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Geißbockheim

Mit einem Fan im Tor zum Derbysieg

Es ist nicht alltäglich, dass ein Bundesligaverein mit Jungs aus der eigenen Stadt Erfolge feiert. Beim effzeh freut sich momentan mit Thomas Kessler ein gebürtiger Kölner über das Rampenlicht.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Fußballfans sind von Natur aus Träumer. Man träumt von den ganz großen Erfolgen auf europäischer Ebene, dem Glanz und Gloria von Spielen gegen den FC Barcelona oder Real Madrid. Da dieses Vergnügen aber nur wenigen Klubs beschieden ist, muss mancher Fan kleineren Träumen hinterherhängen. Dass in der Mannschaft des geliebten Vereins Jungs aus der eigenen Stadt spielen, die bereits zu Jugendzeiten das Vereinstrikot trugen und deren Herz für den eigenen Verein schlägt, ist einer davon. Wenn diese Jungs dann auch noch im wichtigsten Derby gegen den Lokalrivalen zu den Helden avancieren, geht für viele Fans ein Traum in Erfüllung.

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Am Samstag traf Marcel Risse, ein gebürtiger Kölner, zum 2:1-Sieg des 1. FC Köln im Derby gegen Borussia Mönchengladbach. Ein echter kölsche Jung markiert gegen Gladbach das Siegtor: Normalerweise hätten Risse damit ganz allein alle Schlagzeilen gehört. Doch der eigentliche Held dieses Spiel war ein anderer. Thomas Kessler, seit vier Jahren die Nummer zwei in Köln, rückte aufgrund der Verletzung des etatmäßigen Stammkeepers Timo Horn (übrigens auch ein geborener Kölner) in die Startelf – zum ersten Mal seit dem Mai der vergangenen Saison, als Kessler zum Saisonabschluss gegen Dortmund als Belohnung für seine loyale Einstellung das Tor hüten durfte.

Seit 2002 spielt der 30-Jährige für den Verein, für den sein Herz schlägt, er unterschrieb 2007 seinen ersten Profivertrag. Nach zwei kurzen Unterbrechungen, in denen es den Torwart leihweise zu St. Pauli und Eintracht Frankfurt zog, ist er seit Sommer 2012 wieder im Verein. Damals begann der 1. FC Köln in der zweiten Liga den harten Weg der sportlichen und finanziellen Konsolidierung, der zwei Jahre später mit dem Aufstieg gekrönt wurde. Nach seiner Rückkehr kam Kessler insgesamt nur fünf Mal in Bundesligaspielen zum Einsatz.

Kessler: „Es gibt kaum schönere Tage“

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Im Derby gegen Mönchengladbach, in einer für den effzeh vollkommen anderen Zeit, feierte er allerdings einen mehr als gelungenen Einstand. Ohne großartig Nervosität zu zeigen, verhinderte er gleich zu Beginn des Spiels die frühe Führung der Gladbacher durch Thorgan Hazard, in der 78. Minute bewahrte er den 1. FC Köln durch einen starken Reflex gegen Fabian Johnson vor dem erneuten Rückstand. Damit ermöglichte er es erst seinem Kollegen Risse, in der Nachspielzeit das Siegtor zu erzielen – und seinem Verein und dessen Fans eine große Party.

Auf diesen Moment hatten nicht nur die Fans gewartet, da der letzte Derbysieg gegen den Rivalen vom Niederrhein bereits acht Jahre zurücklag. Kessler selbst sprach gegenüber der „Kölnischen Rundschau“ davon, dass es wohl „kaum schönere Tage“ gäbe, „als im Borussia-Park so einen Sieg zu feiern“. Natürlich war es für ihn ein ganz besonderes Ereignis, da er in den letzten Jahren hinter Timo Horn ohne zu klagen die Rolle der Nummer zwei ausfüllte. Im Gegensatz zu einigen anderen Ersatztorhütern ist Kessler jedoch außergewöhnlich professionell: Anstatt missmutig zum Training anzutreten und dem Kollegen etwas Schlechtes zu wünschen, bringt er sich im zwischenmenschlichen Bereich voll ein. Das ist zwar lange nicht so spektakulär wie eine Parade in einem Derby, sorgt aber langfristig dafür, dass es in der Mannschaft stimmt.

