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Zusatzspiel

Zur Lage der Nation

Der effzeh konnte in diesem Jahr bislang erst einmal dreifach punkten. Das ist natürlich nicht allzu cool, allerdings befinden wir uns nach wie vor auf dem richtigen Weg. Eine Rückrundenbilanz.

Foto: SASCHA SCHUERMANN/AFP/Getty Images

Es ist noch nicht einmal Ostern und schon sind es wieder aufregende Zeiten rund ums Geißbockheim. Erst verliert der effzeh in einem nervenaufreibenden Spiel mit 1:3 gegen den FC Schalke, dann kommt effzeh.com noch mit einem Relaunch an den Start und schließlich feiert Stöger seine ersten 1000 Tage als Trainer des effzeh. Schwer, da noch den Überblick zu behalten!

Mal im Ernst, wir können uns momentan nicht beschweren. Dem effzeh geht es so gut wie lange nicht. Im zweiten Bundesligajahr weist man Stand März (oder nach dem 25. Spieltag) 30 Punkte auf und ist dem Klassenerhalt greifbar nahe. In den verbleibenden acht Partien bieten sich für den effzeh noch ausreichend Gelegenheiten, um die verbleibenden Punkte für den Klassenerhalt und die Erreichung eines akzeptablen Tabellenplatzes einzufahren. Zugegeben, die Rückrunde verlief bislang alles andere als zufriedenstellend und die bisherige Bilanz von einem Erfolg aus acht Spielen ist auch mehr als ausbaufähig. Dennoch, und das betonen wir ausdrücklich, ist der effzeh auf dem besten Wege, sich als solide Bundesligamannschaft zu etablieren. Es gab in der jüngeren Vergangenheit des effzeh auch Phasen, in denen man zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr wusste, was zu tun wäre und wie man sich irgendwie aus dem Schlamassal befreien könnte. Mittlerweile sieht das anders aus.

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Bittencourt traf endlich
Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Taktische Weiterentwicklung im dritten Jahr unter Stöger

Nachdem der effzeh im vergangenen Jahr grundsätzlich erst einmal Wert darauf legte, durch defensive Stabilität und geringes Risiko zum Erfolg zu kommen und folglich die Klasse zu halten, geht die Entwicklung der Mannschaft im dritten Jahr unter Peter Stöger weiter. Der Österreicher ist mittlerweile 1000 Tage Trainer des effzeh (herzliche Glückwünsche übrigens!) und die Entwicklung des Vereins auf und neben dem Feld hätte wohl kaum besser verlaufen können. Merkmale des effzeh 2015/2016 sind in erster Linie die taktische Flexibilität, Verbesserungen im Spiel mit Ball – und natürlich nach wie vor die Betonung strukturierter defensiver Abläufe. Die Kaderplanung des effzeh, vorangetrieben durch Schmadtke und Stöger, hat mittlerweile als Konsequenz, dass der effzeh auf vielen Position fast adäquat besetzt ist. Die vergangenen Transferperioden haben gezeigt, dass die Schlüsselpositionen durch treffende Verpflichtungen besetzt wurden, was sich kürzlich erst in der Personalie Mladenovic wieder als richtig erwiesen hat. Die Aufstellung des Serben ermöglicht es bekannterweise, mit Jonas Hector einen der besten und spielintelligentesten Akteure im Kader auf einer anderen Position einzusetzen. Die Qualität Hectors im zentralen Mittelfeld hat sich zwar jetzt nicht unbedingt in einer unfassbaren Siegesserie des effzeh niedergeschlagen, allerdings bietet diese Variante enorme Möglichkeiten für die Weiterentwicklung des Spiels. Dass Partien auch mit Hector auf der Sechserposition verloren gehen können, liegt ja nicht ausdrücklich  nur an dessen Mitwirken. Die Rochade zeigt allerdings deutlich auf, dass der effzeh im Jahr 2016 problemlos in der Lage ist, zwischen mehreren taktischen Herangehensweisen zu wechseln. Dies beweist, dass die Trainingsarbeit des Duos Stöger und Schmid auch gute Reize dahingehend setzt, die Raumbesetzung in der Offensive und Aufgabenbereiche für Spieler weiterzuentwickeln. Ob das jetzt in einem 4-2-3-1, 4-1-4-1 oder 5-4-1 geschieht, ist dabei erst einmal unerheblich, denn wie sagte Pep Guardiola einst so schön:“Taktische Formationen sind für mich wie Telefonnummern, sie sagen nichts aus“. Das kann man sicherlich so sehen, allerdings wird die Debatte um die Taktik des effzeh häufig entweder auf den defensiven Charakter der Dreierkette oder die mangelnde Präsenz im letzten Drittel reduziert, was natürlich zu kurz greift. Letztlich geht es um Nuancen in offensiven Bewegungsmustern oder einfache Abläufe: wie positioniert sich Spieler A, wenn Spieler B im Halbraum der linken Seite an den Ball kommt? Wer sichert den aufrückenden Außenverteidiger ab? Welche Kettenmechanismen treten ein?

Für den effzeh war es im ersten Bundesligajahr wichtig, funktionierende Abläufe in der Arbeit ohne Ball einzuschleifen, da dies wesentlich einfacher und auch ohne besseres Spielermaterial grundsätzlich möglich ist. Mittlerweile liegt der Fokus vermehrt auf der Entwicklung des eigenen Spiels mit Ball. Dass in einem solchen Prozess nicht gleich die Verpflichtung eines Heilsbringers oder ein paar Trainingswochen für grundlegende Veränderungen sorgt, sollte auch dem ungeduldigsten effzeh-Fan klar sein. Solange die Mannschaft weiter so beständig punktet wie bisher, wird der effzeh garantiert auch im nächsten Jahr Erstligafußball spielen dürfen.

