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Nachspiel

Weder Fisch noch Fleisch

Der effzeh verliert nicht auf dem Betzenberg. Ein torloses Remis, das wie ein Sieg anmutet. Und aussah wie Zweitligafußball.

© effzeh.com
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Jaja, Kaiserslautern. Ein Angstgegner par excellence für den glorreichen 1. FC Köln. Ich denke an Ferydoon Zandis dreiste Schwalbe in der Nachspielzeit, auf die Helmut Fleischer hereinfiel. Ich denke an einen 2:0-Vorsprung in doppelter Überzahl, der in ein peinliches Remis und zwei Platzverweisen für den effzeh mündete. Ich denke an Patrick Helmes‘ Pfostenschuss und an einen Totalkollaps unserer Aufstiegshelden, der den „Roten Teufeln“ den Klassenerhalt sicherte. Ich denke an das Auswärtsspiel in der vergangenen Saison, als uns der FCK förmlich überrannte.

Und nun? Ein taktisch größtenteils disziplinierter effzeh erkämpft sich auf dem gefürchteten Betzenberg einen Punkt. Nicht immer souverän, nicht immer mit dem Habitus eines Spitzenreiters, aber mit viel Leidenschaft und auch der nötigen Portion Glück.  Ein Punkt, der uns besser zu Gesicht steht als den Gastgebern, die im Aufstiegsrennen weiterhin hinterherhinken. Der effzeh dagegen grüßt abermals souverän von der Tabellenspitze und hat nun zwei Heimspiele vor der Brust. Zeit für ein Zeichen an die Konkurrenz!

Ausgangslage

Karlsruhe verliert in Cottbus und Fürth holt gegen Union Berlin nur ein Remis. Klar war vor dem Abschluss der 25. Runde eines: Der Sieger aus der Partie 1. FC Kaiserslautern gegen den glorreichen 1. FC Köln würde (neben dem FC St. Pauli) der Gewinner des Spieltags sein. Der Druck lag dabei eher auf den „Roten Teufeln“ denn auf unseren rot-weißen Göttern. Zehn Punkte Rückstand auf den effzeh, fünf Zähler auf den vom SC Paderborn gehaltenen Relegationsplatz.  Wenigstens konnte die Elf von Trainer Kosta Runjaic, vor der Saison auch am Geißbockheim im Gespräch, am vergangenen Wochenende ihre drei Spiele währende Niederlagenserie beenden. Wie der effzeh bogen die Pfälzer einen 0:1-Rückstand um, wenngleich nicht ganz so spektakulär und nervenaufreibend. Beste Aussichten also für einen leidenschaftlichen Kick vor leidenschaftlichen Anhängern im Fritz-Walter-Stadion.

© effzeh.com

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Personal

Peter Stöger wusste genau um die Stärken der Gastgeber: Kopfballspiel und Standardsituationen. Peter Stöger wusste genau um die Schwächen unserer Elf: Kopfballspiel und Standardsituationen. Personell reagierte er allerdings auf die Herausforderung nur marginal: Yannick Gerhardt (für den verletzten Thomas Bröker) und Patrick Helmes (für Bard Finne) kehrten nach der Denkpause gegen Cottbus in die Startelf zurück.

Taktisch wurde es aber interessant: Helmes agierte als einzige nominelle Spitze, Anthony Ujah wurde auf die rechte Außenbahn beordert. Daniel Halfar sollte links für Impulse sorgen – und Gerhardt die Offensive vor den zwei Sechsern Matthias Lehmann und Adam Matuschyk ankurbeln. FCK-Coach Runjaic tauschte dagegen dreifach: Willi Orban, Ruben Jenssen und effzeh-Schreckgespent Mohamadou Idrissou ersetzten den gesperrten Markus Karl,  Jan Simunek und Winter-Neuzugang Srdjan Lakic.

Spielverlauf

Ein intensiv geführtes Spiel auf Augenhöhe – das war allgemein erwartet worden. Und das bekamen die 41.315 Zuschauer auf dem Betzenberg und die Anhänger an den Empfangsgeräten auch geliefert. Das erste Ausrufezeichen gehörte dem effzeh: Helmes servierte eine Ecke mustergültig an den langen Pfosten, doch Matuschyk drückte die Kugel neben das Kaiserslauterner Gehäuse (4. Minute). Offenbar war der Pole überrascht, dass es ein effzeh-Eckball weiter als bis zum ersten Pfosten geschafft hatte.

Das spielerische Schema schien schon nach kurzer Zeit klar: Der effzeh versuchte mit einer massierten Mittelfeld-Zentrale und frühem Stören über Helmes und Gerhardt den FCK zu langen Schlägen nach vorne zu animieren, während selber die Lücken hinter den offensiv agierenden Außenverteidigern der Gastgeber gesucht wurden. Die beste Chance der ersten Halbzeit entstand allerdings nach einer effzeh-Ecke, die die Pfälzer abfingen und zum Konter nutzten. FCK-Torjäger Zoller schob die Kugel an Horn, aber auch am rechten Pfosten vorbei (11.).