Hohe Akzeptanz im Team

Dies ist momentan ja beim 1. FC Köln zu beobachten, den Kessler bereits vor zwei Jahren im Interview mit effzeh.com als „so gut aufgestellt wie seit langem nicht“ bezeichnete. Sein Verhältnis zum aufstrebenden Torwart-Talent Horn beschrieb er als kollegial, ohne dass beide jedoch dickste Freunde wären. Denn schließlich bringt Kessler ja eigentlich auch alles mit, um selbst Stammkeeper zu sein. Für den 1. FC Köln ist er jedoch bereit, seine Rolle als zweiter Keeper zu akzeptieren und die geringe Zahl an Einsätzen in Kauf zu nehmen. Deswegen sehe er sich auch nicht als Ergänzungsspieler, sondern vielmehr als ein wichtiger Bestandteil des Vereins, der dann eben in anderen Belangen Leistung bringt.

Foto: Christof Koepsel/Getty Images

Foto: Christof Koepsel/Getty Images

Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass Kessler der erste Ansprechpartner für Neuzugänge ist, wenn es darum geht, die besten Seiten der Stadt zu entdecken. Aber auch sonst könnten seine Mannschaftskollegen „Tag und Nacht“ zu ihm kommen, „egal was ansteht, sportlich oder privat“, wie er im Gespräch mit der „Kölnischen Rundschau“ offenbarte. Natürlich sei es schwierig, auch ohne sportliche Leistungen von den Kollegen anerkannt zu werden – in der aktuellen #effzeh-Mannschaft des effzeh sei dies allerdings kein Problem, da diese ihn alle ernst nehmen würden. Seine hohe Akzeptanz im Mannschaftskreis zeigt sich folglich darin, dass er seit seiner Rückkehr zum Mannschaftsrat gehört und dementsprechend ein wichtiger Ansprechpartner für die sportlichen Entscheidungsträger ist.

Einer von uns im effzeh-Tor

[perfectpullquote align=“left“ cite=““ link=““ color=““ class=““ size=““]Den Dreijahresvertrag hat mir Jörg Schmadtke nicht gegeben, weil ich ein netter Kerl bin. Er weiß, dass ich auch mal einen Ball halten kann, wenn ich gefragt bin.[/perfectpullquote]

Im Interview mit vor zwei Jahren sagte Kessler: „Ich werde, solange man es zulässt, alles für diesen Verein geben“. Bis zum Jahreswechsel wird er die Möglichkeit bekommen, dies auch in sportlicher Hinsicht auszufüllen, da Timo Horn mit einer Knieverletzung ausfällt. Einen besseren Einstand hätte sich der 1,97-Meter-Hüne wohl kaum wünschen können, der aber trotzdem betont, nicht nur für das Mannschaftsklima zuständig zu sein. Nach dem Spiel betonte er, dass er immer noch sein Geld mit Profifußball verdiene und immer dann auf den Punkt fit sein müsse, wenn es von ihm verlangt werde. Von daher lässt es sich schon nachvollziehen, dass effzeh-Sportboss Jörg Schmadtke ihn im April noch mit einem Dreijahresvertrag ausstatte. „Den hat er mir nicht gegeben, weil ich ein netter Kerl bin. Er weiß, dass ich auch mal einen Ball halten kann, wenn ich gefragt bin. Das ist einfach mein Job – und ich bin froh, dass das geklappt hat.“

Nach dem Spiel in Mönchengladbach kann man schon besser verstehen, warum Stöger und Schmadtke ihm vollkommen vertrauen, da er nun auch endlich einmal der Mannschaft in sportlicher Hinsicht helfen konnte. Ansonsten ist es auch schwierig, das ewige Mantra vom „Gas geben“, „Gerne mit der Mannschaft zusammenarbeiten“ und „Auf den richtigen Moment warten“ dauerhaft und vor allen Dingen glaubhaft rüberzubringen. Für viele effzeh-Fans reicht es aber zu wissen, dass da einer von ihnen im Tor steht, der den Verein genauso liebt wie sie selbst. Das ist bei Timo Horn natürlich auch so, heißt aber nicht, dass man Thomas Kessler diesen Tag nicht gönnen darf.

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