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Geißbockheim

Teil 2 des Interviews mit FC-Teammanagerin Nicole Bender: „Wir sind überzeugt: Der Kader wird die Ziele erreichen.“

Im zweiten Teil unseres Interviews blickt Nicole Bender, die Teammanagerin der FC-Frauen, auf die Saison 2020/21. Sie spricht über den neuen Kader, strukturelle Veränderungen und die Perspektive der Frauenabteilung.

Foto: Sylvia Ruscher

Der Abstieg war ein Rückschlag für die FC-Frauen. Doch Teammanagerin Nicole Bender blickt optimistisch in die Zukunft. Zum großen Interview mit effzeh.com treffen wir uns an ihrem Arbeitsplatz – in den Katakomben des Franz-Kremer-Stadions.

Einige namhafte Neuzugänge mit Erstligaerfahrung kommen zum effzeh – trotz des Abstiegs. Welche Kriterien waren für euch bei den Transfers entscheidend?

Wir haben Positionen identifiziert, auf denen wir uns verstärken mussten. Wichtig war auch, dass die Spielerinnen charakterlich zum Klub passen. Wir wollten keine ‚Eintagsfliege‘ verpflichten, die in einer Saison irgendwo stark war und dann sofort weitergezogen ist. Das sieht man an den Vertragslaufzeiten, die zwei Jahre betragen. Das wäre im Männerfußball nicht viel, im Frauenfußball ist das aber schon langfristig. Vor allem, weil sie ligaunabhängig gelten. Letzteres freut uns besonders. Es zeigt, dass wir die Spielerinnen von uns und unseren Plänen überzeugt haben. Wir haben den Neuen auch gezeigt, was wir hier haben. Dazu gehört vor allem das Geißbockheim. Da haben einige schon große Augen gemacht. Aber wir haben auch erklärt, was wir nicht haben. Da waren wir transparent und ehrlich.

Wir sind überzeugt, dass wir einen Kader zusammengestellt haben, der unsere Ziele erreichen wird.

Folgen noch weitere Transfers als die, die bisher bekannt gegeben wurden?

Wir haben bislang sechs Neuzugänge: Islacker, Lotzen, Beck, Pfluger, Müller-Prießen und Klett. Wir sind überzeugt, dass wir einen Kader zusammengestellt haben, der unsere Ziele erreichen wird.

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Einen großen Umbruch im Kader scheint es trotz des Abstiegs nicht zu geben, vom Stammpersonal gingen lediglich Elvira Herzog und Lucia Ondrusova. Wieso habt ihr euch für eine starke Kontinuität im Kader entschieden?

Als Sascha am 1. Januar anfing, hatten wir eine Kaderstärke von 27. Für den Restart haben wir das auf 22 reduziert, nun haben wir sechs Spielerinnen hinzugeholt und uns von neun getrennt. Das ist schon ein Umbruch, aber keiner, der das Herzstück der Mannschaft auseinanderreißt. Klar, die Neuzugänge bringen Erstligaerfahrung mit. Aber auch Caro Schraa und Karo Kohr treffen in der zweiten Liga oft. Insofern ist die Kontinuität zwar da, aber in Form eines kleineren Kaders.

Und bei den bisherigen Spielerinnen seht ihr noch Steigerungspotential?

Ja. Die 13, für die wir uns entschieden haben, werden der zweiten Liga einen anderen Stempel aufdrücken können als der ersten.

Eine Nachfrage: Gesetzt den Fall, ihr steigt auf. Steht dann noch ein Umbruch bevor oder plant ihr, den Kader dann eher zu verfeinern?

Da wollen wir erstmal die Saison und die Entwicklung der Spielerinnen abwarten. Es wäre fatal zu sagen, wir machen definitiv einen Umbruch. Wir wollen schauen, wie sich die Spielerinnen reinhängen und sich entwickeln. Ob und was wir am Kader verändern, entscheiden wir daher frühestens in einem halben Jahr.

