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Nachspiel

Limes – Grenzwertig

In der 2. Liga reicht mehr Ballbesitz und der Wille nicht aus. Man muss auch clever auf den Fehler warten und hinten sicher stehen. Vor allem keine Fehler machen.

© effzeh.com

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Grenzwertig war die Vorstellung des effzeh in Aalen. In Aalen gibt es aber noch mehr grenzwertige Dinge. Den Limes zum Beispiel, der römische Grenzwall, der das kultivierte römische Reich von den wilden Germanen abgrenzen sollte. In der Aalener Scholz-Arena gibt es auch einen solchen Limes. Nein, kein akoholhaltiges Getränk, eher im Gegenteil.  Der kleine kultivierte Gästebereich wird nicht durch Alkohol verseucht, alkoholhaltige Getränke gibt es nur im Heimbereich. Auch wenn ein Verkaufsstand sowohl Gäste- wie Heimbereich bewirtschaftet. So konnten sich die zahlreich und elanvoll mitgereisten effzeh-Fans den kraftlosen Auftritt ihrer Mannschaft noch nicht mal schön saufen. Auch das ist grenzwertig.

Ausgangslage:

Das 4. Spiel in 14 Tagen stand an. Das schlaucht ungemein, sollte man meinen. Aber die Jungs sollen noch mal an ihre Grenze gehen, hat der Trainer vorab gefordert. Schließlich hat man auch die letzten 6 Pflichtspiele gewonnen, die Serie soll doch bitte Bestand haben. Personell liegt nichts im Argen, alle sind an Bord. Da aber Ishak und Przybylko bei der U21 Praxis sammeln, rückt zum Beispiel Tese in den Kader. Hector darf sogar von Anfang an ran, als dritter Sechser. Also tritt man hier in Aalen mit dem eher defensiv ausgerichteten „Tannenbaum“ auf. Angereist ist man, wie immer bei etwas längeren Reisen, einen Tag vorher, so dass die Akklimatisation Ostalbkreis nicht schwer fallen sollte.

Spielverlauf

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Zunächst bemerkt man nicht, dass der effzeh besonders defensiv ausgerichtet ist. Von Anfang an übernimmt man Ballbesitz und Verantwortung. Trotzdem kommt Aalen zu den ersten beiden Mini-Chancen. Die größte Chance der Anfangsphase hat aber Jonas Hector, dessen abgefälschter Schuss in der 5. Minute nur knapp das Gehäuse von Fejzic verpasst. Insgesamt ist Aalen das etwas bessere von 2 eher schlechten Zweitligateams, obwohl unsere Jungs mehr Ballbesitz haben. Der effzeh tut sich sehr schwer im Spielaufbau, Aalen steht kompakt und wartet auf den Fehler, gewinnt aber auch mehr Zweikämpfe. Bisher ist der aber noch nicht gekommen. Nach 3 mittelmäßigen Chancen der Kölner verliert Jonas Hector etwas unglücklich, aber auch foulverdächtig, den Ball an der Mittellinie. Zum ersten Mal spielt Aalen das gefürchtete Umschaltspiel jetzt konsequent zu Ende. Über außen scharf in die Mitte, Maroh kann nur kurz abwehren und Dausch trifft aus ca. 15 Metern halbrechts in den Winkel. Unhaltbar.

In der zweiten Halbzeit zieht sich Aalen noch weiter zurück. Der effzeh tut sich noch schwerer in der Spieleröffnung. Vor allem fehlt es an der Genauigkeit, insbesondere beim letzten Pass. Wenn man schon mal zur Grundlinie durchkommt, wird der Ball regelmäßig dem Gegner in die Füße gespielt. Folgerichtig wartet Aalen weiter bis sich die Kölner müde gelaufen haben. In der 77. Minute ist es dann so weit. Ein Flankenlauf der Aalener über deren rechte Seite, maßgenaue Flanke auf den völlig frei stehenden Cidimar der keine Mühe hat einzunicken. Das Spiel ist gelaufen.

