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Vorspiel

1. FC Köln zu Gast bei Greuther Fürth: Ein Punkt für einen Partybus

Der 1. FC Köln hat trotz zuletzt zwei Niederlagen und insgesamt vier sieglosen Spielen in Folge am Montag in Fürth die Möglichkeit mit einem Punkt direkt aufzusteigen.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Die klassische Euphorie eines Aufsteigers muss man rund um das „Geißbockheim“ derzeit vermutlich länger suchen. Der Wechsel auf der Position des Cheftrainers von Markus Anfang hin zu André Pawlak im Anschluss an die Heimniederlage gegen Darmstadt 98 hat auch dem letzten Beobachter zu deutlich gezeigt, dass in dieser Saison auf und neben dem Platz viel schief gelaufen ist. Zu viel, um unbeschwert einen Aufstieg zu feiern und die widrigen Umstände rund um das freudige Ereignis zu vergessen. Einen Aufstieg, welcher mit dem vorgelegten Budget unterm Strich einfach eine Selbstverständlichkeit sein muss. Dass die Wiederkehr in die Bundesliga dank nur zwei Punkten aus den letzten vier Spielen noch nicht unter Dach und Fach ist, tut sein übriges.

Dabei haben sich die Vorzeichen für einen vorzeitigen Aufstieg seit der Entlassung von Anfang deutlich verbessert. Der 1. FC Köln selber hatte daran keinen Anteil, die Konkurrenz patzte schlichtweg stilvoll im Gleichschritt. Alleine dieses Wochenende verloren der Tabellenzweite aus Paderborn in Bielefeld mit 0:2, der Tabellendritte aus Berlin in Darmstadt mit 1:2 und der große HSV als Tabellenvierter zuhause sang- und klanglos mit 0:3 gegen Ingolstadt. Man sei noch lange nicht aufgestiegen, mahnte FC-Sportchef Armin Veh noch zu Beginn der Woche und begründete unter anderem damit den Trainerwechsel. Durch die patzende Konkurrenz löste sich die Warnung mittlerweile in Luft auf.

Unter Pawlak zurück zur Viererkette

Den Rheinländern ist die Relegation nicht mehr zu nehmen, bereits mit einem Unentschieden kann der Aufstieg  rechnerisch perfekt gemacht werden. Mit einem Sieg wäre dem 1. FC Köln die Zweitligameisterschaft mitsamt der ästhetisch zweifelhaften Meisterradkappe überdies sicher. Die Stoßrichtung für den Klassenprimus am Montagabend sollte also klar sein.

Für den größten Gesprächsstoff im Grüngürtel sorgte diese Woche selbstverständlich der neue Trainer Pawlak. Der gebürtige Gelsenkirchener beschreibt sich selbst als Kommunikator und gilt als akribisch arbeitender Mensch. Die Chance, im deutschen Profitrainer-Geschäft einen Fuß in die Tür zu bekommen, würde er vermutlich gerne nutzen. Drei gute Spiele wären ein ordentliches Bewerbungsschreiben.

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Er habe eine konzentrierte und motivierte Mannschaft vorgefunden, so Pawlak auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Jeder Spieler hatte unter der Woche auf dem Trainingsplatz die Möglichkeit, sich in einer rotierenden ersten Elf auf dem Trainingsplatz zu beweisen. Überraschungen in der Startelf, so macht es den Eindruck, sind alles andere als ausgeschlossen. Wer am Montag in die Aufstellung rutschen könnte, wollte Pawlak indes selbstverständlich nicht verraten. Spekuliert worden war die Rückkehr von Frederik Sörensen und Jannes Horn in den Kader, doch beide reisen im Gegensatz zu Matthias Lehmann nicht mit an den Ronhof.

Taktisch wird der neue Coach vermutlich zurück zu einer Viererkette wechseln. In der Trainingswoche ließ er dies vermehrt trainieren. Unter Anfang präsentierte sich die Mannschaft zuletzt äußerst konteranfällig. Und Pawlak machte nun gerade das Umschaltspiel sowie das kompakte Verteidigen als eine der Stärken der Fürther aus. Der 48-Jährige wird seine Mannschaft deswegen mit Sicherheit defensiver und vor allem mit mehr Absicherung im Mittelfeld aufstellen als sein Vorgänger.

