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Vorspiel

Nachbarschaftsduell gegen Leverkusen: Für den 1. FC Köln Wirtz schwierig

Nach drei zuletzt ungeschlagenen Spielen erwartet der 1. FC Köln in der Englischen Woche den neuen Bundesliga-Spitzenreiter aus Leverkusen. Die Elf des Chemiefabrikanten hat sich zu einem Topteam entwickelt – bei dem ein früherer Kölner eine wichtige Rolle einnimmt.

COLOGNE, GERMANY - DECEMBER 14: Jan Thielmann of Koeln shoots on goal during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Bayer 04 Leverkusen at RheinEnergieStadion on December 14, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Kurz vor Weihnachten 2020, das gesamte Land fährt seinen Betrieb wieder herunter – Schulen schließen weitestgehend, der Einzelhandel auch, Gastronomie und Sport-, Freizeit- und Kultureinrichtungen sind ohnehin schon länger zu. Die beunruhigende Infektionslage ließ der Politik keine andere Wahl. Aber es gibt immerhin noch einen Bereich des Lebens, der ungehindert von den neuen Maßnahmen weitermacht: Die Fußball-Bundesliga möchte in diesem Jahr gerne noch zwei Spieltage durchbringen, auch ein DFB-Pokalspieltag ist für nächste Woche noch angesetzt – was immer man davon halten mag.

Das betrifft natürlich auch den 1. FC Köln, der am Mittwochabend zum Nachbarschaftsduell einlädt. Der Gegner kommt aus Leverkusen, ist in dieser Bundesliga-Saison noch ungeschlagen und aktuell sogar Tabellenführer. Am Samstag führt die Spieltagsplanung den FC nach Sachsen, wo mit Leipzig der nächste „Klub“ wartet – dort herrscht bereits seit einigen Tagen ein Lockdown, früher als im Bundesgebiet. Wiederum nur wenige Tage später empfängt der FC im DFB-Pokal den Zweitligisten aus Osnabrück. In elf Tagen wird der 1. FC Köln daher vier Spiele absolvieren, den Auswärtssieg in Mainz schon einberechnet.

Kölner Aufschwung, Leverkusener Torfabrik

Durch das Tor von Elvis Rexhbecaj, die Paraden von Timo Horn und die Abschlussschwäche der Mainzer konnte der FC die nächsten drei Punkte sammeln – die Leistungssteigerung, die mit dem Auswärtsspiel in Dortmund begann, brachte den Kölnern insgesamt sieben Zähler und schon eine kleine Serie von nun drei ungeschlagenen Spielen. Mit dieser Statistik, aber auch mit der Gewissheit, auch gegen stärkere Mannschaft konkurrenzfähig zu sein, stehen jetzt noch 180 Minuten Bundesliga aus – allerdings gegen zwei Topteams.

Foto: imago images/Werner Schmitt

Das Fußballteam des Chemiefabrikanten gibt sich unter der Woche in Müngersdorf die Ehre und bringt das Empfehlungsschreiben von bereits 50 Pflichtspieltoren aus 18 Spielen mit. Speziell in der Europa League zeigte sich das Team von Peter Bosz besonders treffsicher, in sechs Spielen gelangen 21 Tore. In der Bundesliga sind die Leverkusener ein wenig sparsamer, bislang kommen sie dort „nur“ auf 23 Tore. Mit sieben Siegen und vier Unentschieden stehen sie aber trotzdem an der Tabellenspitze, zuletzt gelangen fünf Siege aus den letzten sechs Spielen im deutschen Oberhaus. Wettbewerbsübergreifend gelangen der Werkself elfmal mehr als drei Tore pro Spiel, in den letzten vier Partien jeweils zweimal vier und zweimal drei Tore.

Florian Wirtz: Ein Fixpunkt in der Offensive

Fußballerisch talentiert und offensiv denkend sind die Mannschaften des Niederländers Bosz meistens ohnehin schon, in dieser Saison kam sogar noch eine weitere Komponente hinzu: Wegen der hohen Belastung setzt das Trainerteam aktuell offenbar mehr auf Kontrolle und weniger auf Intensität, die Belastung wird zudem gleichmäßig auf alle Schultern verteilt. Dennoch ist die Verletztenliste einigermaßen lang: Mit Charles Aranguiz und Sven Bender fehlten zuletzt zwei Stammspieler, andere Ergänzungsspieler wie Exequiel Palacios und Paulinho sind längerfristig raus. Beim 4:1-Sieg am Sonntag gegen Hoffenheim kamen Spieler wie Karim Bellarabi und Aleksandar Dragovic erst von der Bank, sie dürften gegen Köln wieder von Beginn an spielen. Gleiches gilt für Kerem Demirbay, der von einer Covid-19-Infektion wieder genesen ist.

