Folge uns
.

Ehrentribüne

Millionen für einen Moment

Die Historie des 1. FC Köln ist reich an denkwürdigen Verletzungen, bestes Beispiel dafür sind der amtierende Vize-Präsident und ein humpelnder Artist aus Nigeria.

Ishiaku in einem lichten Moment | Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images
  • Der wandelnde Knochenbruch

Für seine mittlerweile 62 Jahre wirkt Toni Schumacher noch immer ziemlich fit. Kaum Übergewicht, noch immer kein allzu graues Haar. Viele Menschen, die kurz vor der Rente stehen, wirken da wesentlich kaputter. Doch am Körper der kölschen Legende ist sehr viel kaputt. Arthrose in den Händen, die Gelenke und Sehnen längst verschlissen. Joggen ist nicht mehr möglich.

Wenn sich der Vize-Präsident des 1. FC Köln heutzutage ein Spiel anschaut und sieht, für was Spieler verletzt ausgewechselt werden, dann muss er sich eigentlich denken: „Was für verdammte Pussies!“ Toni Schumacher hat kein vorderes Kreuzband mehr, er hatte während seiner Karriere in etwa 15 Knochenbrüche, gezählt hat er sie irgendwann nicht mehr, ein Spiel ausgesetzt hat er wegen ihnen auch nicht.

„Das hintere Kreuzband ist gerissen, das ist nie richtig gemacht worden. In der Folge wurde ich dort sechs Mal operiert und der Meniskus wurde geglättet. Am linken Knie hat man mich zweimal operiert, ebenfalls am Meniskus. Und natürlich taten mir die Finger immer weh. Ich habe mir Daumen und Finger gebrochen, ich hatte Kapsel- und Sehnenrisse. Fast jeder Finger ist in Mitleidenschaft gezogen“, offenbarte Schumacher einmal in einem Interview mit 11Freunde.

Im EM-Finale 1980 spielte Schumacher beispielsweise mit einem Mittelhandbruch, die zahlreichen Medikamente, die er schluckte, machten es möglich. Der Tünn war zeit seiner Karriere eigentlich eine wandelnde Verletzung auf zwei Beinen. Seine Schmerzen blendete er dank autogenem Training aus. Wenn ein effzeh-Spieler also nicht sicher ist, ob er wegen einer Verletzung spielen kann, sollte er mal beim eigenen Vize-Präsidenten fragen. Der hat sicher einen Rat.

Auch interessant
Blamage in Beckum: Das Aus für den 1. FC Köln – und für Morten Olsen
  • Die Krankheiten der Nase

Hannes Löhr war gar nicht so häufig verletzt, so richtig Glück hatte de Nas während seiner Profikarriere aber nicht. Wann immer es eine Krankheit gab, die noch kein Fußballprofi zuvor hatte, handelte Löhr sie sich ein. Man hätte meinen können, dass sich die Nase ständig im Dschungel oder an anderen gefährlichen Orten herumgetrieben hätte.

So erkrankte der gläubige Katholik unter anderem an Tuberkulose und einer schweren Blutvergiftung, auch eine schwerwiegende Lebererkrankung zwang Löhr lange Zeit zur Pause. Trotz allem ist Löhr bis heute Rekordtorschütze des 1. FC Köln und war Teil der legendären Double-Mannschaft. Auch seine Krankheitsakte sah Löhr eher positiv und betonte: „Ich war doch kein Pechvogel, sondern eher ein Glückspilz, weil ich alles so schnell überwand.“

Auch nach der Karriere suchten die Krankheiten Löhr heim. Im Februar dieses Jahres starb die Legende, obwohl sie nach einer Lungenentzündung sowie einem Schlaganfall schon wieder auf dem Weg der Besserung war. Bis zum Schluss war er ein Kämpfer auf und außerhalb des Platzes.

  • Der verdammte Ischias!

