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Vorspiel

1. FC Köln empfängt Hertha BSC: Gisdols nächstes Knackpunkt-Spiel

Der Trainer des 1. FC Köln fordert die richtige Einstellung, während sein Kollege sich wegen der fehlenden Konstanz in den Arsch beißt. Am Samstag lädt das Müngersdorfer Stadion zum Krisengipfel zwischen dem FC und Hertha BSC.

Foto: Oliver Hardt/Getty Images

Das 0:5 gegen Freiburg vom vergangenen Samstag könne ein „reinigendes Gewitter“ für den 1. FC Köln sein, erklärte Markus Gisdol auf der Pressekonferenz vor dem nächsten Bundesliga-Auftritt seiner Mannschaft. Die Niederlage wirkt also nach, auch Tage später – deswegen hatten Gisdol und Geschäftsführer Horst Heldt bereits angekündigt, dass die Trainingswoche im Vorlauf zur Partie gegen Hertha BSC keine einfache werden würde. Viel sei gesprochen worden, betonten beide, sie vermitteln den Eindruck, ein gutes Gefühl zu haben. Gisdol ergänzte, dass ein Spiel wie das in Freiburg, bei dem der FC in allen Belangen chancenlos war, auch helfen könne: „Damit meine ich, dass sich jeder hinterfragt, was er beitragen und besser machen kann.“

Dinge einfach besser machen: Das ist wohl der Auftrag für seine Spieler für die nächste Tage und Wochen. Wieder einmal steckt der 1. FC Köln im Abstiegskampf, ein Abstieg in Pandemie-Zeiten würde den Verein nach der Misswirtschaft in den vergangenen Jahren nah an den Abgrund bringen. Es geht um viel in den kommenden Wochen, und über allem schwebt die Frage, ob Markus Gisdol an der Seitenlinie für diese Herausforderung noch der richtige Trainer ist. Immerhin zeigte er sich nach seinem Bonmot „Sie haben ihr Bestes versucht, es hat nicht gereicht“ selbstkritisch, als er auf das Debakel im Breisgau angesprochen wurde. „Wenn wir 0:5 verlieren, war es auch von mir nicht die beste Performance“, sagte der Fußballlehrer – und hatte damit wohl recht.

Reicht eine bessere Einstellung allein schon aus?

Doch nicht alles, was er auf der Pressekonferenz äußerte, ging in diese Richtung. Wieder einmal stellte er durch seine Worte unter Beweis, dass Fußball für ihn in erster Linie darin besteht, zu kämpfen, zu arbeiten, zu rackern. Die Herangehensweise für das Spiel gegen den „Big City Club“ aus Berlin sei noch offen, betonte er und erklärte: „Es ist völlig egal, in welcher Formation du spielst, wenn der Zugriff und die richtige Einstellung fehlen.“ Bereits in den letzten Wochen hatte sich rund ums Geißbockheim der bemerkenswerte Gedanke verfestigt, dass es ja schon reichen würde, gut zu verteidigen, das Offensivspiel käme dann von selbst. Klar, Intensität im Laufen und in den Zweikämpfen ist nötig, um im Fußball konkurrenzfähig zu sein. Aber alleine dadurch schießt auch der FC keine Tore. Denn wenn jemand schreiben kann, ist er auch nicht automatisch Bestseller-Autor.

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Dinge besser machen und die richtige Einstellung zeigen: Es ist fraglich, ob der 1. FC Köln sich anhand dieser beiden Maximen in den kommenden Spielen gegen Berlin, Schalke und Bielefeld aus seiner schwierigen Lage befreien wird können. Und mit jedem weiteren Spiel, mit jeder weiteren ungenügenden Leistung werden die Fragen nach der Zukunft von Markus Gisdol, Horst Heldt (und anderen) lauter. Allerdings gelang es Gisdol und seiner Mannschaft, in einer ähnlichen Situation im November mit einem überraschenden Auswärtssieg in Dortmund für etwas Ruhe zu sorgen. Gelingt das auch diesmal?

Hertha BSC: Viele Ausgaben, wenig Ertrag

Viele Fragen gibt es derzeit auch bei Hertha BSC, wo auch nach mehr als 100 Millionen Euro an Transferausgaben in den letzten beiden Jahren kein wirklicher Fortschritt feststellbar ist. In der Saison 2019/2020 stand die „Alte Dame“ nach 15 Spieltagen mit 18 Punkten auf Rang 13. In der laufenden Spielzeit immerhin auf Rang 12, aber mit nur 16 Punkten. Verpflichtungen von überdurchschnittlich guten Spielern wie Mattéo Guendouzi, Matheus Cunha und Lucas Tousart sorgten zwar für viel Publicity, bisher aber noch nicht wirklich zu einer funktionierenden Mannschaft. Denn in Sachen Individualität hat die Hertha dem FC einiges voraus, darin liegt aber auch ein Problem für die Hauptstädter. Die Hertha verfügt über sehr gute Einzelspieler, aber nicht über ein funktionierendes Kollektiv.

BERLIN, GERMANY - FEBRUARY 22: Jhon Cordoba of 1. FC Koeln celebrates after scoring his team's first goal during the Bundesliga match between Hertha BSC and 1. FC Koeln at Olympiastadion on February 22, 2020 in Berlin, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Traf im Februar noch gegen Hertha als FC-Spieler: Jhon Cordoba | Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Daraus erklärt sich vielleicht auch die fehlende Konstanz der Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia. „Wir waren in dieser Saison drei-, viermal an dem Punkt, wo wir über die Schwelle gehen konnten. Wir haben einfach scheiße viel liegen lassen“, sagte Herthas Trainer auf der Pressekonferenz. „Da können wir uns echt in den Arsch beißen.“ Markige Worte, wenig Punkte – auch für die Hertha geht es am Samstag um viel in Müngersdorf.

Was wird aus Gisdol im Falle einer Niederlage?

Dort konnte der Gastgeber aus der Domstadt seit mittlerweile 13 Spielen ohne eigenen Sieg, der letzte Erfolg rührt noch aus einem 3:0 gegen den FC Schalke Ende Februar 2020 – da hatte gerade erst die Verbreitung des Corona-Virus an Fahrt aufgenommen. Am Samstag muss sich der 1. FC Köln auch mit seinem früheren Stürmer Jhon Cordoba auseinandersetzen, der im Sommer an die Spree wechselte.

Nach 86 Pflichtspielen und 37 Toren für die „Geißböcke“ kehrt der Kolumbianer nun erstmals an seine alte Wirkungsstätte zurück. Er immerhin ist fit beim Team von Labbadia, das derzeit noch um die Fitness von Unterschiedsspieler Cunha bangt. Kommt der Brasilianer nicht zum Einsatz, wird es wahrscheinlich ein noch intensiveres Kampfspiel als ohnehin schon. Beim FC sind derzeit ohnehin nur ganz wenige bis gar keine technisch starke Akteure in guter Form. Bei Hertha verspricht wenigstens Cunhas Stärke im Eins-gegen-Eins ein wenig Spektakel.

Ein solches könnte auch in Köln drohen, falls der FC erneut nicht punktet und die Leistung wieder so kritikwürdig wird wie gegen Freiburg – Horst Heldt verwahrte sich davor, von einem Endspiel für Markus Gisdol zu sprechen. Doch klar ist: Die Augen werden am Samstag insbesondere auf den Kölner Fußballlehrer gerichtet sein.

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