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Nachspiel

Sag beim Abschied leise „Servus“

Der FC verabschiedet sich mit einem 3:0-Auswärtssieg in Ingolstadt von den Fans, Holger Stanislawski und der Saison. Was bleibt, ist quälende Sommerpause.

© effzeh.com

Sag‘ beim Abschied leise ‚Servus‘,

nicht ‚Lebwohl‘ und nicht ‚Adieu‘,

diese Worte tun nur weh.

(Peter Alexander)

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Kaum zu glauben: Die Zweitliga-Saison ist für den 1.FC Köln beendet. Schon – oder erst? Viel ist passiert. Der Umbruch mit zahllosen Spielerab- und zugängen. Die Integration mancher Talente wie Timo Horn oder Jonas Hector. Vieles dagegen nicht. Der erhoffte Sprung auf den Relegationsplatz beispielsweise. Oder das Einspielen einer Mannschaft, die in der nächsten Saison mit Schwung den Angriff auf den Aufstieg nehmen soll. Jedenfalls lässt der FC, die große Nummer der Zweitklassigkeit, die Saison mit einem 3:0 ausklingen. In Ingolstadt. Gegen Marvin Matip. Kann es etwas schöneres für uns Kölsche geben?

Ausgangslage

Es geht um nichts mehr. Oder um nicht mehr viel. Der 1.FC Köln ist bereits vor dem letzten Spieltag weit genug vom Relegationsplatz entfernt, um seinen erneut zahlreich angereisten Anhängern einen entspannten Saisonabschluss bieten zu können. Lediglich Platz vier könnte mit einem Auswärtserfolg in Ingolstadt noch erklommen werden. Vorausgesetzt, der FSV Frankfurt patzt bei Eintracht Braunschweig. Es sollen am Saisonende ja die dollsten Dinger passieren. Gut für die klamme Kasse wäre es jedenfalls – Fernsehgeldtabelle und so. Trainer Stanislawski bringt in seinem letzten Spiel für diese Aufgabe im Tor Thomas Kessler, dazu ersetzen  Maroh, Royer und Bigalke die gegen Hertha gestarteten McKenna, Bröker und Chihi.

Der Gastgeber kann derweil mit einiger Erfahrung in Sachen belanglosen Spielen aufwarten. Irgendwo im Nirgendwo der Tabelle hat es sich der FC Ingolstadt gemütlich gemacht. Zu seinem Abschied darf Marino Biliskov ein letztes Mal im FCI-Trikot auflaufen, neben ihm verteidigt die ehemalige Kölner Abwehrikone Marvin Matip. Moritz Hartmann, einst Sturmgott der FC-Amateure, muss mit der Bank vorlieb nehmen.

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Spielverlauf

12520 Zuschauer im Ingolstädter Audi-Sportpark (darunter gefühlt 99% kölsche Jungs & Mädels) sehen eine schwungvolle Anfangsphase mit Chancen auf beiden Seiten. Für den FC vergibt Bigalke die frühe Führung, der FCI wird insbesondere durch Caiuby, der mehrmals am starken Kölner Schlussmann Kessler scheitert, gefährlich. Nach einigem Leerlauf wird es kurz vor der Pause wieder interessant: Clemens probiert es aus der Distanz, auf der Gegenseite schlenzt Eigler die Kugel am FC-Gehäuse vorbei.

In einem erfrischenden Sommerkick sind es dann unsere rot-weißen Halbgötter, die zu Beginn der zweiten Hälfte einen Start nach Maß erwischen: Clemens erkämpft sich auf der linken Seite die Kugel, bedient Hector, der scharf nach innen flankt. Daniel Royer sagt in der Mitte brav „Danke“ und schiebt das Leder zur Kölner Führung über die Linie. Danach beginnt die Abschiedsshow des Christian Clemens: Zweimal in Folge krachen Distanzschüsse des scheidenden Kölner Toptalents an die Latte.

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Den zweiten Treffer der Partie setzt dann in der 76. Minute ein FC-Abwehrspieler: Im Anschluss an eine Ecke bildet sich am Strafraum der Schanzer ein Gewühl, das Bruno Nascimento mit einem Schlenzer ins Ingolstädter Tor auflöst. Das erste Tor in Diensten des 1.FC Köln für den ausgeliehenen Brasilianer, der auch in der kommenden Saison für uns auflaufen soll. Den Schlusspunkt setzt eine weitere Leihgabe: Anthony Ujah wird von FCI-Verteidiger Biliskov im Sechzehner unsanft gestoppt und verwandelt den fälligen Elfmeter zum 3:0. Das 13. Saisontor des Nigerianers besiegelt den 3:0-Abschiedssieg für den FC.

0:1 Royer (48., Vorlage: Hector). 0:2 Bruno Nascimento (76., ohne Vorlage). 0:3 Ujah (77., Foulelfmeter)

Spieler im Fokus

Thomas Kessler Bekam zum Saisonabschluss seinen ersten Zweitliga-Einsatz in dieser Spielzeit. Aus Dankbarkeit, eine solide Nr. 2 zu sein. Und er zeigte (wie schon im Pokalspiel in Stuttgart) mit mehreren Paraden, dass auch er das Zeug zum Stammkeeper hätte. Ist er aber nicht. Weil Timo noch einen Ticken stärker ist.

