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Nachspiel

„…und dieser halbe Schritt fehlt.“

Der 1.FC Köln verliert unglücklich beim anderen Traditionsverein Eintracht Braunschweig. Das Gute ist: Man kann der Mannschaft nicht böse sein.

Der FC verliert sein Auftaktspiel in Braunschweig mit 1-0. 21.820 Zuschauer (ausverkauft!) sahen ein ansehnliches Zweitligaspiel, mit dem glücklicheren Ende für die Niedersachsen. Schiedsrichter Gagelmann pfiff unauffällig, hätte aber in der 44. Minute Strafstoß für die Eintracht  geben können.  Uns soll es recht sein.

Gemeinhin ist zum Auftakt einer Saison ein Auswärtsspiel dankbarer als ein Heimspiel. Das sagt sogar Felix Magath, und der muss es ja wissen. Auswärts kann man schon mal eine Niederlage einstecken, ohne dass sofort der Dom wackelt und alles in Frage gestellt wird. Denn die Mannschaft  ist ja gerade in der „Findungsphase“. Läuft es gut, kann man den „Schwung zum nächsten Heimspiel mitnehmen“. Verliert man unglücklich, hat man „gute Ansätze“ gesehen und man „lässt sich nicht von seinem Weg abbringen“. Läuft es hundsmiserabel und man kassiert die totale Klatsche, war „der Gegner an diesem Tag zu stark“, aber „es sind ja noch 33 Spieltage zu spielen“ und man denke ja eh nur „von Spiel zu Spiel“. Das Nächste kann wieder ganz anders aussehen.

Dem effzeh gelang das Kunststück, ohne bis zum Gegentor eine Chance zugelassen zu haben und feldüberlegen gewesen zu sein, durch einen individuellen Fehler, nach einer Standardsituation, bei der Christian Eichner pennte und das Abseits aufhob, eine 0-1 Niederlage einzustecken. Das fällt dann eher in die Kategorie: unglückliche Niederlage. Kennen wir schon. Wollen wir nicht! Man kann der Mannschaft aber auch nicht böse sein, die stellenweise wirklich ansehnlichen Fußball spielte.

Personelle Lage:
Beim FC fehlten, verletzungsbedingt, Christian Clemens, Tobias Strobl und Ersatztorwart Thomas Kessler. Stanislawski setzte für Clemens auf Links Daniel Royer ein, den Neuzugang aus Hannover. In der Innenverteidigung kam der 19-jährige Kevin Wimmer neben Maroh zum Einsatz. Im Sturm vertraute Stani auf Chong Tese, Ishak musste zunächst auf der Bank Platz nehmen.

Spielverlauf:
Man merkte beiden Mannschaften die Nervosität zu Beginn an. Ein richtiger Spielfluss kam, durch Ungenauigkeiten auf beiden Seiten, kaum zu Stande. Dennoch war der FC das bessere Team mit dem Übergewicht an Spielanteilen. Spielerisch war das Ganze schon schön anzusehen, wenn da, wie gesagt,  nicht die ein oder andere Ungenauigkeit gewesen wäre, denn dadurch kam es nicht wirklich zu Torchancen. Die Einzige, die man so nennen konnte, basierte dann auch auf einem Katastrophen-Fehlpass von Correla, der bei Chihi landete und der auf Chong Tese durchsteckte, der den Ball aber links nebens Tor setzte. In der 44. Minute hatte der FC dann etwas Dusel, als man durchaus hätte Strafstoß pfeifen können: Maroh  zerrte Braunschweigs Kruppke nieder, aber die Pfeife von Schiri Gagelmann  blieb stumm.

In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel schneller, da auch die Braunschweiger nun bemüht waren zielstrebiger den Torabschluss zu suchen. Doch die erste Großchance hatte Daniel Royer in der 58. Minute, als er relativ frei im 16er zum Schuss  kam – aber auch er verzog. Das scheint noch das Manko des „neuen“ FC zu sein: Stellenweise spielen sie richtig schnellen, ansehnlichen Fußball, im 16er beginnt dann das große Flattern.

Die 68. Minute wird Christian Eichner so schnell nicht vergessen, als ein langer Ball von rechts in den Strafraum flog und alle Kölner auf Abseits spielten, bis auf ihn. Eichner rückte zu spät raus, Dogan köpfte an die Latte und der gerade eingewechselte Ademi versenkte den Abpraller unhaltbar zum 1-0.
Danach spielte der FC Harakiri. Stanislawski wechselte noch Ishak und Jajalo, für Royer und Matuschyk, ein, doch die richtig großen Chancen blieben aus. Im Gegenteil, die Braunschweiger hätten in dieser Phase den Sack zu machen müssen, die größte Chance vergab Korte (71.) mit einem Pfostentreffer. Der FC versuchte es bis zum Schluss, blieb aber harmlos im Abschluss, bis auf die letzte Chance durch den eingewechselten McKenna, der relativ freistehend zum Kopfball kam, die Kugel aber nicht richtig traf und am Tor vorbeizog.

