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Lebenswege beim 1. FC Köln: Hermann Knöppel – „Geh‘ rein und kümmer‘ Dich um den Breitner!“

Wie ergeht es ehemaligen Jugendspielern des 1. FC Köln, die den Sprung zu den Profis nicht geschafft haben? effzeh.com-Autor Kurt Ludwigs traf Hermann Knöppel, der 17 Jahre lang und in etwa 500 Spielen für den 1. FC Köln aktiv war.

Hermann Knöppel in Aktion | Foto: privat

Schiedsrichter Dieter Pauly hatte die Partie erst vor wenigen Minuten angepfiffen und doch setzte der BVB schon jetzt alles daran zu zeigen, wer Herr im heimischen Westfalenstadion ist. Stimmgewaltig unterstützt von den meisten der 33.000 Fußballfans, die an diesem 30. Mai 1981 das weite Stadionrund füllten und angetrieben von Offensivverteidiger Lothar Huber und Mittelfeldmotor Mirko Votava starteten die Dortmunder einige vielversprechende Angriffe in Richtung gegnerisches Tor.

Der Sekundenzeiger war gerade dabei, die zwölfte Runde auf der Uhr zu vollenden, als ein dunkelhaariger Spieler mit der Rückennummer 4 auf seinem weißen Trikot einen Zweikampf im Mittelfeld gewann und so eine dieser ungestümen Offensivaktionen der Dortmunder unterband. Relativ ungehindert trieb er den Ball in die gegnerische Hälfte hinein, spielte dann einen Doppelpass mit Dieter Müller und sah sich unversehens Eike Immel gegenüber, der aus seinem Tor geeilt war. Aus seiner halblinken Position heraus zielte er genau und setzte das runde Leder an den rechten Innenpfosten des Dortmunder Tores, von wo es schließlich ins Tor prallte.

Die Schlachtgesänge der BVB-Fans waren verstummt, die Spieler in Schwarzgelb schienen geschockt. Ganz anders die anderen, die Kölner: Jubelnd lief der Torschütze auf Vorlagengeber Müller zu und fiel ihm um den Hals; weitere Mannschaftskameraden gratulierten, unter ihnen Pierre Littbarski, Stefan Engels, Rainer Bonhof und Bernd Cullmann. Eike Immel holte den Ball aus seinem Tor und warf ihn missmutig in Richtung Mittellinie, Mirko Votava klatschte energisch in die Hände und feuerte seine Mitspieler an.

Toni Schumacher stand am eigenen Sechzehner und hob anerkennend den Arm in Richtung des Torschützen. Mit einem energischen Pfiff gab Schiedsrichter Pauly das Spiel wieder frei. Später in dieser Partie sollte ein Zwiegespräch des Unparteiischen mit dem damaligen Nationaltorwart für eines der wohl bekanntesten deutschen Sportfotos sorgen, beide Kontrahenten Kopf an Kopf voreinander stehend und sich dabei offenbar vehement die Meinung sagend.

„Tor für unsere Gäste. Torschütze war der Spieler mit der Rückennummer vier.“

Die Ansage des Stadionsprechers klang nüchtern und sachlich: „Tor für unsere Gäste. Torschütze war der Spieler mit der Rückennummer vier,“ – er zögerte kurz – „Hermann Knöppel. Neuer Spielstand …“

Torjäger im Oberbergischen

38 Jahre später treffe ich Hermann Knöppel, der in diesem Spiel sein einziges Bundesligator erzielte, an einem schönen Sommertag auf der sonnendurchfluteten Terrasse des Geißbockheims. In unserem Gespräch sollte ich feststellen, dass er ein schnörkelloser und detailgenauer, zugleich aber auch humorvoller Chronist seiner Fußballkarriere ist.

Gebürtig stammt Knöppel aus der Pfalz, genauer aus Enkenbach-Alsenborn, dort, wo der SV Alsenborn beheimatet ist, der „Dorfverein“, den der legendäre Fritz Walter Ende der sechziger Jahre als sportlicher Leiter dreimal in die Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga führte. 1964 zieht die Familie in den Oberbergischen Kreis und wird in Nümbrecht ansässig. Ein Jahr später schließt sich der junge Hermann dem TuS Homburg-Bröltal an und erlernt dort in den folgenden vier Jahren das fußballerische ABC; in der Saison 1969/70 schnürt er dann die Fußballschuhe für den SSV Homburg-Nümbrecht.

In seinem Vater, der selber bei besagtem SV Alsenborn Fußball gespielt hat und später eine Reihe von Vereinen im Oberbergischen Kreis trainiert, findet Knöppel einen fördernden wie fordernden Lehrmeister. „Er arbeitete mit mir an meinen Grundfertigkeiten,“ erinnert er sich. „Vor allem aber vermittelte er mir die Einstellung zu diesem Sport. Von ihm lernte ich zu kämpfen und niemals aufzugeben.“

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Die ersten Erfolge dieses Trainings stellen sich bald ein, Mittelstürmer Hermann Knöppel erzielt Tor um Tor und wird in die Auswahl des Oberbergischen Kreises berufen. „In dem Team spielten die besten oberbergischen Fußballer meines Jahrgangs, und so fühlten wir uns auch,“ erzählt er. „In einer Partie gegen die Kölner Kreisauswahl wurde uns dann aber vor Augen geführt, was richtig guter Fußball ist. Wir verloren mit 0:12, überragender Akteur bei den Kölnern war Gerhard ‚Molly‘ Schmitz, ein Spielmacher mit Torjägerqualitäten, der später auch für die Amateure des 1.FC Köln spielte.“

Die Anfänge beim 1.FC Köln

Ein Bekannter seines Vaters vermittelt dem 14-jährigen Torjäger ein Probetraining beim Geißbockclub, das erfolgreich verläuft. „Die Freude war umso größer, da ich damals schon seit einigen Jahren Fan des FC war und mir von Freunden und Bekannten, die durchweg Anhänger von Schalke 04 waren, manchen Spruch hatte anhören müssen,“ erinnert sich Knöppel.

In der C1 wird er von Willi Wollny und Paul Scheermann trainiert, die den bisherigen Mittelstürmer zum Innenverteidiger umfunktionieren. „Die Position des Mittelstürmers war schon mit Dieter Prestin besetzt, der in der Saison um die 100 Tore für die C1 erzielte,“ erklärt der frühere Nümbrechter.

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