Bruno Nascimento Bildete mit Maroh die Innenverteidigung, die hoffentlich in der kommenden Spielzeit der Standard sein wird. Zweikampfstark, ballsicher, sprintschnell. Bewies, warum er dringend weiterverpflichtet werden sollte. Belohnte sich mit seinem ersten Tor im FC-Trikot.

Jonas Hector In seinem 24. Zweitligaspiel abgezockt, als wäre es seine 240. Begegnung. Der Aufsteiger der Saison, der auf der ungewohnten Linksverteidiger-Position erneut einen bärenstarken Eindruck machte. Neben gewohnter Defensivstärke auch endlich mit Offensivqualitäten: Die Vorlage zu Royers 1:0 war Hectors erste Torvorlage in dieser Saison.

Christian Clemens Sein (vermutlich) letztes Spiel mit dem Geißbock auf der Brust. Zweifach Aluminium getroffen, einmal knapp drüber. Hinterlässt eine große Lücke im FC-Angriffsspiel, die vermutlich noch lange zu betrauern sein wird. Viel Erfolg auf Schalke, Chrille!

Anthony Ujah Auch den Nigerianer wird der geneigte FC-Fan in der kommenden Saison eher nicht mehr im Geißbock-Trikot sehen. Zum Abschluss noch einmal mit allem, was ihn auszeichnete: Einsatzwillen, Torriecher und ein miserables Passspiel. 13 Saisontore sind eine Hausnummer, die wir 2013/14 erst einmal finden müssen. Maach et joot, Tünn!

Fazit

Zum Abschluss einer Achterbahn-Saison fährt der glorreiche 1.FC Köln den ersten wirklich deutlichen Auswärtsieg ein, verpasst aber den Sprung auf Rang vier im Endklassement. Ein einziges Tor fehlt unseren Halbgötter in rot und weiß auf den FSV Frankfurt. Wo wir diesen Treffer liegen gelassen haben, kann sich jeder unserer Leser selber aussuchen. Bei unserer Chancenverwertung dürfte es nicht schwer sein, ein passendes Spiel zu finden.

Nach dem großartigen 3:0 in Ingolstadt liegt jedenfalls eine arbeitsreiche Sommerpause vor dem 1.FC Köln. Ein neuer Trainer muss her. Einige Spieler werden den Verein verlassen, neue Akteure werden kommen. Letztlich verbleibt uns zum Abschied nur, leise „Servus“ zu sagen. Zu dieser Saison. Zu Stanislawski. Zu Clemens. Zu Ujah. Und uns auf die Spielzeit 2013/2014 zu freuen. Mit dem 1.FC Köln, mit effzeh.com & hoffentlich mit Euch.

Stimmen zum Spiel:

Clemens: „Ich glaube das war heute eines der besten Spiele der Saison auch wenn es nicht mehr um so viel ging. Wir wollten heute unbedingt gewinnen und der Sieg ist auch in der Höhe verdient.
Ich habs ja schon öfter betont, dass es nicht selbstverständlich ist, dass bei so einem belanglosen Spiel 4000 Kölner ans Ende von Deutschland reisen, um uns zu unterstützen. Nochmal hier ein großes Dankeschön an die Fans für die sensationelle Unterstützung in der gesamten Saison. Das ist einzigartig! Stani ist ein herber Verlust für uns und das hat uns alle überrascht. Er ist in meinen Augen ein super Trainer unter dem ich mich auch gerade im letzten halben Jahr weiterentwickelt habe. Ich bedanke mich bei ihm, auch dass ich unter ihm spielen durfte. Das Trikot von heute behalte ich.“

Brecko: „Ich glaube wir haben das heute gut hingekriegt. Das war ein gutes Spiel und ein gelungener Abschluss von uns.
Stani hat gestern uns seinen Rücktritt erklärt, das hat uns alle überrascht und wir sind natürlich ein bisschen enttäuscht, respektieren aber seine Entscheidung. Ich persönlich wünsche ihm weiterhin alles Gute. Als ich verlängerte habe ich beim FC unterschrieben und nicht bei Holger Stanislawski.
Wenn der FC Interesse an Mike Büskens hat wird es auch ein guter Mann sein, ich kenne ihn nicht persönlich.“

Ujah:“ Das war eine schlimme und sehr emotionale Nacht. Wir sind hier zum Spiel gefahren und haben nicht erwartet, dass der Trainer seinen Abschied verkündet. Es war wirklich hart, weil das niemand erahnen konnte. Er hat gestern mit uns darüber gesprochen, die Stimmung war dann natürlich erstmal im Keller. Das zeigt aber auch wie sehr wir ihn schätzen. Er ist nicht nur ein Trainer für uns gewesen sondern auch ein Freund und Vater für viele von uns. Mit dem Sieg konnten wir ihm und den Fans nochmal etwas zurückgeben. Es war ein schöner Sieg und endlich auch mal mit 3 Toren –  das war unser Ziel. Ich habe ja immer gesagt, dass ich mich hier sehr wohl fühle aber ich habe einen Vertrag in Mainz. Das ist so und das hat sich auch noch nicht geändert. Ich fahre nun erst einmal zur Nationalmannschaft und dann gucken wir weiter. Ich danke allen Fans und jedem anderen, der diese angenehme Zeit mir ermöglicht hat.“

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