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Aus Kiel zieht es Markus Anfang zum 1. FC Köln – der Shootingstar unter den Trainern übernimmt beim effzeh die Nachfolge von Stefan Ruthenbeck. Wir haben uns bei einem Holstein-Fan umgehört, was der Neue denn so kann.

Am Dienstagmittag vermeldete der 1. FC Köln den wenig überraschenden Vollzug: Markus Anfang, derzeit noch bei Holstein Kiel unter Vertrag, übernimmt zur kommenden Saison den Trainerposten bei den „Geißböcken“. Eine siebenstellige Ablösesumme soll der effzeh den Vernehmen nach in den hohen Norden überwiesen haben. Doch wer wird in der nächsten Spielzeit das sportliche Gesicht der Kölner prägen? Wir sprechen mit Kiel-Fan Pike, der seit 2016 zusammen mit seinem Bruder Marc und dem gemeinsamen Kumpel Matthias den wöchentlichen Holstein-Podcast 1912fm betreibt, über Markus Anfang, die Verkündung des Wechsels mitten im Aufstiegsrennen und die sportliche Entwicklung unter dem ehemaligen Bundesliga-Profi.

>>> Aus Kiel an den Rhein: Markus Anfang übernimmt das Ruder beim 1. FC Köln

Lange gerüchtete Markus Anfangs Wechsel nach Köln in der Presse herum, jetzt ist er fix. Bist du froh, dass die Spekulationen ein Ende haben?

Jeder konnte sich denken, dass dieser Wechsel kommt. Im Kieler Umfeld war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es öffentlich gemacht wird. Im Winter kamen die ersten Gerüchte auf – und wer eins und eins zusammenzählen konnte, der wusste, das es sehr wahrscheinlich so kommt. Also: Ja, ich bin schon froh, dass man nicht jeden Tag wieder neue News über Markus Anfang lesen muss.

Markus Anfang

Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images

Einige Spieler sind erleichtert, dass die Diskussionen nun vorbei sind – glaubst du, das Wechseltheater hat die Mannschaft in irgendeiner Form belastet?

Wenn man das Spiel gegen Dresden gesehen hat, muss man davon ausgehen, dass es nicht so ist. Ich glaube auch, dass Anfang da relativ offen mit den Spielern geredet hat und hinter den Kulissen die Leute es schon länger wissen oder es unausgesprochen klar war. Da bei Holstein aber wirklich sehr intern gearbeitet wird und man kaum was an die Öffentlichkeit trägt, was dort nicht hingehört, ist es schwer einzuschätzen. Wenn man mich fragt, wirft es unsere Truppe nicht aus der Bahn und hat es bisher auch nicht.

Ich glaube die wenigsten Menschen, die ein wenig Fußballsachverstand haben, können diesen Schritt nicht nachvollziehen. Wenn dann Köln anklopft – seine Heimat, der Ort, an dem seine Familie lebt, und ein Verein, der eine riesige Strahlkraft in Deutschland hat – ist es absolut verständlich, dass er sich diese Chance nicht entgehen lässt.

Vom möglichen Aufsteiger Kiel zum wahrscheinlichen Absteiger Köln: Kannst du den Wechsel als Holstein-Fan trotzdem nachvollziehen?

Absolut! Ich glaube die wenigsten Menschen, die ein wenig Fußballsachverstand haben, können diesen Schritt nicht nachvollziehen. Markus Anfang ist ein absoluter Senkrechtstarter im Fußball und wohl DER Trainer der Stunde. Holstein Kiel war seine erste Profistation, wo er direkt den Aufstieg in die 2. Liga schafft, was dort 36 Jahre zuvor nicht geklappt hat. In der zweiten Saison wird direkt wieder um den Aufstieg gespielt – da ist es doch ganz klar, dass Markus Anfang großes Interesse weckt. Wenn dann Köln anklopft – seine Heimat, der Ort, an dem seine Familie lebt, und ein Verein, der eine riesige Strahlkraft in Deutschland hat – ist es doch absolut verständlich, dass er sich diese Chance nicht entgehen lässt. Köln ist der nächste logische Schritt in seiner jungen Trainerlaufbahn.

>>> Kommentar zur Anfang-Verpflichtung: Den Resetknopf begrüßenswert frühzeitig gedrückt

Was für einen Trainer bekommen wir da überhaupt? Seit Markus Anfang bei Euch übernommen hat, geht es eigentlich nur steil bergauf für Holstein. Ist er der Erfolgsgarant in Kiel?

