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Interviews

Mitgliederratsvorsitzender Wettich im Interview: „Die beste Entscheidung für unseren Verein“

Vor der Mitgliederversammlung spricht Carsten Wettich, Vorsitzender des Mitgliederrats des 1. FC Köln, im Gespräch mit effzeh.com über die Wahl am Sonntag, das Kandidatentrio und die Kritik an der Entscheidung seines Gremiums, das beim 1. FC Köln die Aufgabe hat, ein Vorstandsteam zu nominieren.

Armin Veh, Carsten Wettich und Lionel Souque im Gespräch | Foto: effzeh.com

Sportliche Kompetenz scheint dabei im Anforderungsprofil keine allzu hohe Gewichtung gehabt zu haben. Um dieses Thema wird bei der Diskussion unter FC-Fans um die Entscheidung des Mitgliederrats heftig gestritten.

Natürlich wurde diese Frage im Mitgliederrat intensiv diskutiert. Wir haben uns auch angeschaut, wie es andere Vereine machen. Die halten es in dieser Frage übrigens sehr unterschiedlich. Im Endergebnis haben wir gesagt, dass es nicht zwingend notwendig ist, jemanden aus der Fußballbranche im Vorstand zu haben. Die sportlichen Entscheidungen werden sowieso im Grundsatz von der Geschäftsführung getroffen. Im Vorstand geht es also auch im Sport mehr um die Personalauswahl, um Strukturen, Beratung und um Kontrolle der Entscheidungen. Dafür muss jemand in der Lage sein, die richtigen Fragen zu stellen und die Themen zu analysieren. Für sinnvoll halten wir allerdings die Idee des designierten Vorstandsteams, sich durch das „Kompetenzteam Sport“ zusätzliche Beratung durch Fachleute mit Verbundenheit zum FC hereinzuholen, um mit der Geschäftsführung auf Augenhöhe diskutieren zu können.

Wie bewerten Sie die Arbeit des bisherigen Vorstands in den letzten sieben Jahren?

Die Entscheidung, ein neues Vorstandsteam vorzuschlagen bedeutet nicht, dass der Mitgliederrat alles schlecht sieht, was der alte Vorstand in den letzten sieben Jahren gemacht hat. Im Gegenteil: Werner Spinner hat den Verein zusammen mit Toni Schumacher und Markus Ritterbach im Jahr 2012 in einer schwierigen Situation übernommen und maßgeblichen Anteil an der wirtschaftlichen Konsolidierung gehabt. Es wurden gute Personalentscheidungen getroffen. Dafür gebührt den Dreien unser Dank.

Toni Schumacher bemängelte zuletzt in einem Interview, ihm seien seitens des Mitgliederrats keine Gründe für die Nichtnominierung genannt worden. Stimmt das?

Wir haben die drei Vorstände zu Beginn des Prozesses eingeladen, mit uns zu sprechen. Das wollten sie, wie vorhin gesagt, nicht. Auch weitere Gesprächsangebote des Mitgliederrates hat Toni Schumacher leider nicht angenommen. Am Ende gab es dann doch ein Gespräch der Findungskommission mit ihm. In dem Gespräch haben wir mit ihm offen über den Stand unseres Entscheidungsprozesses und die Gründe gesprochen. Da waren wir transparent. Ich möchte die Einzelheiten des Gesprächs aber intern belassen. Das gehört sich so.

„Selbst wenn wir gewollt hätten, hätten wir kein zweites Team vorschlagen dürfen.“

So mancher FC-Fan fragt sich nach der Entscheidung: Warum hat der Mitgliederrat nicht einfach zwei Teams nominiert?

Das ist einfach: Die Satzung des 1. FC Köln berechtigt und verpflichtet uns als Mitgliederrat, genau ein Vorstandsteam vorzuschlagen. Das heißt: Selbst wenn wir gewollt hätten, hätten wir kein zweites Team vorschlagen dürfen. Diese Einschränkung ist übrigens erst 2014 auf Wunsch des damaligen Vorstands und der Geschäftsführung in die Satzung aufgenommen worden. Man wollte ausschließen, dass es vor der Mitgliederversammlung über den Sommer hinweg Unruhe durch einen möglichen Wahlkampf gibt. Deshalb wurde diese Einschränkung eingeführt – und die Hürden für einen Alternativvorschlag der Mitglieder wurden ebenfalls auf Wunsch des alten Vorstandes hin deutlich erhöht.

Toni Schumacher steht nicht zur Wahl | Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images

Aber ist das denn überhaupt demokratisch, wenn nur ein Team zur Wahl steht? Warum sollten die Mitglieder nicht die Auswahl haben, ob sie lieber mit Werner Wolf einen Neustart wagen oder doch mit Toni Schumacher und Markus Ritterbach weitermachen wollen?

