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Ehrentribüne

Lebenswege beim 1. FC Köln: Dano Himmelrath – Der Ausstieg aus dem Hamsterrad

Wie ergeht es ehemaligen Jugendspielern des 1. FC Köln, die den Sprung zu den Profis nicht geschafft haben? effzeh.com-Autor Kurt Ludwigs sprach mit Dano Himmelrath, der als Torwart einst in der A-Jugend aussortiert wurde, aber auf eine erfüllte Karriere zurückblickt.

Dano Himmelrath in seinem letzten Spiel für den FC Hertha Rheidt Foto: Bernd Himmelrath

Der Pfiff des Schiedsrichters durchschnitt die Luft im Kronenbusch-Stadion. Wolkenlos präsentierte sich der Himmel über Wesseling an diesem 6. Juli 2003, die Sommersonne tauchte das Spielfeld in ein mildes Abendlicht. Auf dem Spielfeld wurden die Schatten der Akteure zunehmend länger, ihre Schritte dafür kürzer, vor allem die der Spieler der Spvg Wesseling-Urfeld, deren Vorbereitung auf die neue Saison gerade begonnen hatte und deren Gesichtern von den Anstrengungen gezeichnet waren.

Man schrieb die 75. Spielminute, und Trainer Reinhold Höck nutzte eine Unterbrechung, um seinen Torwart – wie abgesprochen – auszuwechseln. Der Keeper nickte, als er das Zeichen seines Coaches sah, dann ging er langsam zur Seitenlinie. Er sog den Beifall auf, der aufbrandete und kaum enden wollte, die Standing Ovations der Tribünengäste und damit die große Anerkennung für seine Leistung, die ihm die 5.000 Zuschauer zuteilwerden ließen. Er war gehechtet, hatte gefaustet, Bälle aus dem Winkel gekratzt und sich ins Getümmel gestürzt. Er hatte überragend gehalten, zahlreiche Torchancen vereitelt und dabei großartige Reflexe gezeigt.

Viel Lob für Himmelrath nach dem Spiel gegen den FC

Der Keeper blinzelte in die Sonne, als er sich mit seinem Ersatzmann abklatschte und zur Wesselinger Ersatzbank ging. Auf seinem Weg dorthin nickte ihm Friedhelm Funkel anerkennend zu. Der Keeper hatte seiner Mannschaft das Toreschießen ganz schön schwer gemacht. Die Profis des 1. FC Köln waren gerade wieder in die Bundesliga aufgestiegen und bestritten ihr viertes Vorbereitungsspiel gegen die Spvg Wesseling-Urfeld, die ihrerseits soeben den Sprung in die Verbandsliga geschafft hatte. Zweimal Ebbers, Springer, Helbig und Niedrig hatten einen 5:1-Vorsprung herausgeschossen, der Ersatzkeeper kassierte in der Schlussviertelstunde noch vier weitere Treffer zum 9:1-Endstand.

Dano Himmelrath vereitelt eine Torchance des 1. FC Köln. Foto: Bernd Himmelrath

Nach dem Schlusspfiff eilten die Autogrammjäger aufs Spielfeld, zu Dirk Lottner, Matthias Scherz, Florian Kringe und den anderen – und zu Dano Himmelrath, dem Wesselinger Torwart, der einst von der C- bis zur A-Jugend das Trikot mit dem Geißbock auf der Brust getragen hatte. „Im Stadion herrschte eine einzigartige Stimmung an diesem Tag“, erinnert sich Himmelrath siebzehn Jahre später. „Normalerweise spielten wir vor 300, manchmal 400 Zuschauern. Aktionen von mir wurden zwar durchaus beklatscht, Zurufe konnte ich jedoch in der Regel den einzelnen Personen auf der Tribüne während des Spiels zuordnen! Hier war es anders, eine abgefangene Flanke, eine Parade bedeutete Szenenapplaus, die 5000 Zuschauer reagierten als Menge, laut und undifferenziert.“ Er lächelt, als er hinzufügt: „Nach dem Spiel schrieb ich Autogramme auch auf FC-Trikots – so ganz falsch fühlte sich das irgendwie nicht an.“

Dano Himmelrath inmitten von Autogrammjägern nach dem Spiel gegen den 1. FC Köln  Foto: Bernd Himmelrath

Der Corona-Krise war es geschuldet, dass mein Gespräch mit dem ehemaligen Nachwuchstalent des 1. FC Köln nur virtuell zustande kommen konnte, per Skype-Verbindung am Bildschirm meines Computers. Ich erlebte Dano Himmelrath dabei als aufgeschlossenen Gesprächspartner, der druckreif formulierte und ebenso anschaulich wie humorvoll, bisweilen auch nachdenklich von seinem Leben mit und nach dem Fußball zu berichten wusste. Und da war dieses jungenhafte Lächeln, das im Laufe unseres Gespräches noch einige Male über sein Gesicht gleiten sollte.

„Ich war das, was man landläufig einen Straßenfußballer nennt. Mit den Freunden dem Ball hinterherzujagen, füllte ein großes Stück meiner Kindheit aus.“

Dano Himmelrath erblickt am 8. September 1978 in Bonn das Licht der Welt und verbringt seine Kindheit und Jugend in Niederkassel. Auf den Bolzplätzen und Spielstraßen der Stadt sammelt er die ersten Erfahrungen im Umgang mit dem runden Leder. „Ich war das, was man landläufig einen Straßenfußballer nennt“, erinnert er sich. „Mit den Freunden und Nachbarskindern dem Ball hinterherzujagen, füllte ein großes Stück meiner Kindheit aus.“

Die fußballerischen Anfänge beim SV Niederkassel

Sein erstes Fußballtrikot zieht er 1987 für den SV Niederkassel über – zunächst als Feldspieler. „Ich schwamm so mit, war aber fußballerisch nur mäßig begabt“, sagt er. Die E-Jugendmannschaft sucht noch einen Torwart, und da versucht der Trainer bei ihm sein Glück. „Er lockte mich mit einer Tafel Schokolade“, erzählt er. „Da habe ich mich nicht zweimal bitten lassen.“ Von da an ist Dano Himmelraths Platz auf dem Spielfeld zwischen den Pfosten – und bleibt es auch in den fast 30 Jahren seiner Karriere als Fußballer.

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Er freundet sich schnell mit dieser Position an, zeigt beachtliches Talent und entwickelt sich zu einem sicheren Rückhalt seiner Mannschaft. Himmelrath ist noch junger C-Jugend-Jahrgang, als er mit seinem Verein ein Freundschaftsspiel gegen die C2 des 1. FC Köln bestreitet. „Wir haben deutlich verloren“, erinnert er sich. „Aber ich muss gut gehalten haben, denn der FC lud mich zu einem Probetraining ein.“

Ein Probetraining-Marathon beim 1. FC Köln

Es werden dann schließlich acht oder neun Probetrainings, was auch mit einem Trainerwechsel in der C-Jugend des 1. FC Köln zu tun hat. Jürgen Jores, der Himmelrath zunächst fußballerisch auf Herz und Nieren geprüft hat, wird durch Christoph Henkel abgelöst. „Hinzu kam, dass man damals darauf Wert legte, einen Torwart des jüngeren Jahrgangs und einen des älteren zu haben“, berichtet er. „Nun war mit Oliver Brück schon ein Torhüter des älteren Jahrgangs im Kader, und da ich auch älterer Jahrgang war, hat man bei mir so lange gezögert.“

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