Fazit

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Die Mannschaft schafft es nicht aus ihrem System auszubrechen. Defensiv stehen und auf den Fehler warten, wird nicht funktionieren. Vor allem hapert es dann meist am schnellen umschalten. Oft geht der zweite oder dritte Pass wieder rückwärts. Heute wurde kein Konter konsequent oder mit Mut zu Ende gespielt. Allerdings ist auch das „Possessionplay“ nicht ertragreich genug. Zu wenig Bewegung, zu wenig Spielwitz. Was man der Mannschaft nicht absprechen kann, ist der Wille. Das hat man heute jedem Spieler angemerkt und angesehen. Man hat mehr gewollt, in manchen Szenen auch zu viel, in anderen wieder zu wenig. Aber genau das ist das Problem einer so jungen Mannschaft, die Konstanz, das Wissen wann welche Aktion am vielversprechendsten ist. Und es ist keiner dabei, dem man absprechen kann es jemals zu kapieren. Jetzt haben die Jungs ein Auswärtsspiel in Stuttgart in der nächsten Pokalrunde zugelost bekommen, eine weitere Großchance zu lernen. Und letztendlich können sie froh sein, dass das von Stani geforderte Heimspiel nicht zustande kam. In Stuttgart ist die Außenseiterchance statistisch gesehen ertragreicher als zu Hause gegen den VfB.

Spieler im Fokus

Jonas Hector – eine sehr engagierte Vorstellung, heute der beste Sechser im Team, beim ersten Gegentor unglücklich

Adil Chihi – sehr unglücklich, im Gegensatz zu vorher hat sich aber seine Körpersprache geändert, heute war ihm der Wille anzumerken, trotzdem einer der schlechteren auf dem Platz

Anthony Ujah – nach wie vor ein großer Unruheherd in der Spitze, arbeitet auch gut nach hinten

 

Stimmen zum Spiel  (folgen in Kürze)

Nachdem der Reporter fragte, ob er beim Pokalspiel in Worms ansetzen dürfe, um das Spiel von heute zu analysieren, fiel Stani ihm ins Wort: „Dann musst du aber auch die anderen 8 guten Spiele erklären. So ist die Frage für den Arsch!“ Gut gelaunt ging es also zur Pressekonferenz.

Holger Stanislawksi: Glückwunsch an Aalen, hochverdienter Sieg. Nach dieser Leistung fehlen mir etwas die Worte. Wir haben alles das, worauf wir hingewiesen haben, Zweikampfführung etc. vermissen lassen, wir haben ganz schlecht verteidigt, sind mit dem Ball gelaufen statt zu passen, wir haben nicht mutig eröffnet. Dementsprechend haben wir verdient verloren und werden jetzt eine hochinteressante Woche haben, in der wir uns 2 x tgl. treffen. Morgen werden wir erst mal das Spiel analysieren, damit wir das, was wir zwar schon trainiert haben, aber heute auf einmal wie weggeblasen war, uns wieder erarbeiten können.

Christian Eichner: Eigentlich haben wir eine relativ gute Basis gelegt die letzten Wochen. Das ist jetzt schwierig für mich zu erklären, warum wir dieses Spiel nicht als Chance wahrgenommen haben hier Punkte mitzunehmen. Das alles Entscheidende war, dass wir es in der ersten Halbzeit nicht geschafft haben, die Zweikämpfe zu gewinnen und dann schnell nach vorne zu spielen, so wie wir es zum Beispiel in Paderborn gezeigt haben. Den Blick auf die Tabelle habe ich mir seit Wochen abgewöhnt. Ich schau von Woche zu Woche, ich will einfach Stabilität reinbekommen, sowohl in mein Spiel als auch das in der Mannschaft.

Matthias Lehmann: Da gibts nicht viel zu erklären. Das war grottenschlecht und beschämend. (Auf Nachfrage) Mag sein, dass wir gut reingekommen sind. Es war eigentlich so wie erwartet, dass Aalen viele lange Bälle schlägt, dass wir den zweiten Ball haben wollten.. ich weiß auch gar nicht wann das erste Tor gefallen ist, das kam so aus dem Nichts, und dann musst du wieder einem Tor hinterherlaufen, wir haben dann aber auch gar nicht ins Spiel gefunden, keine Passgenauigkeit, keine Ballstafetten, deswegen einfach beschämend und grottenschlecht. Da müssen wir uns alle an die eigene Nase packen. Wir haben diese Woche viel zu tun, dass wir an die Leistung vom Heimspiel gegen Kaiserslautern anknüpfen können.

 

1. FC Köln: Horn – Eichner, Wimmer, Maroh, Brecko – Hector (67. Tese), Lehmann, Strobl (46. Royer) – Chihi (81. Mc Kenna), Ujah, Clemens

VfR Aalen: Fejzic – Buballa, B. Hübner (46. Kister), Barth, Traut – Junglas, Leandro – Dausch (69. Lechleiter), Valentini, Klauß (87. A. Hofmann) – Cidimar

Zuschauer: 10.091

Tore: 1:0 Dausch (31.), 2:0 Cidimar (77.)

Gelbe Karten: Hübner, Fejzic – Lehmann

Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)

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