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Interviews

„Wieso nicht Mourinho?“

effzeh.com sprach zum Saisonabschluss mit Tobias Kaufmann, dem zukünftigen Leiter Medien & Kommunikation des 1.FC Köln.

© Christoph Hennes
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Vor der Saison sprachen wir schon mit Tobias Kaufmann über seine Erwartungen. Damals war er noch Chef vom Dienst des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Ab dem 1. Juni 2013 wird er die Leitung der Abteilung Medien & Kommunikation beim 1. FC Köln übernehmen.
Zum Abschluss der Saison und kurz vor Beginn seiner neuen Tätigkeit nahm sich Tobias Kaufmann noch einmal etwas Zeit für uns.

effzeh.com : Hallo Tobias, und?  Was sagt Dein FC Herz? Bist Du zufrieden mit dem sportlichen Abschneiden der Mannschaft?

Kaufmann: Ich bin zufrieden, wenn ich an den erwartet komplizierten Saisonanfang denke und wenn ich daran denke, wie sich die Mannschaft präsentiert. Aber natürlich hadere ich – wie jeder – mit dem ein- oder anderen verpassten Sieg.

effzeh.com : Ziele des Vereins waren zum Saisonbeginn die Außendarstellung zu verbessern,  medial wieder im besseren Licht zu stehen, sich zu konsolidieren und junge Spieler zu integrieren mit attraktivem Angriffsfußball.
Findest du das Vorhaben des Umbruchs ist primär geglückt?

Kaufmann: Primär ja. Vieles hat geklappt, dennoch geht in einer Saison auch mal was schief: sportlich, personell, medial.

effzeh.com: Was meinst Du da konkret?

Kaufmann: Speziell die wirtschaftliche Lage hätte ich mir weniger kompliziert gewünscht. Man darf aber nicht vergessen, was der Ausgangspunkt war: Mai 2012, der Moment nach dem Abstieg, das Ende der totalen Selbstzerstörung. Ich glaube, die Fans haben das richtige Gespür dafür, dass zwölf Monate später nicht alles perfekt sein kann. Diese Erwartung zu haben oder zu wecken, wäre unseriös.

effzeh.com: Sportlich gab es ja auch Überraschungen, so z.B.  ein Jonas Hector, der sich auf einer ungewohnten Position den Stammplatz erspielt hat. Fallen Dir neben ihm noch andere Spieler ein mit denen man vor der Saison nicht so rechnen konnte?

Kaufmann: Timo Horn. Den kannte ich einfach nicht so gut, vorher. Auch Ujah war sehr stark – nicht jeder Stürmer schlägt in Köln gleich so ein. Und dass McKenna nochmal so zurückkommt, hatte ich auch nicht erwartet.

effzeh.com: Nun ist am Samstag die Bombe geplatzt. Stanislawski verlässt den effzeh. Kannst Du in irgendeiner Weise seinen Schritt nachvollziehen?

Kaufmann: Ich glaube, dass man das nur nachvollziehen kann, wenn man Stani gut kennt und mit ihm persönlich darüber geredet hat. Beides ist bei mir nicht der Fall. Deshalb will ich dazu auch nichts sagen. Er hat sich so entschieden. Punkt.

effzeh.com:  Gibt’s denn Deinerseits einen Trainerwunsch – Mourinho mal ausgeklammert?

Kaufmann: Wieso nicht Mourinho? Der würde doch passen und ist frei?

effzeh.com:  Mal im Ernst?!

Kaufmann: Natürlich gibt es ein paar Trainer, die ich mir hier gut vorstellen kann. Aber zwei Wochen vor meinem Jobwechsel sollte ich lieber keine Namen nennen – nachher wird es ein anderer und der ist dann gleich mal beleidigt, dass er hier nicht erwähnt wurde. (schmunzelt)

effzeh.com: Wo besteht denn Deiner Meinung nach noch Handlungsbedarf für die kommende Saison?

Kaufmann: Wir brauchen wohl zwei neue Stürmer und insgesamt mehr Torgefahr aus dem Mittelfeld.

effzeh.com:  Und dann steigen wir auf?

Kaufmann: Ich hoffe auf den Aufstieg, natürlich, würde aber nie sagen oder fordern, dass der Verein in der kommenden Saison aufsteigen „muss“ – denn ich will, dass es den FC ewig gibt, ohne Lizenzentzug, Insolvenz oder ähnliche Albträume. Wir sind auf dem richtigen Weg, und dieser Weg führt zurück in die Erste Liga, wenn wir ihn weiter gehen. „Alles oder nichts“ in der Hoffnung, es gäbe hinter der nächsten Ecke einen Hubschrauber, der direkt zum Erfolg fliegt (wenn er nicht zufällig abstürzt), wäre vor diesem Hintergrund der falsche Ansatz. Auch damit bin ich nicht alleine, glaube ich.

effzeh.com : Ab dem 1.6. bist Du neuer Medienchef beim FC.  Es kommt zusammen was zusammen gehört! Ist das ein Traumjob für Dich?

Kaufmann: Zunächst: Ich arbeite seit 1999 in wechselnden Traumjobs. Deshalb hoffe ich sehr, dass ich das mit dem Traumjob in ein paar Jahren auch über die Stelle beim FC sagen werde. Natürlich habe ich immer davon geträumt, mal selbst am Erfolg des 1. FC Köln mitzuarbeiten. Das Träumen ist ab 1.6. vorbei, die Arbeit und – hoffentlich – der Erfolg fangen erst an.

effzeh.com: Das hört sich doch gut an, als langjähriger Fan die Option zu bekommen bei seinem Verein zu arbeiten und am Erfolg teilzuhaben ist doch ein Traum?

Kaufmann: Ich gehe ja nicht als Fan dorthin, sondern als Angestellter. Ich mache mir null Illusionen: Es gibt eine Menge zu tun, es gibt Stolperfallen und ich werde nicht monatelang Schonzeit zur Eingewöhnung bekommen. Insofern gehe ich mit Demut und Respekt ans Geißbockheim. Zugleich gehe ich mit klaren Zielen und Vorstellungen. Und ich habe ein gutes Gefühl: Der Arbeitgeber stimmt, die Emotionen stimmen, ich habe einen guten ersten Eindruck von meinem Chef und meinem neuen Team. Metaphorisch gesagt: Für mich ist das ein riesiges Abenteuer, auf das ich mich sehr freue. Und so wie sich das gehört bei Abenteuern seit „Per Anhalter durch die Galaxis“, bin ich vorbereitet: Ich habe ein Handtuch dabei.

effzeh.com:  Tobias Danke für das Gespräch und viel Erfolg bei und mit dem 1.FC Köln.

 

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