Folge uns
.

Fankultur & Sportpolitik

Karl-Heinz Rummenigge und Bayern: Dann verpisst euch endlich!

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge will über den deutschen Fußball bestimmen, die CSU-Minister über die Bundespolitik. Wir kommentieren, warum das keine Selbstverständlichkeit sein und der Freistaat sich notfalls abspalten sollte.

Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images for BMW

Es ist daher wirklich erstaunlich, dass Rummenigge St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig ein „emotionales und populistisches Spektakel“ vorwirft, wenn er selbst trotz aller Bekundungen zu einem spannenden Wettbewerb und der Emotionalität des Sports Fußball darauf pocht, die Chancen auf den Gewinn der Königsklasse zu erhöhen. Noch weiter: Wenn Rummenigge davon spricht, dass der deutsche Fußball eine „Vision“ brauche, dann meint er damit wohl eher den ungehinderten Zufluss von ausländischen Geldern auf die Konten der Kapitalgesellschaften, vorzugsweise natürlich auf das eigene in München. Das ist ja teilweise durch den „Hamad International Airport“ aus Katar schon der Fall – woher das Geld kommt, ist ja dann eher weniger wichtig. Hauptsache, es ist da, oder Kalle?

Eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vereinsphilosophie im Zwiespalt zwischen Internationalisierungsstrategien und Vetternwirtschaft (Hoeneß) wäre in dem Falle auch notwendig, sodass der FCB vielleicht erst einmal für sich klären sollte, wer denn in der kommenden Saison auf der Trainerbank Platz nimmt. Nach dem kommunikativen Debakel in Bezug auf die Personalie Tuchel wäre das vielleicht ein wichtigerer Schritt, als sich Sorgen über die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs zu machen. Aber wer sind wir schon, um das zu beurteilen.

Was aus Bayern kommt, ist selten gut

Dass Karl-Heinz Rummenigge in diesem Atemzug auch nicht davor zurückschreckt, Chelsea, PSG und Manchester City als Vorbilder heranzuziehen, ist einfach brillant: Die mehreren Fantastilliarden, die in den letzten Jahren an diesen Standorten durch Abramowitsch oder Katar investiert wurden, haben insgesamt nämlich genau zwei CL-Titel gebracht. Alleine mit dem Zupumpen von Geldern hat man nämlich immer noch keine außergewöhnlich gute Mannschaft geschaffen, auch wenn das vielleicht mancherorts immer noch geglaubt wird.

Und so kann man nach all diesem Aufruhr, bei dem sich sogar Rettig genötigt sah, eine Reaktion über den Twitter-Kanal von St. Pauli zu veröffentlichen, eigentlich nur konstatieren: Was aus Bayern kommt, ist für Deutschland selten gut. Wenn im neuen Bundeskabinett drei von 16 neuen Ministerinnen und Ministern aus Bayern kommen und die Regionalpartei CSU vertreten, ist das an sich ja schon schlimm genug. Dass eine Partei, die insgesamt 6,2 Prozent bei der Bundestagswahl erreicht, aber dennoch die gesamte Bundespolitik vor sich hertreiben und dann schlussendlich für Horst Seehofer (!) noch den Zusatz des „Heimatministeriums“ herausschlagen kann, eigentlich niemals so ein großes Gewicht in einer funktionierenden Demokratie haben dürfte, sollte eigentlich jedem auffallen.

Ähnlich ist es mit den Äußerungen des Bayern-CEOs Rummenigge, der sich zwar über das Ergebnis bezüglich 50+1 ärgern mag, dessen Bestrebungen für die Internationalisierung und Wettbewerbsfähigkeit des FC Bayern im Endeffekt außer dessen Fans und Christian Seifert aber niemanden interessieren. Und wenn alle Stricke reißen, kann er sich ja mit seinem FCB in die europäische Superliga der UEFA verabschieden und schauen, ob er dort glücklich wird. Ähnliches ist auch dem Freistaat Bayern zu empfehlen, wo die CSU seit 60 Jahren nach Belieben herrschen darf und dann vielleicht mit Markus Söder auch endlich einen passenden König zur Verfügung hätte. Und mal ehrlich: Es wäre für uns alle doch wesentlich entspannter, wenn die Bayern ihr eigenes Ding drehen. Und uns in Zukunft mit ihren wirren Ideen und Visionen in Ruhe lassen würden.

Seite 2 von 2Weiter

Mehr aus Fankultur & Sportpolitik

.