WOLFSBURG, GERMANY - MAY 29: Cologne's Rachel Rinast (r) plays against Wolfsburg's Anna Blässe during the Flyeralarm Frauen Bundesliga match between VfL Wolfsburg Women's and 1. FC Koeln Women's at AOK Stadion on May 29, 2020 in Wolfsburg, Germany. (Photo by Sven Pfoertner/Pool via Getty Images )

Foto: Sven Pfoertner/Pool via Getty Images

Letzte Woche gab der DFB bekannt, dass der effzeh im Südteil der zweiten Liga eingruppiert wird. Welche Folgen gehen damit einher? Auf welche Mannschaften trefft ihr und wie schätzt ihr die Stärke der anderen Teams ein?

Generell sagt man, dass die Südgruppe stärker ist. Wir treffen auf die zweiten Mannschaften von Bayern, Hoffenheim und Frankfurt. Rein theoretisch heißt das, dass wir auch als Vierter aufsteigen können. Was wir aber im Kopf behalten müssen, ist, dass alle Mannschaften dir Punkte klauen können; etwa Saarbrücken und Andernach. Alle werden hoch motiviert sein, wenn sie auf den 1. FC Köln treffen. Das trifft auch auf Niederkirchen zu, da habe ich damals angefangen (lacht). Die Mädels müssen diese Spiele motiviert, diszipliniert und vor allem hart angehen. Spielerisch werden wir vermutlich überlegen sein, allerdings wird es etwas mehr auf die Socken geben. Darauf müssen wir uns schon jetzt einstellen. Dazu kommt, dass in den zweiten Mannschaften wahrscheinlich auch oft Spielerinnen aus den ersten auflaufen werden, um Spielpraxis zu bekommen.

‚Zweite Mannschaften‘ ist ein gutes Stichwort: Die zweite Mannschaft des effzeh wäre eigentlich in die zweite Liga aufgestiegen, muss nun aber in der Regionalliga bleiben. Welche Folgen hat das und wie stellt ihr die zweite Mannschaft auf?

Wir hätten bei einem Aufstieg einer DFB-Auflage, eine U20 aufzustellen, nachkommen müssen. Diese Auflage gibt es in der Regionalliga nicht, aber wir haben die zweite Mannschaft trotzdem zu einer U20 umgebaut. Sie dient als Ausbildungsmannschaft. Wir wollen unsere Spielerinnen darin fordern und fördern. Dazu kommen drei erfahrene Spielerinnen, die das Team führen und die jüngeren Spielerinnen beraten sollen. Mit Anna Kirschbaum, Meike Meßmer und Romina Frommont haben wir Gespräche geführt und ihnen ihre Rolle erklärt. Alle kennen den Verein gut und wissen, was wir vorhaben. Dementsprechend tut uns das allen gut.

Damit formulierst du einen hohen Anspruch an die Jugendarbeit des effzeh. Was bedeutet dieser Anspruch konkret? Gab es beispielsweise Veränderungen im Jugendbereich?

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Ja, da wir künftig mehr Spielerinnen für die erste Mannschaft ausbilden wollen. Zuletzt haben leider nur wenige den Sprung geschafft. Wir haben in den Trainerteams personell einiges verändert, und insbesondere von den Veränderungen im Leistungsbereich, also U20 und U17, erhoffen wir uns eine positive Wirkung. Dazu kommt, dass wir in jeder Mannschaft ein Trainerteam haben, das aus einem Mann und einer Frau besteht. Damit bezwecken wir zweierlei: Zum einen sollen die Spielerinnen verschiedene Ansprechpartner haben, schließlich tickt ja jeder Mensch anders. Zum anderen möchten wir aber auch Frauen als Trainerinnen fördern.

Ich habe mir vor einigen Tagen einmal die ‚frauenfußballerische Landkarte‘ von NRW angeschaut. Abgesehen von Leverkusen und Essen gibt es da eigentlich keine namhafte Konkurrenz für den effzeh. Da liegt also viel Potential brach. Wie wollt ihr dieses Potential ausschöpfen?

Ein erster Schritt besteht darin, Willi Breuer als Scout im Jugendbereich einzusetzen. Er wird für uns nach jungen Toptalenten suchen. Jemanden wie Lena Oberdorf, die viele Jahre bei den Jungs mitgespielt hat, wollen wir frühzeitig entdecken. Das ist unser Ziel, und wir glauben, dass wir uns mit diesem Schritt dem Ziel nähern können.

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