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Zentral für das Spiel des effzeh: Jonas Hector
Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Allerdings wird man weiterhin insbesondere am Ballbesitzspiel arbeiten müssen, da man sich gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel bisher extrem schwergetan und auch kaum gepunktet hat. An sicheren und erfolgsstabilen Mechanismen, den Ball in das gefährliche Drittel zu bekommen, mangelt es momentan noch ein wenig im Spiel des effzeh. Für meinen Geschmack wird noch zu häufig auf das Stilmittel des langen Balles zurückgegriffen, was dem Kampfcharakter des Spiels betont, da vermehrt um den „zweiten Ball“ gerangelt werden muss. Eine sichere und fluide Ballzirkulation entsteht allerdings auch nicht über Nacht, sondern hängt auch mit den zentralen Spielern des Aufbauspiels zusammen.

Stöger und seine Anpassungen – bringt das wirklich was?

Fünferkette, Dreierkette, Viererkette, Doppelsechs, ein Sechser – was überschlugen sich die Medien in ihrer Berichterstattung rund um die taktische Aufstellung des effzeh in den letzten Wochen. Nichts war beständiger als der Wandel, obwohl es im Englischen, und die Erfinder des Fußballs müssen ja Recht haben, heißt:“Never change a winning team!“ Dass Peter Stöger und seine Kollegen die Aufstellung nicht am Abend vor dem Spiel auswürfeln, dürfte zwar einige überraschen, ist aber meistens eine Reaktion auf die Stärken und Schwächen des Gegners. Dabei kann es sein, dass eine taktische Aufstellung gewählt wird, um die wesentlichen Stärken des Gegners zu minimieren oder aber eigene Stärken zu betonen. Dabei auf polyvante Spieler zurückgreifen zu können ist ein wertvolles Element im Spiel des effzeh, da Hector und auch bspw. Yannick Gerhardt nicht nur auf eine Position festgelegt sind. Je nach Abstimmung auf die Stärken des Gegners kann dabei mal die eine, mal die andere Herangehensweise die richtige sein. Da sich die Mannschaften in der Bundesliga mal mehr, mal weniger stark unterscheiden, kann eine richtige Anpassung an den Gegner X im nächsten Spiel gegen Gegner Y schon nicht mehr passend sein.

So geschehen zum Beispiel in den Spielen gegen Hamburg und Frankfurt, als der effzeh beide Male mit einer Fünferkette antrat. Gegen den HSV funktionierte das Aufbauspiel mit drei breit gefächerten Innenverteidigern sehr gut, gegen Frankfurt eine Woche schon deutlich schlechter, worauf Stöger mit einer Anpassung reagierte. Seine Qualitäten des In-Game-Coachings sind in der Bundesliga überdurchschnittlich gut, der Österreicher wählt meistens die richtige Herangehensweise, um das Spiel des effzeh positiv  zu verändern. In den Spielen, in denen der effzeh in der Rückrunde bislang nicht punkten konnte (Niederlagen gegen Stuttgart, Gladbach, Hertha und Schalke) waren primär andere Gründe für den ausbleibenden Erfolg verantwortlich, die nicht unbedingt mit der taktischen Aufstellung zusammenhängen. Mangelnde physische Präsenz, zu geringe Kompaktheit, ein krasser individueller Fehler oder auch mal eine ungenügende Chancenverwertung sorgen dafür, dass man gegen leicht bessere Mannschaften verlor. Die von Stöger in diesen Spielen vorgenommenen Anpassungen brachten den effzeh in jedem Fall immer näher an einen Punktgewinn heran.

Wie soll der effzeh bei dem Restprogramm um Gottes willen noch punkten?

Eingedenk der Partie am Samstag gegen Hannover trifft der effzeh noch auf vier weitere Mannschaften, die momentan in der Tabelle hinter den Geißböcken stehen. Dass sich die Jungs von Peter Stöger gerade in diesen Spielen etwas schwergetan hatten, ist bekannt. Trotz allem besitzt der effzeh genügend Qualität, um aus diesen Spielen Punkte mitzunehmen. Es kann allerdings sein, dass in den verbleibenden Spielen der Fokus vermehrt auf Stabilität gelegt wird und weniger auf Spektakel, um die Chance auf einen Punktgewinn zu erhöhen. Von daher sollten wir unsere Erwartungshaltung gerade in Hinblick auf das Spiel am Samstag herunterschrauben. Der effzeh wird dort auf einen Gegner treffen, der mit allen Mitteln um seine letzte Chance kämpft. Von daher kann es sich zu einem Geduldsspiel entwickeln und selbst ein anderes Ergebnis als ein Sieg wäre kein Beinbruch, sollte es wirklich dazu kommen. Dazu bleiben mit direkten Duellen gegen Hoffenheim, Darmstadt, Augsburg und Bremen noch genügend Möglichkeiten. Als Mutmacher für die letzten Wochen der Saison gelten natürlich Lebensversicherung Anthony Modeste, aber auch Leo Bittencourt, der gegen Schalke in leicht veränderter Rolle aufblühte und an vielen gefährlichen Aktionen beteiligt war. Auch die Rückkehr von Simon Zoller dürfte uns guttun.

In all den Debatten reicht es aus, sich das Schmadtkesche Mantra wieder und wieder vor Augen zu führen.

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