Ganz klares Jein. Natürlich kam mit Markus Anfang der Erfolg in der 3. Liga und jetzt auch in der 2. Bundesliga. Er hat unsere Spielausrichtung geändert, seine Spielidee durchgesetzt und jeder Spieler zeigt unter ihm absolute Topleistung. Man muss aber auch immer unseren Ex-Trainer Karsten Neitzel erwähnen, ohne ihn wären Spieler wie Drexler, Peitz, Mühling, Czichos, Schmidt usw. vielleicht niemals in Kiel gelandet – das sind alles aktuelle Leistungsträger. Was ich sagen will: Markus Anfang hat wirklich einen extrem guten Kader vorgefunden, das war definitiv eine Erleichterung für ihn. Er hat aber wie gesagt alles aus dem Kader rausgeholt, was möglich ist. Wir spielen extrem guten Fußball, jeder Spieler findet in dem System seine Rolle und seine Aufgaben.

ROSTOCK, GERMANY - DECEMBER 03: Head coach Markus Anfang of Kiel gestures during the third league match between FC Hansa Rostock and Holstein Kiel at Ostseestadion on December 3, 2016 in Rostock, Germany. (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Für all die Leser bei uns, die mit der 2. Liga und eurem Club etwas fremdeln: Wie spielt Holstein unter ihm? Welches System bevorzugt er? Wie lässt er Kiel agieren?

Markus Anfang lässt überwiegend ein 4-1-4-1-System Spielen. Spielaufbau ist ihm extrem wichtig, unser Torwart macht kaum Abschläge sondern sucht immer den Spielaufbau über die Abwehr, ebenso wie ein gutes Offensivspiel. Normalerweise spielt Holstein Kiel sehr auf Ballbesitz, baut das Spiel ruhig auf, um die Lücke zu finden, und schaltet dann extrem schnell um. Jeder Spieler ist defensiv gefordert bei Anfang, selbst ein Marvin Ducksch muss nach hinten mitarbeiten. Man kann aber ohne Bedenken sagen, dass Holstein wohl noch nie so schön gespielt hat wie derzeit unter Markus Anfang. Etwas negativ ist mir aufgefallen, dass er kaum einen Plan B hat – beziehungsweise immer den gleichen. Wenn es mal nicht läuft, wird Peitz von der Sechs in den Sturm gestellt und auf einen Lucky Punch gehofft. Da muss er definitiv noch an sich arbeiten!

Markus Anfang arbeitet ruhig und akribisch. Ich bin allerdings gespannt, wie er in Köln mit der Medienwelt klar kommt – eine BILD-Zeitung oder den Express, das gibt es alles in Kiel nicht. Hier konnte sich Anfang voll auf seine Arbeit und die Mannschaft konzentrieren.

Was ist er für ein Typ an der Seitenlinie, wie verhält er sich außerhalb des Stadions?

Laut, aber konzentriert. Er tauscht gerne mal Nettigkeiten mit anderen Trainern oder den Offiziellen aus 😉 Fällt aber nie wirklich negativ auf, auf die Tribüne wurde er jedenfalls noch nicht befördert. Er kommuniziert viel mit der Mannschaft und behält immer die Taktik des Gegners im Auge. Außerhalb des Stadions bekommt man kaum was von ihm mit. Markus Anfang arbeitet ruhig und akribisch. Ich bin allerdings gespannt, wie er in Köln mit der Medienwelt klar kommt, eine BILD-Zeitung oder den Express, das gibt es alles in Kiel nicht 🙂 Hier konnte sich Anfang voll auf seine Arbeit und die Mannschaft konzentrieren.

>>> effzeh-Live: „Alles geben, um das wieder auszubügeln“ – Höger bleibt beim 1. FC Köln

Am Ende könnte Markus Anfang eine Liga unter Holstein enden. Wäre da bei dir ein wenig Schadenfreude vorhanden?

Definitiv nein. Ich gönne Markus Anfang den Schritt zum 1. FC Köln, er hat es sich verdient. Sollte Kiel wirklich aufsteigen, dann ist es zwar von der Liga her ein Rückschritt, aber in allen anderen Belangen ein großer Schritt nach vorne. In diesem Sinne: Alles gute Markus Anfang und danke für diese unbeschreibliche Zeit! Und an die Kölner: Ich glaube und hoffe, dass ihr viel Spaß mit ihm haben werdet!

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