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Ehrentribüne

Zum Tod von Hennes Weisweiler

Heute vor 30 Jahren ging einer der besten Trainer der Welt von uns.

Da stand er nun, der Boss. Auf der Bühne einer Karnevalssitzung hatte man ihm eine gehörntes Etwas an der Leine in die Hand gedrückt. Der Geißbock solle dem effzeh Glück bringen, musste nur noch ein Name her. Also grübelte er. Der Boss, der sonst alles im Griff hatte, der die Fusion vorangetrieben hat und zum Abschluss brachte mit seinem legendären Satz „Wollen Sie mit mir deutscher Meister werden?“, der immer zielstrebig, selbstbewusst, manche mögen sagen herrisch voranging. Jetzt stand er da, und ihm wollte kein passender Name einfallen. Damals wurde die Mannschaft des 1. FC Köln von einem gewissen Hennes Weisweiler betreut, als Spielertrainer. Der Boss hatte ihn kurz vor der Fusion zu einem Wechsel zum KBC überredet. Visionär genug war Franz Kremer, dass er wusste, dass aus 1. FC Köln und Hennes Weisweiler etwas Wunderbares entstehen würde. War es Vision, Intuition, Voraussicht oder einfach nur wieder ein herrischer Befehl? Egal, der Geißbock wurde Hennes getauft und sollte diesen Namen bis heute an seine Nachfolger weitergeben. Was Kremer nicht wusste, dass er mit der Namensgebung für den Geißbock den Geist eines großen Trainers für alle Zeiten an den effzeh binden würde.

Der geborene Lechenicher (Erftstadt) Weisweiler spielte bereits in den späten Dreißigerjahren für den KBC. Nach den Kriegswirren nahm er sich den Wiederaufbau des VfB Lechenich vor, bevor Franz Kremer ihn zurückholte. Zum ersten Mal untreu wurde er dem effzeh in den Jahren 52-55. Nachdem er den Rheydter SV trainiert hatte stellte er sich für 1 Jahr als Co-Trainer von Sepp Herberger zur Verfügung. Dann kam er zurück nach Köln. 3 Jahre effzeh, 6 Jahre Viktoria. Was dann passiert ist aus heutiger Sicht an Brisanz kaum zu überbieten. Er wechselte zum Erzrivalen des effzeh, der es damals natürlich noch nicht war, zur Borussia Mönchengladbach. Hier sollte er in 11 Jahren aus einem Regionalligaligateam eine europäische Spitzenmannschaft formen. Man könnte sagen, ohne Weisweiler wäre es am Niederrhein nie so weit gekommen. Nach erfolgreichen elf Jahren zog es ihn dann für 2 Jahre nach Spanien zum FC Barcelona. „Ich habe meinen Stil in einer Mannschaft geprägt. Nun will ich versuchen, ihn in Spanien durchzusetzen.“

Weisweiler und Overath &copy J. Küch (Wikipedia)

Weisweiler und Overath
&copy J. Küch (Wikipedia)

Die nächsten 4 Jahre (76-80) lassen jeden effzeh-Fan in Nostalgie schwelgen. Weisweiler hatte in Barcelona ausgedient und wurde vom MSV Duiburg, Fortuna Düsseldorf und dem effzeh umworben. Die Wahl des Trainers dürfte nicht schwer gefallen sein, so landete er folgerichtig in Köln. Bereits in der ersten Saison holte er den Pokalsieg, indem er Wolfgang Overath „absägte“, im ersten Finalspiel auswechselte und im zweiten gar nicht einsetzte.  Im Folgejahr spielte Overath keine Rolle mehr und das Double gelang. Die letzte Meisterschaft des effzeh. Die Saison 79/80 lief nicht so nach Wunsch, deshalb nahm Weisweiler im April 1980 ein Angebot aus New York und trainierte ab sofort Cosmos und Franz Beckenbauer. 2 Jahre später unterschrieb er bei Grashoppers Zürich.

Heute vor 30 Jahren, am 5. Juli 1983, drei Wochen nach dem Pokalsieg mit Zürich, starb Hennes Weisweiler im Alter von 63 Jahren an einem Herzinfarkt in seinem Haus in Aesch bei Birmensdorf.

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