Dieser Einwand kommt immer dann, wenn jemand mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist – dann wird hinterfragt, ob das überhaupt demokratisch sei. Vor drei Jahren hat es niemanden interessiert, ob es demokratisch sei, wenn nur der seinerzeit bereits amtierende Vorstand um Werner Spinner zur Wahl steht. In der Sache ist der Prozess demokratisch. Wer sich das deutsche Politiksystem anschaut, wird feststellen, dass wir in einer repräsentativen Demokratie leben. Die Bundeskanzlerin wähle ich auch nicht direkt. Ich wähle den Bundestag, der dann entscheidet. Ähnlich verhält es sich beim FC: Der Mitgliederrat ist erst im vergangenen Jahr aus einer großen Auswahl von Bewerbern von der Mitgliederversammlung unmittelbar gewählt worden. Dieser unterbreitet am Sonntag den FC-Mitgliedern einen Wahlvorschlag für ein Vorstandsteam. Die Entscheidung treffen dann wiederum die Mitglieder. Das ist sogar noch mehr als beispielsweise bei der Wahl der Bundeskanzlerin.

Bei manchen Kritikern klingt durch, dass sie sich vom Mitgliederrat nicht (mehr) repräsentiert fühlen. Einige fühlen sich auf dem Weg zu dieser Entscheidung nicht richtig mitgenommen. Wie stehen Sie zu diesen Einwänden?

Ich bedaure das. Wir versuchen als Mitgliederrat natürlich, die Interessen aller Mitglieder zu repräsentieren. Wenn man sich den Mitgliederrat anschaut, sind wir heterogen zusammengesetzt, sowohl was Alter, Beruf, aber auch Fan-Dasein oder inhaltliche Schwerpunkte angeht. Damit bilden wir einen großen Teil der Mitgliedschaft ab. Wenn das einzelne anders sehen, ist das schade. Aber einzelne Meinungen bilden nicht die Mehrheit ab. Von Seiten des Mitgliederrates werden wir weiterhin versuchen, auf diese Kritiker zuzugehen. Wir haben daher nach der Wahl im letzten Jahr auch unsere Kommunikation umgestellt und sind präsenter, beispielsweise durch unsere Artikel auf den FC-Kanälen und unsere regelmäßigen und von den Mitgliedern gut angenommenen Mitgliederratsstammtische. Bei diesen Anlässen waren wir auch transparent hinsichtlich des Entscheidungsprozesses für das neue Vorstandsteam.

„Ein personeller Neustart, der sich auch in der Qualität der Zusammenarbeit niederschlagen wird.“

Auch wenn sie ihren Verzicht auf eine Kampfkandidatur bereits längst erklärt haben: Die Unterstützung für Toni Schumacher und Markus Ritterbach ist vonseiten einiger Fans weiterhin da. Ist das ein Problem für den Mitgliederrat?

Nein. Wir akzeptieren, dass es auch Mitglieder gibt, die den beiden Vizepräsidenten hinterhertrauern. Wichtig finde ich nur, dass jedes Mitglied Sonntag dem zur Wahl stehenden Vorstandsteam zuhört und eine Chance gibt. Wir sind überzeugt von unserem Team und sehr zuversichtlich, dass die drei um Werner Wolf die erforderliche Mehrheit erhalten werden. Es wäre natürlich schön, wenn es eine überzeugende Mehrheit wird.

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Sie haben die Uneinigkeit rund um den FC bereits angesprochen. Auch im Verein war zuletzt wenig Harmonie vorhanden, in der Zusammenarbeit zwischen Mitgliederrat und Vorstand knirschte es immer wieder gewaltig. Ist durch das Team um Werner Wolf ein Neustart in diesem Thema zu erwarten?

Ja. Wenn das Team von der Mitgliederversammlung gewählt wird, ist es ein personeller Neustart, der sich auch in der Qualität der Zusammenarbeit niederschlagen wird. So teilt das zur Wahl stehende Vorstandsteam unsere Position, dass der Mitgliederrat den Vorstand ganzheitlich berät und überwacht, also auch in seiner Funktion als Gesellschafter der KGaA. Für mich als Rechtsanwalt im Gesellschaftsrecht ist das eine Selbstverständlichkeit, über die der Mitgliederrat jedoch mit dem alten Vorstand jahrelang gestritten hat. Auch darüber hinaus bin ich zuversichtlich, dass künftig die Fähigkeiten und Erfahrungen, die im Mitgliederrat, aber auch in den anderen Gremien vorhanden sind, zum Wohle des Vereins genutzt werden. Das wünsche ich mir auch persönlich, weil es zermürbend ist, wenn man ehrenamtlich viel Freizeit für den FC opfert und sich dann über solche Dinge streitet.

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