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Rezensionen

„Wir sind der Verein“ von Alina Schwermer: Fanvereine gegen Fußball-Verdrossenheit?!

In ihrem Buch beschäftigt sich Alina Schwermer mit neun Fanvereinen aus ganz Europa – warum sich die Lektüre lohnt, lest ihr hier.

Südkurve Vorstand Raus Banner

Fanaktivismus äußert sich aber auch dann, wenn man sich den Mutterverein zurückholen und die Geschicke des Vereins selbst in die Hand nehmen möchte – das Credo „Wir holen uns unseren Verein zurück“ gilt bisweilen als entscheidende Motivationsgrundlage. In Zeiten, in denen gerade beim 1. FC Köln über das Verhältnis zwischen Vorstand und Fans mehr als sonst auf dem Prüfstand steht, kann es also sicherlich nicht schaden, sich mit den Vereinen auseinanderzusetzen, die komplett von ihren Fans kontrolliert werden. Alina Schwermer berichtet in ihrem Buch von Erfolgsmodellen und Vereinen, die gescheitert sind, was jeweils an unterschiedlichen Faktoren liegt. In jedem Fall eignet sich das Buch sehr gut dazu, nachzuvollziehen, wie Fans Einfluss nehmen können auf die Politik ihres Vereins.

Demokratie und Mitbestimmung: Vorbildhafte Werte für jeden Verein

Eine totale Demokratie wie vor einigen Jahren bei Fortuna Köln, als sich Fans im Internet an der Entscheidungsfindung im operativen Bereich beteiligen konnten, ist dabei ebenso wenig zielführend wie die totale Abschottung nach außen und die Auflösung der 50+1-Regelung. Deren Bestand ist unumstritten etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt, wenn man alleine auf die Bedingungen in England schaut. Denn dort ist die Mitbestimmung vieler Fans gerade im absoluten Premiumbereich zum Erliegen gekommen. Extrem hohe Preise für Dauerkarten und die totale Abschottung der Vereine in ihren lokalen Communities sind das Schreckensbild, auf das die Bundesliga mit ihren Vereinen momentan zielstrebig hinsteuert. Werte wie demokratische Organisation, Mitbestimmung und die Wahrnehmung des Stimmrechts sollten für jeden Fan unumstößlich von Bedeutung sein, auch wenn vielen der sportliche Erfolg wichtiger ist als nachhaltiges und demokratisches Arbeiten.

Aber ein wenig Idealismus kann sicherlich nicht schaden, auch beim 1. FC Köln. Der Umgang mit der Initiative „100 % FC – Dein Verein“ zeigte im letzten Jahr bereits auf, dass der Vorstand keineswegs gewillt ist, Fans stärker an den Entscheidungsfindungsprozessen zu beteiligen. Und auch im Vorfeld der Wahlen zum Mitgliederrat sollte eine Auseinandersetzung mit den Rechten und Pflichten eines zahlenden Mitglieds ihren Stellenwert haben. Der Bezug zu den Leuten vor Ort sollte für auch für Vereine, die zum Premiumprodukt Bundesliga gehören, ein wichtiger Aspekt sein.

Fazit: Das Buch von Alina Schwermer ist sehr lesenswert!

Um sich das Ganze noch einmal verdeutlicht vor Augen zu führen, eignet sich die Lektüre des Buchs von Alina Schwermer allemal. Auf 215 Seiten werden vielfältige Denkanstöße geliefert, die man als Fußballfan in die Kommunikation mit seinem eigenen Verein übertragen kann. Und wer sich für Fanvereine jenseits des FC United of Manchester interessiert, bekommt mit diesem Buch auch genügend Anregungen geboten. Der Schreibstil ist flüssig und unkompliziert, durch viele direkte Zitate der beteiligten Personen bekommt man den Eindruck, direkt beim Recherchegespräch dabei zu sein. Schwermer vergisst weiterhin nicht, ihre erarbeiteten Inhalte sorgfältig in den Gesamtkontext einzuordnen. Vor dem Hintergrund der immer größer werdenden Fußball-Verdrossenheit ist es vielleicht nicht schlecht, sich mit den verschiedenen Formen der Einflussnahme auseinanderzusetzen, die einem trotz allem noch zur Verfügung stehen.

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