamen sie geschlossen in die Südkurve und stellten sich den Anhängern. Es hagelte keine Pfiffe, sonder es gab eine Motivationsansprache der Ultras, die der Mannschaft ihren Rückhalt versicherten. Erst danach machte sich die Mannschaft auf den Weg in die Kabine. Das sah nicht wirklich nach dem in den Boulevard-Medien viel geschriebenen Bruch mit der Mannschaft aus.

Wenn es keinen Bruch gibt, was war also in Baryssau passiert? Dass die mitgereisten Fans – mutmaßlich übernächtigt und durchgefroren – nach einem mittelprächtigem Gekicke und einer unnötigen Niederlage kurz die Fassung verloren, ist irgendwie nachvollziehbar. Und doch, sie kennen es nicht anders – und kommen trotzdem immer wieder. Der Großteil der mitgereisten Fans kennt den Verein sogar nur aus und in schlechten Zeiten und hat sich trotzdem verliebt. So schauen die Anhänger dieser Mannschaft auch im zwölften Pflichtspiel in Folge ohne Sieg zu und sangen 90 Minuten lang ihre Lieder.

Durchmachen statt Charterflug

Und es bleibt dabei: Fußball bedeutet auch Emotionen und die sind nicht immer geplant und korrekt, aber spontan und ehrlich. Für die Fans bedeutete die Reise an den äußeren Rand von Europa keine schicke Dienstreise, kein bequemer Charterflug und keine warme Dusche nach dem Spiel. Für den Großteil waren diese Tage in Belarus mit sowieso knappen Urlaubstagen, teuren Flügen zu unchristlichen Zeiten und das Ausreizen des Dispo bis nichts mehr geht verbunden – trotzdem standen sie selig grinsend im Gästeblock der Baryssau Arena.

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Doch zurück nach Müngersdorf und der nächsten Nullnummer – zumindest mit Punktgewinn für die „Geißböcke“.  Auch deshalb konnte man alle Anwesenden merklich aufatmen hören, als die Mannschaft nach Abpfiff auf den Weg in die Südkurve war und ihr Applaus entgegen schlug. Die unmissverständliche Message: Wir unterstützen die Mannschaft immer, wir stehen immer hinter euch. Wir sind immer da und glauben an euch, wenn ihr es selbst nicht mehr tut.

„Come on, FC“-Rufe zum Abschied

Ins gleiche Horn blies übrigens der Retroschal, den die Ultras vor dem Stadion in Baryssau anboten. Dieser trug die Aufschrift: „Gemeinsam durch Europa.“ Was die Mannschaft in den letzten Jahren  erreicht und möglich gemacht hat, haben die Fans nämlich auch nach etlichen glücklosen Spielen nicht vergessen. Eine tolle Geste, dass der vor dem Spiel beschworene Zusammenhalt auch nach dem Spiel noch da ist: Einige Spieler kamen nach ihrem obligatorischen Kreis auf dem Feld nach Abpfiff in die Kurve und gaben den Fans wortwörtlich ihr letztes Hemd und verließen das Stadion unter lauten „Come on, FC“-Rufen der Anhänger.

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1 Kommentar

  1. Werner Wingenfeld am

    Endlich mal wieder ein konstruktiver Kommentar! Ich hätte schon bald nicht mehr daran geglaubt. Weiter so; das braucht die Mannschaft jetzt, und das Management ebenso. Doppelt schade, dass Schmadtke jetzt schon hingeschmissen hat. Aber vielleicht hat gemau das noch was in den Köpfen bewegt. Denn nichts ist so schlimm, dass es nicht noch schlimmer kommen könnte…
    Werner Wingenfeld