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Vorspiel

Kater nach dem Rausch? Der FC zu Gast in München

Nach der Sieben-Tore-Gala gegen indisponierte Werderaner wartet nun der Rekordmeister aus Bayern. Doch das Spiel ist keinesfalls bereits vor Anpfiff verloren – Mut macht unter Anderem der Auftritt in der letzten Saison.

Timo Hübers erkämpft den Ball gegen Robert Lewandowski (Foto: Alexander Scheuber/Getty Images)

Um Erdung war er bemüht. Bloß nicht zu viel Euphorie aufkommen lassen. Daher wies Trainer Steffen Baumgart auf der Pressekonferenz nach dem Samstagabendspiel auch darauf hin, dass viel Glück dabei gewesen sei und man das Maximum aus den eigenen Chancen gemacht habe (sieben Tore aus sechs Torschüssen – dank Marco Friedls Eigentor). Natürlich war da auch viel Taktik und Understatement dabei, man denke allein noch an den Pfostentreffer von Steffen Tigges, vermutlich aber mit dem Hintergedanken im Kopf des Cheftrainers, dass seine Mannschaft gegen die Münchener am Dienstagabend nicht vor lauter Euphorie ins offene Messer läuft. Baumgart warnte daher gleich hinterher:

“Wir haben am Dienstag die Mannschaft vor der Brust, die andere Teams mit einem ähnlichen Ergebnis abgeschossen hat. Wir wissen, was uns erwartet.”

Chancenlos in München?

Gleichwohl muss diese Mannschaft ihr Licht auch nicht gänzlich unter den Scheffel stellen. Der Baumgart-FC bringt gewisse Tugenden mit, die auch die Bayern am Dienstagabend (übrigens live im FreeTV) vor Probleme stellen könnten: das aggressive Anlaufen gepaart mit einem unfassbar hohen Laufpensum ist für jeden Gegner unangenehm, auch wenn der FC Bayern natürlich genug Spieler hat, die sich auch aus intensiven Pressingsituationen befreien können. Aber im Zweifelsfall reicht ein einziger Ballverlust, um zumindest mit vielen eigenen Spielern vor den Strafraum zu kommen. Dazu kommt die sehr starke linke FC-Seite mit Florian Kainz und Jonas Hector – gegen Bremen situativ ergänzt von Zehner Denis Huseinbasic – mit der Benjamin Pavard durchaus Probleme bekommen könnte, da die Offensivleute der Münchner das Nachhintenarbeiten nicht gerade erfunden haben. Aus solchen Überladungen könnten gefährliche Flanken auf “Leuchtturm” Steffen Tigges entstehen, zumal die Bayrische Innenverteidigung in dieser Saison nicht immer ganz sattelfest wirkte. Chancenlos ist der FC also nicht – für Baumgart geht es ohnehin eher darum, das eigene Spiel auch in der Allianz Arena durchzudrücken und sich nicht zu verstecken.

Dabei gibt vor allem der Auftritt am 2. Spieltag der vergangenen Saison in München Anlass zur Hoffnung. Zwar geriet man damals relativ schlafmützige 0:2 in Rückstand, jedoch gelang es Mark Uth und Anthony Modeste in verrückten 20 Minuten, auf Gleichstand zu stellen. Lediglich eine verunglückte Faustabwehr Timo Horns genau auf die Stirn von Joshua Kimmich, der seinerseits Serge Gnabry gedankenschnell bediente, brachte letztlich den Dreier für den Champions-League-Teilnehmer. Der Punktgewinn war damals durchaus im Bereich des Möglichen – was an diesem Rückblick jedoch auch deutlich wird, ist die Größe des Kölner Umbruchs: von der damaligen Startelf der letzten Saison standen am Samstag lediglich noch drei Spieler von Beginn an auf dem Feld: Jonas Hector, Ellyes Skhiri und Florian Kainz.

Artistische Ballannahme von Serge Gnabry im Rückspiel 2022 (Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Personelle Engpässe

Erschwert wird diese Mission durch die diversen bekannten Ausfälle: Neben Mark Uth, den seine Schambeinprobleme immer noch an einem Einsatz hindern und Spielern wie Dimitrios Limnios und Sebastian Andersson, fallen weiterhin Luca Kilian und Kristian Pedersen aus. Dazu gesellt sich seit heute kurzfristig nun auch noch die krankheitsbedingte Abwesenheit von Timo Hübers, der gar nicht erst mit nach München reiste, Ondrej Duda verließ den Verein in Richtung Italien und weilt laut Medienberichten zum Medizincheck in Verona. Ellyes Skhiri hingegen ist zwar an Bord, jedoch wird sich sein Einsatz erst kurzfristig entscheiden – die FC-Trainer nahmen vorsichtshalber 21 statt 20 Spieler mit, um flexibel auf Skhiris Genesungsprogress reagieren zu können: darunter Abwehr-Talent Elias Bakatukanda, dem sogar ein Einsatz winken könnte, falls in der Defensive noch irgendetwas schieflaufen sollte. Natürlich ist dieses Aufgebot auf Kante genäht, aber für Nikola Soldo und Jeff Chabot auch eine gute Chance, sich gegen den besten Sturm für weitere Einsätze zu empfehlen. Gerade Chabot machte seine Sache gegen die Bremer “Vögel” schließlich schon einmal hervorragend – auch wenn natürlich am Dienstag nun noch einmal ein anderes Tempo auf ihn und seine Kollegen zukommen wird. Auf der Habenseite stehen jedoch die Rückkehr von Dejan Ljubicic und Jan Thielmann – und gerade der Österreicher drängt in die Startelf und könnte entweder Huseinbasic ersetzen oder für Skhiri ranmüssen, während der Youngster Thielmann als Joker mit seinem Tempo wichtig werden könnte.

Auf Seiten der Bayern fehlen an etablierten Spielern nach wie vor Lucas Hernandez (Kreuzbandriss), Sadio Mané (Reha nach Knie-OP), Noussair Mazraoui (Herzbeutelentzündung) sowie Manuel Neuer (Unterschenkelbruch). Dayot Upamecano brach das Training mit Zehenproblemen ab, soll jedoch einsatzfähig sein. Zumindest die Personalie im Münchener Tor sollte dem FC jedoch Hoffnung geben: schließlich guckt niemand Kölner Toren so herrlich hilflos hinterher wie Yann Sommer.

So könnte der FC spielen

Schwäbe – Schmitz, Soldo, Chabot, Hector – Skhiri, Martel – Maina, Huseinbasic, Kainz – Tigges

 

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