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Kolumnen

Vorfälle rund um das Spiel in Karlsruhe

Ein kurioser Last-Minute-Sieg in Karlsruhe wird leider durch Vorfälle mit der Polizei überschattet. Effzeh.com lässt Augenzeugen zu Wort kommen.

© effzeh.com
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Nach dem kuriosen Spiel in Karlsruhe, welches der Effzeh in letzter Minute doch noch für sich entscheiden konnte, herrscht sportlich Glückseligkeit in der Länderspielpause. Allerdings scheint es in Karlsruhe erneut zu Auseinandersetzungen zwischen FC-Fans und der dortigen Polizei gekommen zu sein. Auch auf der Rückfahrt mit der Deutschen Bahn soll es Vorfälle gegeben haben.

Die hiesige Presse schreibt von fünf verletzten Polizisten und circa 60 kurzzeitigen Festnahmen vor dem Spiel und der Aufnahme von rund 80 Personalien auf der Rückfahrt. “Die Stimmung war aufgeheizt, aggressiv, die Beamten mussten Schlagstöcke einsetzen”, erklärt ein Polizeisprecher gegenüber dem “Kölner Stadtanzeiger”. Bereits im Vorfeld sollen sich einige Fans „so danebenbenommen haben, dass man sie nicht ins Stadion lassen konnte“, so der Behördensprecher weiter.

Die Hintergründe dieser Vorfälle behält der “Kölner Stadtanzeiger” seinen Lesern jedoch vor und spricht kurzer Hand von “randalierenden FC-Fans”. Daher hat sich effzeh.com mal an die eigentliche Aufgabe von Journalisten begeben und recherchiert. In der Folge probieren wir die Ereignisse, so wie sie uns von Augenzeugen berichtet wurden, chronologisch darzustellen.

Ruhige Hinfahrt, Probleme in Karlsruhe

Die Hinfahrt scheint vollkommen ruhig und ohne Probleme verlaufen zu sein. “Ich kann mich nicht dran erinnern, dass so eine große Kölner Fangruppe irgendwann vorher so zivilisiert gefahren ist”, berichtet ein Fan. Auch ein weiterer Beteiligter äußert sich dementsprechend: “Es gab null Probleme!”

Erst bei Eintreffen am Karlsruher Bahnhof scheint es zu den ersten Auseinandersetzungen gekommen zu sein, so wird dort vom ersten “willkürlichen” Pfeffersprayeinsatz seitens der Polizei berichtet. Ein anderer Fan berichtet, dass die Organisation zur Befüllung der Busse mangelhaft gewesen sei. So sollten die Fans einzeln die Busse betreten, während die Masse von hinten drückte und die Beamten seitlich den Zugang sicherten. “Hinter den verzweifelt dagegenhaltenden Polizisten kam ein weiterer Beamter und sprühte Pfeffer in die Menge”, berichtet der Fan weiter. Beim Betreten des Busses, habe ein Beamter angesichts der tränenden Augen, die auf Pfefferspray zurück zu führen sind, süffisant kommentiert: „Bist doch ein harter Typ, stell dich nicht so an.”

Dieser erste Bus habe vor allem Fan-Utensilien und circa 35-40 Fans enthalten, von denen ein paar wenige, kurz nach dem der Bus sich in Bewegung setzte, den Notschalter der hinteren Türe betätigten und somit die Fahrt vorerst stoppten, berichtet der Augenzeuge. Es kam offenbar zu Diskussionen mit der Polizei, die Fans stiegen wieder ein – doch statt zum Stadion fuhr der Bus nun zu einer Polizeiwache. “Nach kurzem Warten wurde den Leuten offenbart, dass ein Teil nach der Personalienaufnahme und Foto-Shooting zum Stadion darf, der Rest sollte nach der Aufnahme ins Gewahrsam. Die Polizisten selektierten dabei rein subjektiv nach dem Aussehen der Leute. Durch meine tränenden Augen war ich dann auch dabei. Drei Leuten wurde direkt eine Beleidigung vorgeworfen. Diese wurden auch offiziell verhaftet. Insgesamt waren 28 Leute auf der Wache geblieben. Der Rest war in Gewahrsam. Dies war in einem Gitterverschlag in einer Garage. Bei Spielende wurden wir wieder zum Hauptbahnhof gebracht und die Rückreise konnte angetreten werden”, berichtet ein Beteiligter.

Die anderen Busse erreichten wie geplant das Stadion. Dort entschieden dann Mitglieder einiger Fangruppen, das Spiel nicht ohne ihre in Gewahrsam genommenen Mitglieder zu besuchen. Doch auch den Fans, die dennoch das Spiel sehen und ins Stadion gelangen wollten, wurde der Einlass offenbar zumindest deutlich erschwert. “Um ins Stadion zu kommen, muss der Eingang offen sein. Ich habe dem Ordner durch den Zaun die Karte gezeigt, aber anstatt das Tor zu öffnen kam dann die Polizei und es wurde wieder Pfefferspray eingesetzt”, berichtet ein Fan. So scheint es dann zu einer Situation gekommen zu sein, in der “locker 500 Mann nicht rein kamen.” Erst in der Halbzeit wurde allen Fans Einlass gewährt.Zuvor ist es allerdings – und das darf auch nicht verschwiegen werden –  vonseiten den Anhängern, die vor den Stadiontoren standen, zu vereinzelten Flaschenwürfen auf die Polizei gekommen.

Eskalation auf dem Heimweg

In Karlsruhe rund um das Stadion und auch bei der Rückreise am Bahnhof scheint es danach jedoch ruhig geblieben zu sein. “Im ganzen Zug war sehr zivilisierte Stimmung, es lag keinerlei Aggression in der Luft.” berichtet ein Fan. Erst nach dem Passieren von Ludwigshafen, ist es dann offenbar wieder zu Auseinandersetzungen gekommen: “Plötzlich, wie von der Tarantel gestochen, ist die Polizei dann an mir vorbei gerannt und hat alles was im Gang stand attackiert. Ziel war es wohl jemanden festzusetzen, der am anderen Ende des Zuges eine Kippe geraucht hat”, berichtet ein Beteiligter.

In Bingen stoppte dann schließlich der Zug: “Die haben dann halt die 70 Leute da rausgezogen und einzeln an einer Hauswand in der Nähe durch gecheckt”, berichtet ein Augenzeuge. Auf Grund dieser Unterbrechung kam es dann wohl auch dort zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizei, so sollen u.a. Fans am Boden fixiert worden sein “während andere Polizisten draufschlugen”, so der Augenzeuge. “Nach viereinhalb Stunden konnten wir dann weiter fahren”, erklärt er weiter und fügt an: “Ich habe in 10 Jahren noch nie so einen Polizeieinsatz erlebt.” Der Rest der Heimreise verlief dann offenbar ohne weitere Zwischenfälle.

Effzeh.com muss an dieser Stelle anmerken, dass dies lediglich Berichte von Augenzeugen sind, die wir nicht überprüfen oder deren Wahrheitsgehalt garantieren können. Die Polizei Baden-Württemberg war für effzeh.com bisher nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Aussagen, scheint es jedenfalls so zu sein, dass der Polizeieinsatz in Baden-Württemberg  nicht besonders deeskalierend durchgeführt worden ist.

Einen weiteren Augenzeugenbericht, geschrieben von Sarah Peters, könnt ihr hier finden.

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