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Vorspiel

Wird es ein „ekelhaftes Schweinespiel“?

Die Englische Woche führt den effzeh am heutigen Dienstag nach Ingolstadt, wo der gastgebende Tabellenneunte seine Serie von drei gewonnenen Heimspielen in Folge ausbauen möchte.

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Die Englische Woche führt den effzeh am heutigen Dienstag nach Ingolstadt, wo der gastgebende Tabellenneunte seine Serie von drei gewonnenen Heimspielen in Folge ausbauen möchte. Der effzeh möchte hingegen nach den beiden Niederlagen zuletzt wieder punkten. Dass uns in diesem Spiel kein Leckerbissen erwarten dürfte, liegt durchaus im Bereich des Möglichen.

Lewis Holtby ist nicht gerade dafür bekannt, ein sehr diplomatischer Typ zu sein. Nach dem Unentschieden des HSV am vergangenen Samstag verstieg sich der dreimalige Nationalspieler zu der Aussage, die Spielweise des FCI sei „ekelhaft“. Nun, wenn man zuhause gegen einen Aufsteiger nicht gewinnt und die eigene spielerische Darbietung einige Wünsche offen lässt, ist es natürlich leicht, auf die Herangehensweise des Gegners einzugehen und diese herabzuwürdigen. Der Zweck heiligt die Mittel, so auch das Mantra des effzeh in der vergangenen Saison, als eine solide und möglichst fehlerbefreite Defensivarbeit das Hauptaugenmerk in der Trainingsarbeit war. Dass dann Samstag für Samstag keine fußballerischen Spektakel aufgeführt werden können, ist zwangsläufig, für die Erreichung des Ziels (Klassenerhalt) allerdings unerheblich. Die Spiele der Schanzer sorgen dann auch nicht unbedingt für Begeisterungsstürme unter neutralen Fußballästheten, 17 erzielte Tore in 23 Spielen sprechen auch nicht gerade für abgebrannte Offensivfeuerwerke. Doch Ingolstadt hat mit diesen 17 Toren 30 Punkte geholt. Das wiederum ist beeindruckend.

Der ehemalige Kölner Stürmer Ralph Hasenhüttl hat es bereits nach einem halben Jahr in der Bundesliga geschafft, aus dem Aufsteiger Ingolstadt einen extrem unbequemen Gegner zu machen, der mittels seiner Lauf- und Kampfstärke jegliche Ballbesitztheorien und Diskussionen über offensive Bewegungsmuster in den Hintergrund rückt. Die Ingolstädter wissen, dass sie spielerisch nicht mit dem Großteil der Mannschaften in der Bundesliga mithalten können, weswegen sie sich auf Mittel beschränken, die sie selbst allerdings sehr gut beherrschen. Dazu gehört das frühe und hohe Pressing, welches Hasenhüttl seine Mannen im 4-3-3-System ausführen lässt. Dadurch wird versucht, dem Gegner so früh wie möglich die Luft zu nehmen und ihn richtiggehend zu nerven – im Kommentatorensprech heißt das dann wohl „das eigene Spiel aufzwingen“. Ingolstadt definiert sich dabei durch einen leidenschaftlichen Kampf um den zweiten Ball im eigenen Offensivspiel, der eigene Spielaufbau ist erfrischend risikolos und beschränkt sich darauf, den Ball so schnell wie möglich ins zweite Drittel zu bekommen, wo dann die Herren Mittelfeldspieler um die Eroberung desselben zu kämpfen haben.