Fazit:
Der FC verliert unglaublich dämlich, durch einen individuellen Fehler. Spielerisch sah das Ganze schon nach Fußball aus, auch wenn viele Ungenauigkeiten dabei waren. Ein Punkt wäre verdient gewesen, bei einem Gegner, der für Viele zu den Geheimfavoriten zählt.
Nächsten Freitag, im Heimspiel gegen Sandhausen, heißt es dann zielstrebiger das Tor zu suchen, um dann die drei Punkte einzufahren.

Spieler im Fokus:

Timo Horn – Wirkte etwas nervös bei seinem ersten Bundesligaauftritt. Zu Beginn des Spiels vertendelte er eine Rückgabe, die fast zu einer brenzligen Situation hätte führen können. Ansonsten aber kaum geprüft und beim Gegentor machtlos.

Christian Eichner – Schlief bei der Situation, die zum Tor führte, als er nicht rechtzeitig bei der Abseitsfalle herauslief. Ansonsten aber durchaus bestrebt nach vorne zu spielen. Hatte in der ersten Halbzeit die ein, oder anderen Momente mit Zug nach vorn. Seine Flanken sind aber wirklich ausbaufähig.

Stimmen zum Spiel:

Brecko:
„Das war so ein Spiel, wer das erste Tor macht gewinnt. Wir hatten genug Chancen gehabt und dann kassieren wir dieses blöde Tor War völlig unnötig heute. Wir müssen jetzt die Ruhe bewahren und die Fehler analysieren, um es in der Zukunft besser zu machen.
In der ersten Halbzeit hatten beide Mannschaften nicht viele Chancen zugelassen, denke dennoch, dass wir ein Chancen Plus hatten. Wir haben nun etwas Lehrgeld bezahlt, dennoch ist der Mannschaft kein Vorwurf zu machen, wie haben alles gegeben und die Punkte kommen noch.“

Bröker: „Wir haben heute ein engagiertes Spiel gemacht und sind dafür leider nicht belohnt worden. Unsere Abseitsfalle hat nicht funktioniert, dadurch sind wir dann blöd in Rückstand geraten und konnten dann Hintenraus nicht mehr den nötigen Druck aufbauen um das Tor zu machen. Vorher hatten wir aber zwei hundertprozentige Torchancen, wenn wir da das Tor machen, sieht es hier schon anders aus. Wir müssen auf diese Leistung nächste Woche aufbauen und das dann in Tore ummünzen.“

Lehmann:  „Wenn man den Spielverlauf sieht kann man sagen, dass wir ein gutes Spiel gezeigt haben. Wir haben leider die Chancen nicht gemacht! Wir hatten die Abseitsfalle einstudiert, die hat leider diesmal nicht ganz geklappt, das ist natürlich bitter, denn wir haben über weite Strecken der Partie richtig gut Fußball gespielt, leider hat uns der Killerinstinkt gefehlt. Unsere Fans waren sehr, sehr laut und haben uns super unterstützt, ich denke sie haben unsere Leistung honoriert.“

Horn: “Wir waren in der ersten Halbzeit spielbestimmend, das kann man auch in der Statistik sehen. Leider haben wir es versäumt die klaren Torchancen zu kreieren und das Tor zu machen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann unglücklich das Tor kassiert. Ein Punkt wäre mindestens verdient gewesen aber nun geht’s halt gegen Sandhausen weiter, um da dann die Punkte zu holen. Bis zum Strafraum sah es eigentlich ganz gut aus, wir müssen da noch zielstrebiger werden.
Ich persönlich hab mich im ersten Spiel sehr gut gefühlt, es ist natürlich alles etwas schneller wie in den unteren Ligen, aber da werde ich mich in den nächsten Spielen auch dran gewöhnen.“

Stanislawski: “Es war ein sehr intensives, sehr gutes Zweitligaspiel – mit vielen Situationen, die wir leider, für uns,nicht so nutzen konnten wie wir es gerne gemacht hätten.
Wir hatten viele Situationen, die wir final hätten besser spielen müssen. Wir haben relativ wenig weggeben, bis auf die eine Situation, wo wir dann auf Abseits spielen und dieser halbe Schritt fehlt. Danach wurde es dann richtig intensiv – Braunschweig nochmal zwei Hochkarätige gehabt – wir auch hintenraus nochmal zwei, drei gute Situationen gehabt, insofern haben wir uns heute leider nicht belohnt, denn wir haben, glaub ich, eine richtige gute Leistung geboten: mutig Fußball gespielt, versucht nach vorne zu spielen und auch gut gespielt. Wir sind einfach auch auf einen starken Gegner getroffen, dementsprechend war es auch ein sehr gutes Spiel zum Anschauen. Leider haben wir uns selber bestraft mit dieser Situation, aber lieber jetzt, am ersten Spieltag und daraus lernen. Wir nehmen viele gute Dinge mit und sehen dann, dass wir ein paar Dinge dann zu Hause noch besser machen.“

Aufstellung: Horn – Brecko, Maroh, Wimmer (86. McKenna), Eichner – Lehmann, Matuschyk (75. Jajalo) – Chihi, Bröker, Royer (75. Ishak) – Tese.

Tore: 1-0 Orhan Ademi (68.)

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