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Kolumnen

Nachspielzeit

Gefühlstechnisch ist der Kölner am Boden. Aber wie sieht die reelle Lage aus? Der Versuch einer Bestandsaufnahme.

© effzeh.com

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Der Stadtanzeiger vergleicht den effzeh mit Bayer Leverkusen und sieht vor allem einen Unterschied im Willen und in der Zielstrebigkeit. Der Express fängt sogar an zu reimen und malt ein Bild von einem Horrorfilm, der am Sonntag bei den „Qualen in Aalen“ aufgezeichnet wurde. Die Medien in Köln sind offensichtlich mal wieder gut drauf, während es dem effzeh dreckig geht. Dreckig geht? Jetzt? Wo ein Spiel verloren wurde? Nach 6 Spielen ohne Niederlage? Typisch Köln, könnte man sagen. Dem Kollegen von Sky fiel Stani ins Wort, als dieser mit dem Pokalspiel in Worms anfangen wollte, um die Niederlage in Aalen zu begründen. Pokal habe schließlich nichts mit der Meisterschaft zu tun. Dann soll er gefälligst bei den 8 guten Partien dieser Saison anfangen, und nicht die schlechteste rauswählen, die auch noch vom Charakter her einfach nicht vergleichbar sei. Man sollte unserem Trainer zugute halten, dass dies kurz nach Abpfiff geschah. Interviews zu diesem Zeitpunkt sind für meine Begriffe für denjenigen Körperteil, den auch Stani erwähnte.

Allerdings sollte man bemerken, dass Aalen das 4. Spiel in 14 Tagen ist. Die Bayern sind im Pokal mit ihrer B-Elf aufgelaufen, das reichte für Kaiserslautern. Die Kölner B-Elf hätte nicht gereicht für Worms. Vielleicht hätte er mehr rotieren sollen, der Trainer? Moment? Wird ihm nicht hauptsächlich vorgeworfen zu viel zu rotieren? Zu viel Umstellung? Ich sehe das explizit anders. Ich habe den Rasen in Worms und in Aalen gesehen. Da schaff ich persönlich die Strecke von einem Tor zum anderen und wieder zurück. In ca. 15 Minuten. Also im unbelasteten Zustand wie in Worms. Mit einem Pokalspiel in den Knochen schaff ich nur noch eine Strecke. Aber ich bin ja kein Maßstab, das sind ja Profis, die müssen das abkönnen. Müssen sie? Was man ihnen nicht absprechen kann ist, dass sie wollen. Das war auch in Aalen zu erkennen. Sie konnten nicht.

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„Zu den Kollegen von Sport1 möchte ich mal sagen, wir transportieren seit einiger Zeit, dass wir hier einen Riesenumbruch haben, dass das ein Prozess ist, der ganz einfach auch dauert“ und der Aufstieg eigentlich gar kein Thema sei sagt der Stani. Fangen wir also ganz vorne an. Das stimmt, und eigentlich war das auch verinnerlicht. Aber wie das so ist, kommen einige Dinge zusammen. Vereinzelt wird nach Siegen vom Europapokal gesungen. Zunächst nur aus Alberei heraus, mit steigendem Pegel umso ernsthaftiger. Das ist die Wahrnehmung vom Kölner an sich. Also, wenn der effzeh 6 Spiele in Folge nicht verliert, ist dem allgemeinen Reporter klar, dass hier vom Aufstieg geträumt wird. Und damit fühlt sich der effzeh für den Fan schlechter an als er eigentlich ist.

Mit gefühlten Dingen ist das immer so eine Sache. Und man muss ja zugeben, dass man sich als effzeh-Fan trotz der Serie nicht wirklich gut fühlen kann. Oder besser nicht richtig fühlen kann. Die ersten 6 Spiele der Saison (das Pokalspiel in Haching mal ausgenommen) fühlen sich falsch an. Meist war man die bessere Mannschaft, aber man hat zu wenig Punkte geholt. Die überzeugenden Siege gegen Frankfurt und in Paderborn fühlen sich dann zum ersten Mal richtig an, und zwar richtig und gut. Das nun folgende Unentschieden gegen Dresden fühlt sich wieder so halb falsch an, wieder ein Spiel, das man eigentlich hätte gewinnen müssen. Bei dem Sieg in Regensburg kommt die Gefühlswelt wohl so richtig durcheinander. Ein Sieg, gefühlte Niederlage, richtig glücklich ist mit dem Sieg keiner, auch der Trainer nicht. Aber fragt mal in Regensburg nach, wie die sich fühlen, die kriegen seitdem kein Bein mehr auf den Boden. Das Unentschieden gegen die starken Lauterer hebt dann unser Gefühl wieder auf ein höheres Level, ohne dabei genügend Punkte dazulassen. Das Weiterkommen im Pokal ist eher wieder mau für die Gefühlswelt und mit der Niederlage in Aalen sind wir in einer emotionalen Eiszeit. Zum Glück gibt es Unterschiede zwischen der gefühlten Welt und der realen. Schauen wir also auf die Tabelle: 12. Platz. Gehts uns jetzt besser? Abstand zum Abstiegs-/Relegationsplatz: 4 Punkte. Besser? Nach oben schauen wir nicht mehr. Besser.

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„Was uns hauptsächlich fehlt ist die Konstanz. Das einzige was konstant ist, ist unsere Inkonstanz. Einzelne Spieler sind nicht konstant, die Mannschaft ist nicht konstant und auch während des Spiels sind wir nicht konstant. Es gibt Szenen, in denen wir richtig gut sind, und kurz darauf sind wir richtig schlecht“ so sieht Stanislawski die Hauptgründe der Niederlage. Die Spieler befinden sich in einer Lernphase. Wohl kaum jemand konnte am Anfang der Saison erwarten, dass sich die Mannschaft bis heute so entwickelt hätte, dass sie einwandfrei funktioniert. Die Mannschaft lernt, mit jedem Spiel, mit jeder Minute mit jeder dummen Spielsituation. Leider sehr wenig an Erfolgen. Das 3:3 gegen Kaiserslautern und das Pokalspiel hätte einer anderen Mannschaft Auftrieb gegeben, die Spieler beim effzeh kommen scheinbar eher ins Grübeln, schöpfen zu wenig Selbstvertrauen daraus. Aber auch das werden sie lernen, auch wenn man gefühlt im Moment nicht daran glauben will.

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