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Marcel Risse verlässt den 1. FC Köln: Der Moment, in dem „Cello“ unsterblich wurde

Nach sieben Jahren beim 1. FC Köln wechselt Marcel Risse per Leihe Rheinseite und Club. Der Mittelfeldspieler schnürt die Schuhe in Zukunft für Viktoria Köln – den FC-Fans wird „Cello“ aber definitiv in Erinnerung bleiben.

Es gibt Spieler, die mit einem einzigen Tor zu Legenden werden. Zu Helden unserer Zeit. Moderne Gladiatoren, die mit einem Geniestreich Momente erschaffen, die zehntausende Menschen begeistern. Ein Tor und so viele Emotionen. Marcel Risse ist genau das gelungen. Für die Fans des 1. FC Köln wird er für immer einen Platz in ihren Herzen haben.

Es läuft die 90. Spielminute. Derbyzeit. Es steht 1:1 zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC, als Marcel Risse unsterblich wird. Die Nummer 7 des 1. FC Köln hat drei Meter Anlauf genommen. Der Ball liegt etwa 30 Meter vor dem Tor von Gladbach-Keeper Yann Sommer, Salih Özcan hat die Stollen auf der Kugel. Die Zwei-Mann-Mauer der Gladbacher zeigt bereits Auflösungserscheinungen. Risse wird aus dieser Entfernung ohnehin flanken. Anthony Modeste lauert an der Strafraumkante. Der Stürmer hat bereits den Ausgleichstreffer für die Stöger-Elf erzielt. Auf ihn wird der Ball kommen. Oder?

Auch für alle neutralen Fans: das „Tor des Jahres“

Risse flankt nicht. Er denkt gar nicht dran. Der Freistoßspezialist schaut, atmet ein letztes Mal aus und senkt den Oberkörper. Die Lippen hat er aufeinandergepresst, ohne zu atmen, volle Konzentration auf diesen einen Schuss, auf diese letzte Chance im Spiel, läuft er an. Gleichzeitig lässt Salih Özcan den Ball ganz sanft nach vorne rollen. Risse rauscht heran, dem anrückenden Gladbacher Verteidiger fehlt die letzte Konsequenz. Marcel Risse trifft den Ball perfekt. Er rutscht über den Spann, dreht sich deshalb leicht in Richtung langes Eck, senkt sich erst als er bereits über dem drei Meter vor dem Tor stehenden Yann Sommer ist und schlägt ein im Winkel des Gladbacher Tors. Totale Ekstase. Gänsehaut in jeder Faser jedes kölschen Beobachters. Derbysieger. Marcel Risse – Fußballgott.

Marcel Risse bejubelt ein Tor gegen Bochum im Jahr 2014 | Foto: Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images

Der Treffer wird später von den Zuschauern der ARD-Sportschau zum Tor des Jahres 2016 gewählt. Risse hatte erst drei Wochen zuvor aus ähnlicher Position im Pokal gegen Hoffenheim getroffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er dieses Kunststück wiederholen würde: nahe null. Doch es ist eben dieses sensationelle Fußballjahr. Es ist die Saison, an deren Ende der 1. FC Köln auf Rang 5 der Bundesliga einlaufen wird. Es ist Peter Stögers Meisterstück. Am 11. Spieltag genau dieser Saison, einem 19. November, trifft Marcel Risse auch diesen Ball erneut so perfekt, wie er es manchmal im Training zeigt.

Ausgebildet bei Bayer Leverkusen

Drei Jahre zuvor war der gebürtige Kölner, ausgebildet jedoch bei Bayer Leverkusen, vom FSV Mainz 05 für 700.000 € nach Köln gewechselt. Doch diese Saison sollte endgültig seine werden. Risse ist bei Coach Peter Stöger im rechten Mittelfeld gesetzt. Nur gegen Bayern München läuft er als Rechtsverteidiger auf. In den ersten 13 Spielen der Bundesliga-Saison steht Risse immer in der Startelf, er wird in den ersten 12 Partien nicht ein einziges Mal ausgewechselt. Das Tor gegen Gladbach ist erst sein zweiter Treffer im laufenden Wettbewerb, doch Risse ist wichtig. Er macht die Läufe, auf die es ankommt, bringt eine Flanke nach der nächsten vor das Tor des Gegners. Er ist ein Stützpfeiler dieser Mannschaft.

Und in diesem Spiel am 11 .Spieltag wird der 1989 geborene Mittelfeldspieler für die Fans des 1.FC Köln eine lebende Legende. Der Mann, der das Derby in Gladbach für den effzeh entschied. Der Mann für die wirklich entscheidenden Tore. Für viele Kölner ist die Saison bereits zu diesem Zeitpunkt eine großartige Saison. 21 Punkte nach 11 Spielen. Der Blick geht nach oben, nicht nach unten. Und dann gewinnt der 1. FC Köln eben auch noch in Gladbach. Mit so einem geilen Tor. In der Nachspielzeit. Leck mich en de Täsch. Wäre nicht gekommen, was noch kommen sollte, es wäre vermutlich der Moment der Saison gewesen.

Wenig später folgt der Verletzungsschock

Doch die Geschichte des Marcel Risse in dieser Spielzeit 2016/2017 geht weiter. Und sie ist symbolisch für die Karriere des Freistoßspezialisten. Denn nur zwei Spieltage nach seinem Sensationstor wird sich Risse schwer verletzen. In einem Zweikampf mit Hoffenheims Andrej Kramaric reißt das vordere Kreuzband im rechten Knie.

Kurz darauf wird er operiert werden und für den Rest der Saison ausfallen. Es ist nicht seine erste Verletzung dieser Art. Die sensationelle Kölner Qualifikation für den Europapokal, den Treffer von Yuya Osako, erlebt der Fußballer Marcel Risse nicht auf dem Platz. Und auch die folgende Saison macht ihm das Knie weiter zu schaffen. Tatsächlich wird er am legendären Tag des Auswärtsspiels bei Arsenal in der Startelf stehen – und nach 26 Minuten ausgewechselt werden. Das Knie. Diesmal der Meniskus.

Es wird nie wieder so sein, wie es war

Einige Wochen später spielt er wieder. Fast anderthalb Jahre ist die Kreuzband-Verletzung mittlerweile her. Und Risse wird sagen: „Es gibt natürlich Situationen, in denen ich das Knie merke. Aber ich habe mich damit arrangiert. So, wie es jetzt ist, ist es in Ordnung. Ich kann jeden Tag auf dem Trainingsplatz stehen und Fußball spielen. Das ist es, was ich wieder erreichen wollte.“ Seine körperliche Verfassung ist gut, sie ist stabil. Marcel Risse spielt weiter professionell Fußball. Bundesliga-Fußball. Und doch wird er nie wieder sein altes Leistungsvermögen erreichen. Es wird nie wieder so sein, wie es war. Trotzdem kann der Mittelfeldspieler mithalten. Er entscheidet sich auch für den harten Weg in Liga 2, tritt ein in den Club der Ehrenmänner, bleibt dem 1. FC Köln auch im Unterhaus treu. In der vergangenen Bundesligasaison wird er es dann auf sechs Einsätze und zwei Vorlagen bringen. Für die Fans des FC ändert das rein gar nichts. Marcel Risse ist und bleibt ein Ehrenmann, eine Legende, ein Name, der uns Gänsehaut bereitet.

Danke, Marcel Risse.

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