Hannes Löhr legte trotz seiner zahlreichen Krankheiten eine beeindruckende Karriere hin. Einer seiner ehemaligen Teamkollegen beim effzeh war dagegen beinahe noch mehr vom Pech verfolgt. So ist Herbert Zimmermann heute trotz seines großen fußballerischen Könnens eher einer der vergessenen Helden des 1. FC Köln.[perfectpullquote align=“right“ cite=““ link=““ color=““ class=““ size=““]Das alles verwunderte aufgrund der Tatsache, dass die meisten Fans nicht einmal fassen konnten, dass Ishiaku überhaupt auf zwei Beinen über den Platz lief.[/perfectpullquote]

Das liegt vor allen Dingen an der großen Verletzungsanfälligkeit von Zimbo, der zwischen 1974 und 1984 für den effzeh aktiv war, dabei aber trotz seines Ausnahmekönnens nur gut die Hälfte aller Pflichtspiele bestritt. Dabei liest sich die Verletzungsakte von Zimmermann eher wie die eines alternden Rentners. So waren es immer wieder Rückenprobleme, die den Außenspieler zurückwarfen.

Die wohl bitterste seiner zahlreichen Verletzungen zog sich Zimmermann aber einen Tag vor dem Eröffnungsspiel der Europameisterschaft 1980 zu. Der effzeh-Star war fest als Stammkraft eingeplant, klemmte sich aber kurz vor dem ersten Duell den Ischiasnerv ein. Auch das eine Verletzung, die man nur selten mit Fußballspielern in Verbindung bringt.

So musste Zimmermann auf der Bank Platz nehmen und tatenlos verfolgen, wie Deutschland sich zum Europameister kürte. Ein bittersüßer Titel, der die Karriere von Zimmermann wohl hinlänglich beschreibt.

  • Der humpelnde Artist

Es soll Menschen auf dieser Welt geben, die Geld für Sex bezahlen. Haben wir mal vom Freund eines Freundes gehört. Für einen Höhepunkt kann man(n) schon einmal viel bezahlen je nach Klasse der Dienstleistung. So viel Geld, wie der effzeh anno 2008 für einen einzigen Moment der Ekstase ausgab, wird aber wohl keine der eben beschriebenen Damen verdienen.

Der Prinz und der Artist | Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Der Prinz und der Artist | Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

2,5 Millionen Euro gab der 1. FC Köln unter Christoph Daum und Michael Meier für Manasseh Ishiaku aus und das alles für einen 90 Minuten andauernden Höhepunkt, als der Nigerianer den effzeh im September 2009 mit einem Doppelpack gegen den VfL Wolfsburg im DFB-Pokal eine Runde weiter schoss. Nach seinen beiden Treffern zog der bullige Stürmer eine beinahe einzigartige Zirkus-Show ab, überschlug sich beim Jubel mehrfach und erinnerte an einen 1,85 Meter großen Artisten.

Das alles verwunderte nicht nur aufgrund der Statur der Sturmkante, sondern vor allem aufgrund der Tatsache, dass die meisten Fans nicht einmal fassen konnten, dass Ishiaku überhaupt auf zwei Beinen über den Platz lief. Im gesamten Jahr zuvor war nämlich vor allem eines: verletzt. Seit der Verpflichtung plagte sich Ishiaku mit Schmerzen rum, konnte nur selten trainieren, auch in seinen wenigen Einsätzen wirkte er nicht fit.

So musste er nach seiner Verpflichtung 2008 fast die komplette Hinrunde aussetzen. Vor dem besagten Moment des Höhepunkts hatte Ishiaku gerade einmal zwei Spiele über 90 Minuten bestritten. In einem Jahr beim effzeh. Kurz vor dem Pokalspiel gegen Wolfsburg war er sogar suspendiert. Der Pokal-Doppelpack brachte kurz Auftrieb, der Nigerianer bestritt ein paar Spiele, ehe er wieder mit Knieproblemen ausfiel, oder mit einer Adduktorenverletzung oder den guten alten Problemen am Sprunggelenk. Auf die Beine kam er nicht mehr, mit 31 Jahren beendete Ishiaku seine Karriere.

Den ersten Teil der denkwürdigsten Verletzungen der effzeh-Historie verpasst? Den gab es bereits gestern und er ist hier zu lesen

Mehr aus Ehrentribüne

.