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Mitgliederinitiative „100pro FC“: „Wir wollen vor dem Verkauf von Anteilen gefragt werden“

Die Mitgliederinitiative „100pro FC“ hat mit ihrem Vorstoß zur Satzungsänderung für Aufsehen gesorgt. effzeh.com spricht mit einem der Initiatoren.

Foto: 100% FC - Dein Verein

Die Mitgliederinitiative „100pro FC“ hat mit ihrem Vorstoß zur Satzungsänderung für Aufsehen gesorgt. effzeh.com spricht mit einem der Initiatoren.

Eine Mitgliederinitiative möchte auf der kommenden Mitgliederversammlung eine Satzungsänderung erwirken. Ihr erklärtes  Ziel: Die Satzung des 1. FC Köln dahingehend zu ändern, dass die Mitglieder in jedem Fall gefragt werden, wenn Anteile veräußert werden sollten. Aktuell sieht die Satzung vor, dass der Vorstand bis zu 24,9 Prozent Anteile verkaufen kann – ohne die Mitglieder des Vereins zu fragen. Das wollen die Initiatoren ändern.

Wir sprechen mit Philipp Herpel, einem der drei Antragsteller der Mitgliederinititative „100% FC – Dein Verein“. Seit fast einem Jahr arbeitet das Team an dem Antrag, der am Montag am Geißbockheim eingereicht wurde und über den auf der Mitgliederversammlung abgestimmt werden soll.

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Philipp, du bist Teil von „100proFC – Dein Verein“. Wer seid ihr und was ist euer Anliegen?

Wir sind alle Fans und Mitglieder des 1. FC Köln. Wir drei Antragsteller (Frank Schneeweiß, Frank Hauser und Philipp Herpel, Anm.d. Redaktion)  lernten uns bei den Südkurven-Stammtischen im Kölner Fanprojekt kennen. Dort gab es mehrere Diskussionsabende zu RB Leipzig und wir beschäftigten uns mit der Frage, was es für uns bedeutet, wenn RB Leipzig in die Bundesliga aufsteigt. Daraus entwickelte sich eine muntere Diskussion, auch darüber, wo wir mit dem 1. FC Köln anteilstechnisch stehen.

Dabei wurde uns aber auch klar, wie sehr Anteilsverkäufe bei Bundesliga-Vereinen in den letzten Jahren zugenommen haben. In der kommenden Saison ist der 1. FC Köln nur noch einer von sechs Vereinen – eingetragen oder ausgegliedert –, die noch keinen Anteil ihres Bundesliga-Fußballclubs verkauft haben. Dieses Ausmaß war mir vorher nicht bewusst.  Dass zum Beispiel Frankfurt inzwischen fast 40 Prozent der Anteile verkauft hat oder dass Augsburg fast zu 100 Prozent verkauft ist, ist den wenigsten Leuten klar.

Ausgangspunkt für unsere Initiative war also die Überlegung, ob es wirklich so ein Wettbewerbsvorteil ist, wenn wir Anteile verkaufen. Was bedeutet das? Wir müssen uns fragen: Wollen wir auch in dieses Wettrennen um Investition XY einsteigen, nur um Transfer A, B oder C zu tätigen? Haben sich nicht schon andere diesen vermeintlichen Wettbewerbsvorteil verschafft und haben sich trotzdem nicht an uns vorbei entwickelt?  Der HSV hat 15 Prozent verkauft und ich würde mich sträuben zu sagen, dass er damit auch nur einen Meter an uns vorbeigezogen wäre – ich denke in Betracht der Einbindung Kühnes, dass eher das Gegenteil passiert ist.

Was wollt ihr erreichen?

Der Blick auf unseren Verein hat gezeigt, dass, wenn wir heute Anteile verkaufen würden  – und das sehen wir ausdrücklich nicht als akutes Szenario –, würden wir Mitglieder nicht gefragt werden, ob wir mit einem solchen Verkauf, dem Käufer und Rahmenbedingungen einverstanden sind. Im Sinne einer demokratischen Satzung wäre dies aber zwingend erforderlich und mehr wollen wir eigentlich gar nicht. Die Mitglieder repräsentieren diesen Verein. Es darf nicht sein, dass an dem Verein / den Mitgliedern vorbei  – und da sind Paragraph 9 und 10 für mich maßgeblich – eine solche Entscheidung gefällt werden kann, die in der Regel unumkehrbar ist. Die wenigsten Konstrukte ermöglichen es, nach 10 Jahren aus einer solchen Geschichte sauber in einem finanziell verträglichen Rahmen rauszukommen. Das liegt in der Natur der Sache eines Anteilsverkaufs. Aktuell würden wir einfach nicht zwingend eingebunden werden und das möchten wir mit unserem Antrag auf Satzungsänderung ändern bzw. beheben.