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Im Mittelfeld dürfte er neben Florian Wirtz spielen, der im vergangenen Winter aus Köln ans Bayerkreuz wechselte. Der 17-Jährige, um dessen Transfer es durchaus Begleiterscheinungen gegeben hatte, hat im Profibereich mittlerweile Fuß gefasst. Mit zwölf Startelfeinsätzen und drei Einwechslungen gehört er zu den am meisten eingesetzten Spielern, die Kritiken nach seinen Leistungen fielen überaus oft positiv aus. Mit acht Scorerpunkten (drei Tore und fünf Vorlagen) überzeugte er auch in den Statistiken. Nach zehn Jahren fußballerischer Ausbildung beim 1. FC Köln ist es daher umso bitterer, dass er seine ersten verheißungsvollen Schritte im Profifußball nicht mit dem Geißbock auf der Brust absolviert.

Wer ersetzt Ondrej Duda beim 1. FC Köln?

Doch neben Wirtz weist der Kader von Leverkusen weitere spannende Spieler auf: Der talentierte, manchmal aber etwas undisziplinierte Leon Bailey zeigt nach einigen problematischen Monaten nun beständig gute Leistungen, sammelt fleißig Scorerpunkte. Auch Tempodribbler Moussa Diaby und Kreativspieler Nadiem Amiri zeigten sich in den jüngsten Spielen in guter Form. Allgemein verfügt die Leverkusener Mannschaft über eine hohe individuelle Qualität, gerade im Eins-gegen-Eins oder in Umschaltmomenten. Der 1. FC Köln wird am Mittwochabend darauf achten müssen, die eigenen Fehler im Spielaufbau zu minimieren, um den Gästen nicht zu viel Platz für Konter zu geben.

MAINZ, GERMANY - DECEMBER 12: Ondrej Duda of 1.FC Koeln walks off the pitch after being sent off after receiving two yellow cards during the Bundesliga match between 1. FSV Mainz 05 and 1. FC Koeln at Opel Arena on December 12, 2020 in Mainz, Germany. Sporting stadiums around Germany remain under strict restrictions due to the Coronavirus Pandemic as Government social distancing laws prohibit fans inside venues resulting in games being played behind closed doors. (Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Foto: Alex Grimm/Getty Images

FC-Coach Markus Gisdol dürfte die Grundordnung daher nicht großartig verändern, obwohl mit Ondrej Duda einer der wichtigsten Spieler der letzten Wochen wegen einer Sperre fehlt. Die Fünferkette dürfte bestehen bleiben, auch das zentrale defensive Mittelfeld um Ellyes Skhiri, Salih Özcan und Elvis Rexhbecaj dürfte erneut das Vertrauen bekommen. Offen ist, wen Gisdol seinem Offensivspieler Jan Thielmann an die Seite stellt: Die beiden Stürmer Anthony Modeste und Sebastian Andersson waren zuletzt nicht fit, ihre Spielerprofile würden auch eine leichte Abkehr von der Herangehensweise der vergangenen Spiele bedeuten. Beide sind eher Abschlussstürmer, die in vorderster Linie auf Bälle warten und sie sich nicht häufig im Mittelfeld abholen. Die nötige Ballsicherheit könnte daher Dominick Drexler bringen, der vom Profil her Duda am ähnlichsten sein dürfte. Auf diese Weise würde sich trotz der Sperre des Slowaken wenig ändern.

Punktet der FC vor Weihnachten nochmal?

Nach zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen zeigte sich Gisdol auf der Pressekonferenz sachlich und nüchtern. Er sagte: „Die Arbeit an sich ist die gleiche. Wir versuchen, konzentriert zu arbeiten, unabhängig von den letzten Ergebnissen.“ Dass der zuvor in die Kritik geratene Fußballlehrer aber durchaus froh ist, endlich wieder gepunktet zu haben, ist logisch – Gisdol spricht von einer Stimmungslage, die „befreiter“ sei als noch zuvor. „Das macht es leichter“, schob er nach.

Ob die kleine Serie und die positiven Eindrücke der letzten Spiele noch bis Weihnachten erhalten bleiben, werden die nächsten beiden Spiele zeigen – klar ist, dass der FC in beiden Spielen eigentlich unterlegen sein dürfte. Doch vielleicht gelingt es den „Geißböcken“ nochmal, eine besser besetzte Mannschaft zu ärgern: Mit zehn Punkten aus elf Spielen ist der FC zwar auf einem guten Weg, der Klassenerhalt fällt jedoch leichter, wenn gegen Ende der Saison nicht mehr so viel gepunktet werden muss. Vielleicht gelingt das ja schon gegen Florian Wirtz und dessen neuen Arbeitgeber.

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