Es entwickelte sich ein Schlagabtausch mit heißem Herzen, aber eben auch eher mit Füßen aus Malta. Fußballerisch zeigten beide Teams größtenteils Magerkost: Der FCK versuchte es immer wieder lang und weit auf Idrissou, der effzeh war um Kontrolle bemüht und ließ dabei den letzten Zug nach vorne vermissen. Möglichkeiten ergaben sich aber hüben wie drüben: Horn musste sich gegen Zollers Kopfball mächtig strecken (17.), Sippel parierte einen Helmes-Alleingang (24.).

Dennoch: Vor der Pause drückte der FCK mächtig auf das Tempo, während der effzeh nach Ordnung und Kontrolle suchte. Gerade in der Zentrale, die unsere Geißböcke personell verstärkt hatten, offenbarten sich große Lücken, so dass Alexander Ring einige Freiheiten genoss. Die großen Torchancen konnten sich die Pfälzer allerdings dadurch nicht herausspielen. Gerade die Innenverteidigung um Abwehrchef Dominic Maroh leistete Schwerarbeit und erstickte viele Offensivbemühungen im Keim.

Die Pause schien dem effzeh gut getan zu haben. Dominant und mit viel Ballbesitz kamen unsere rot-weißen Götter aus der Kabine. Einen Schlagabtausch wie in der ersten Hälfte schien die Stöger-Elf nicht noch einmal zulassen zu wollen. Einzig die Durchschlagskraft ließ zu wünschen übrig: Helmes versuchte es vergeblich aus der Distanz – und in der Abwehrzentrale der Pfälzer räumte Torrejon bewunderswert auf. In der Phase war es ein „Spiel für Taktikfreunde“, was im Reporterdeutsch so viel bedeutet wie: fußballerisch schwaches Spiel ohne Tore.

Turbulent wurde es erst kurz vor Ende der Partie: Kaiserslautern lockerte das taktische Korsett, was dem effzeh Platz zum Kontern ermöglichte. Lehmanns Distanzschuss (82.), den Sippel bravourös parierte, brachte allerdings wie Gerhardts Chance (84.) nichts Zählbares ein. Dasselbe gilt auf der Gegenseite: Fortounis nutzte Horns Unsicherheit bei Löwes Distanzschuss nicht (78.), Ring setzte einen Kopfball völlig frei am Kölner Tor vorbei (87.). So blieb es – wie schon im Hinspiel – bei einem torlosen Remis.

Spieler im Fokus

Dominic Maroh & Kevin Wimmer War ich vor der Partie noch skeptisch, wie die beiden das Kopfballungeheuer Idrissou in den Griff kriegen wollen, muss ich nach den 90 Minuten Respekt zollen. Bis auf ganz wenige Szenen (beispielsweise den Zoller-Kopfball) hatte unser Innenverteidiger-Duo die Szenerie im Griff. Erstmals seit dem Sieg in Sandhausen ohne Gegentor, bereits zum zwölften Mal in der Saison. Auch das Verdienst einer starken Innenverteidigung.

Matthias Lehmann & Adam Matuschyk Wie schon gegen Cottbus begannen beide als doppelte Absicherung vor der Abwehr. Bekamen erst mit Beginn der zweiten Hälfte richtigen Zugriff auf das Spiel. Zuvor war es insbesondere Alexander Ring, der unsere beiden Sechsern große Probleme bereitete. Positiv hervorzuheben ist aber die Sicherheit im Spielaufbau, die offensichtlich gefordert und von beiden geliefert wurde. Offensivimpulse waren dagegen Mangelware.

Anthony Ujah & Patrick Helmes Passen sie zusammen? In Kaiserslautern sah es nicht danach aus. Ujah wirkte auf der rechten Außenbahn verloren und schien lange Zeit nur wegen der Kopfballstärke der „Roten Teufel“ überhaupt auf dem Feld zu sein. Helmes wirkte als einzige Spitze gegen den starken Torrejon und Orban verloren und konnte sich kaum in Szene setzen. Zu allem Überfluss störten die beiden die Kreise des jeweils anderen immer wieder. Da ist definitiv Luft nach oben!

Fazit

Ein Spiel, das weder Fisch noch Fleisch war. So richtig gut war der effzeh in Kaiserslautern nicht. Die taktische Disziplin, die manchmal recht brüchig war, ging zu Lasten der Durchschlagskraft in der Offensive. So richtig schlecht war der effzeh allerdings auch nicht: Gegen einen Gegner, der in solchen Topspielen häufig die Qualität gezeigt hat, hat die Stöger-Elf die nötige Leidenschaft gezeigt, aber auch mit dem notwendigen Köpfchen gespielt. Zugegeben: Das Quäntchen Glück war auch dabei.

Am Ende des Tages steht ein – für uns wichtiger – Zähler zu Buche, der dem effzeh mehr hilft als dem FCK. Es war schon vorher klar: Verlieren wir auf dem Betzenberg nicht, sind wir gefühlt ein Gewinner des Spieltags. Wir haben weiterhin zehn Punkte Vorsprung auf die Pfälzer, stehen sechs Punkte vor dem Relegationsplatz und können gegen Aalen und Karlsruhe vor heimischem Publikum große Schritte Richtung Bundesliga machen. Freunde, auch wenn es auf dem Rasen immer wieder hakt und , in der Tabelle sieht es richtig gut aus!

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