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Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir mit unserem Antrag nicht gegen etwas oder den Vorstand sind. Ich möchte einfach, dass ich als Mitglied und somit auch „Miteigentümer“, schlicht und ergreifend gefragt werde. Dazu gehört auch, dass ich vorab über die Konditionen eines solchen Vertrages informiert werde, denn ich möchte ja auch eine qualifizierte Meinung dazu abgeben können. Die muss ich mir im Vorfeld bilden können.

Screenshot: 100profc.de

Seit wann besteht denn die aktuelle Satzung, die besagt, dass der Vorstand 24,9 Prozent der Anteile verkaufen kann, ohne Mitglieder fragen zu müssen?

Die Satzung wurde 2012 im Rahmen der Amtsübernahme des aktuellen Vorstands ins Leben gerufen. Die Satzungskommission hat genau diesen Part in der Satzung lassen müssen – und das ist kein Vorwurf. Der Verein musste sich damals mit dem Drohszenario einer Insolvenz auseinandersetzen. Der aktuelle Vorstand wusste damals einfach noch nicht, wo wir finanziell stehen und ob nicht innerhalb von wenigen Wochen eine Kapitalspritze gebraucht werden würde. Bevor der Verein dann den Gang in die vierte Liga antritt, wäre es besser gewesen, diesen Weg zu beschreiten, um so den FC zu retten. Doch jetzt, fünf Jahre später, ist die Ausgangslage eine gänzlich andere. Das hat weniger mit der Modeste-Ablöse oder dem Europapokal zu tun, sondern ist das Ergebnisdes soliden Managements, dass der FC betreibt.

Die Zeichen der Zeit haben sich also geändert und darum müssen wir die Satzung diesbezüglich jetzt angleichen?

Genau so ist es.

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Wie ist die Resonanz auf den Start der Kampagne?

Bereits am ersten Tag haben sich hunderte über den Newsletter angemeldet, auch in den sozialen Medien haben wir viele Follower bekommen, die großes Interesse an der Initiative zeigen. Geholfen hat sicherlich, dass Lukas Podolski in den sozialen Medien auch Stellung bezogen hat und unsere Seite und unser Anliegen prominent geteilt hat.

Warum geht ihr erst jetzt an den Verein heran?

Es war uns wichtig, dass man nicht mit einer unausgegorenen Idee an Vollprofis heranzugehen. Wir haben eine gute Idee, das ist die halbe Miete, was aber entscheidet ist die Umsetzung. Wir wollten uns im Vorfeld einfach gut aufstellen.

Gibt es schon eine Redaktion des Vorstandes?

Nein, aber ich bin sehr gespannt, wie die Reaktion des Vorstandes ausfallen wird, denn das ist neben dem Mitgliederrat und dem Gemeinsamen Ausschuss das maßgebliche Gremium für uns, das sich äußern sollte. Wir denken,dass Herr Wehrle sicherlich auch eine dezidierte Meinung haben wird. Er wird sich aufgrund seiner Anstellung über die KGaA „im Dienste des Vereins“ eigentlich eher neutral verhalten. So ist sicher auch seine unmittelbare Rückmeldung im Stadtanzeiger zu verstehen.

Was ist euer Ziel für die Mitgliederversammlung?

Es gilt bis zum September zwei Drittel der anwesenden und abstimmenden Mitglieder im Rahmen der Mitgliederversammlung zu überzeugen. Darum haben wir auch angeregt, dass es zu einer elektronischen Abstimmung kommt. Dann sieht man auf Knopfdruck, wie viele Leute abgestimmt haben und ob der Antrag verabschiedet wurde. Dann weiß man direkt Bescheid. Bei einer klassischen Auszählung wird das schwieriger. Ich gehe nicht von einem Start-Ziel-Sieg für uns aus, dafür ist das Thema zu komplex.

Ich plädiere aber dafür, dass sich jedes Mitglied die Zeit nimmt, sich unsere Homepage anschaut und darüber informiert, was wir im Sinne der Mitglieder und zum Wohle unseres Vereins erreichen wollen. Ich denke, wir handeln im Sinne aller Mitglieder und sehe die Argumente auf unserer Seite. Denn unser einfaches Anliegen ist es, jedem Mitglied in dieser wegweisenden Frage eine Stimme zu geben. Selbst der, der für den Verkauf von Anteilen ist, wird unsere Initiative unterstützen, wenn ihm nicht egal ist, an wen und zu welchen Konditionen der Verein Anteile verkaufen würde. Nur so kann sich ein Mitglied zu dem Thema einbringen. Bliebe es bei der jetzigen Satzung, entscheiden andere allein und die Mitglieder bleiben außen vor. Ich persönlich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass ein Mitglied dies befürwortet.

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Abschließende Worte?

So wie wir uns als Antragssteller gefunden haben, bin ich mir sicher, dass sich eine ausreichende Zahl an Mitgliedern finden wird, die im September wachen Geistes zur Mitgliederversammlung gehen werden. Mitglieder, die verstehen, dass es darum geht, sich zu informieren, sich einzubringen und den Verein im positiven Sinne und konstruktiv mitzugestalten.

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