COLOGNE, GERMANY - FEBRUARY 08: Jhon Cordoba of FC Koln (15) celebrates after scoring his team's third goal and completes his hat trick with team mates during the Second Bundesliga match between 1. FC Koeln and FC St. Pauli at RheinEnergieStadion on February 08, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Neben diesen taktischen Aspekten wird die Aufstellung auch durch verletzungsbedingte Ausfälle bestimmt werden: Christian Clemens wird dem Verein aufgrund seinem im Spiel gegen Darmstadt erlittenen Innen- und Kreuzbandriss viele Monate fehlen. Außerdem nicht mit nach Fürth reißt Anthony Modeste aufgrund von Oberschenkelproblemen. Nach einem Schlag auf die Wade war zuletzt auch Torjäger Simon Terodde angeschlagen, Pawlak äusserte sich jedoch vorsichtig optimistisch. Er trainierte individuell und steht im Kader. Auch Marco Höger klagte unter der Woche über Blessuren, konnte aber wieder vollständig mittrainieren und steht der Mannschaft ebenso zur Verfügung.

Fürth mit Verletzungssorgen

Direkt auf zwei Kernpositionen weitaus kritischer sieht die Situation hingegen bei Greuther Fürth aus. Im Sturm fehlen Daniel Keita-Ruel sowie Fabian Reese beide gelb- beziehungsweise rotgesperrt. Voraussichtlich wird deswegen mit Daniel Steiniger ein Stürmer beginnen, der diese Saison erst bei zwei Spielen in der Startaufstellung stand, letzte Woche jedoch mit einem Tor in Magdeburg auf sich aufmerksam machen konnte. Auch Shawn Parker ist ein Kandidat für den Sturm. Der letzten Sommer aus Augsburg gekommene Deutsch-Amerikaner hat diese Saison allerdings mit vielen Verletzungen zu kämpfen und zuletzt bei der zweiten Mannschaft Spielpraxis gesammelt. Die Angriffssorgen verstärken sich also beim Kleeblatt, das in dieser Saison gerade einmal 34 Treffer erzielt hat.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Und auch in der Defensive plagen den Gastgeber große Verletzungssorgen: Mit Tobias Mohr fehlt der Linksverteidiger schon die gesamte Rückrunde, in der Hinrunde war er noch gesetzt. Und ob Ersatz Maximilian Wittek rechtzeitig zum Spiel fit wird, ist äußerst fraglich. David Raum dürfte dann links hinten starten. Dass sich der zentrale Mittelfeldspieler Sebastian Ernst im Spiel gegen Magdeburg letzte Woche einen Mittelfußbruch zuzog und deswegen den Rest der Saison ausfallen wird, hilft der Mannschaft von Stefan Leitl zusätzlich nicht. Ernst stand bislang in jedem Spiel in der Startelf.

„Ob es eine normale Busfahrt wird oder ein Partybus, das entscheiden wir selbst.“

Dennoch gab sich Leitl auf der Pressekonferenz vor dem Spiel optimistisch, seine Mannschaft hätte gegen gute Gegner zuhause diese Saison immer gut ausgesehen und müsse sich nun eben auf ihre eigenen Stärken konzentrieren. Sie täten gut daran – die Fürther sind seit drei Spielen ohne Sieg und haben sich in Magdeburg die Gegentore durch furchbare individuelle Aussetzer regelrecht selbst ins Netz gelegt. Mit 38 Punkten ist der Klassenerhalt auch noch nicht ganz gesichert. Allerdings fehlt ihnen aus den letzten Spielen lediglich ein Punkt, um den Verbleib in der 2.  Bundesliga auch rechnerisch zu fixieren.

Rechnen möchte am Geißbockheim hingegen ab Montag Abend keiner mehr. Seit einigen Wochen rennt man dem sicheren Aufstieg hinterher, in Bayern soll er jetzt gelingen und die gruselige Vorsaison damit zumindest vordergründig aus dem Gedächtnis gelöscht werden. Die Mannschaft reist nach dem Spiel übrigens mit dem Bus zurück nach Köln – im Aufstiegsfall dürfte sich dieser laut Pawlak auch gerne in einen Partybus verwandeln. Und ein Partybus mit dann betrunkenen Profifussballern, diese Bilder schaffen dann vielleicht auch doch noch ein wenig Aufstiegseuphorie in Köln.

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