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Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Auch in der Gegenrichtung wird versucht, dem Gegner keine Umschaltmöglichkeiten zu geben, einerseits durch das frühe Pressing und andererseits durch das ein oder andere geschickt eingestreute taktische Foul, welches den Angriff des Gegners frühzeitig unterbindet. Die Torverhinderungsstrategie des FCI wäre damit eingehend erläutert – wenn es darum geht, selbst Tore zu erzielen, hoffen die Schanzer auf Standardsituationen, nach denen sie zehn der insgesamt 17 Tore erzielen konnten (u.a. auch das Tor von Marvin Matip im Hinspiel in Köln). Ansonsten ruhen die Hoffnungen auf Pascal Groß, dem besten Spieler der vergangenen Saison, der in diesem Jahr in der Bundesliga an überdurchschnittlich vielen Torabschlüssen des FCI beteiligt ist. Mit der Verpflichtung Dario Lezcanos wurde in der Winterpause ein weiterer sinnvoller Transfer getätigt, der paraguayanische Nationalspieler ist eine weitere Option im Dreiersturm für Ralph Hasenhüttl. Die Neuverpflichtung vom FC Luzern bringt die körperlichen Voraussetzungen mit, das Spiel des FCI mitzutragen – wohl auch in dem Wissen, dass ab der 65. bis 70. Minute etwas die Kräfte schwinden und meistens ein wenig tiefer verteidigt wird. Dass der effzeh bereits unter Beweis gestellt hat, gerade in dieser Periode der Spiele besonders häufig Spiele noch zu drehen, könnte ein Faktor werden.

Ansonsten dominiert beim effzeh die Frage, wie die taktische Herangehensweise aussehen wird. Gerade in Anbetracht der letzten beiden Auftritte, in denen die Mannschaft Schwierigkeiten hatte, den Ball ins letzte Drittel zu transportieren, steht der eigene Spielaufbau im Fokus: eine hohe Passqualität wird vonnöten sein, um in Ingolstadt ansatzweise bestehen zu können und dementsprechend wäre es wichtig, mit Jonas Hector einen passstarken Defensivspieler zur Verfügung zu haben. Weiterhin bleibt offen, ob Stöger zur Viererkette zurückkehrt und auf diese Weise versucht, die offensive Dreierreihe des FCI zu bekämpfen. Vorstellbar wäre jedoch auch, dass Kevin Vogt in diesem höchstwahrscheinlich sehr umkämpften Spiel mit seiner Physis neben Matthias Lehmann im zentralen Mittelfeld auflaufen könnte, um dort im Kampf um die zweiten Bälle seine Wucht gewinnbringend einzusetzen. Dies würde bedeuten, dass Jonas Hector, sofern fit, auf die Position des linken Verteidigers zurückkehrt. Auch ein Yuya Osako könnte in diesem Spiel eine wichtige Rolle in der Offensive einnehmen, genauso wie eventuell Milos Jojic… wie man sieht, sind die taktischen Möglichkeiten vergleichsweise groß. Wovon man allerdings sicher ausgehen kann: ein passives Verteidigen gegen den FCI könnte tatsächlich ein nützliches Mittel sein, um die Ingostädter vor Probleme zu stellen und ihnen die Möglichkeit rauben, dem effzeh ihr eigenes Spiel aufzuzwingen. Kein Wunder also, dass beim Duell der beiden Pressingmaschinerien aus Hamburg und Ingolstadt für ein Bundesligaspiel enorm viele Fehlpässe gespielt wurden. Von daher wäre es durchaus denkbar, dass Stöger eine passivere Variante wählt, die zwar nicht sehr attraktiv, aber zumindest erfolgsversprechend sein könnte, da man so den Zweikämpfen ein wenig aus dem Weg ginge. In diesem Zusammenhang käme dann wieder die Passqualität ins Spiel, an der es ja zuletzt ein wenig haperte.

Man merkt es bereits, ich werde nicht schlau aus diesem Spiel. Einerseits wünsche ich mir, dass der effzeh mehr agiert als zuletzt gegen die Hertha, dies könnte uns aber in ein umkämpftes Spiel verwickeln, auf das ich eigentlich keine Lust habe. Und selbst wenn der effzeh die passivere Variante wählen sollte, würde damit das Abendland nicht untergehen. Ein Punkt in Ingolstadt und alles wäre in der Reihe. Der Zweck heiligt ja schließlich die Mittel.

Achja, liebe DFL: dass die Terminierung scheiße ist, brauche ich nicht extra zu erwähnen.

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