Folge uns
.

Kurz & Knapp

Renommierte Auszeichnung für FC-unterstütztes Projekt: Julius Hirsch Preis 2020 für „Scoring Girls“

Ein von der Stiftung des 1. FC Köln unterstütztes Projekt erhält den Julius Hirsch Preis 2020: Die Initiative „Scoring Girls“ der ehemaligen FC-Spielerin Tugba Tekkal wird vom DFB für ihr Engagement für die Integration geflüchteter Mädchen ausgezeichnet.

Tugba Tekkal Scoring Girls HAWAR.help Anne Will
Foto: HAWAR.help

Text: Ruben Gerczikow

Im Jahr 2005 rief der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Julius Hirsch Preis ins Leben. Ein Preis, der demokratische Werte und Menschenrechte hochhalten will. Seit nun 15 Jahren zeichnet der DFB Vereine, Fangruppen, Initiativen und Einzelpersonen, die sich auf und neben dem Platz gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wie Antisemitismus, Rassismus, Homophobie und jegliche Diskriminierung einsetzen, mit dieser Ehrung aus. Seit dem ersten Preisausschreiben erreichten den DFB mehr als 1.300 Bewerbungen mit eindrucksvollen Projekten.

In der Vergangenheit konnte zum Beispiel die „Schickeria“, eine Ultra-Gruppe des FC Bayern München, den Julius Hirsch Preis gewinnen. Seit Jahren halten die Bayern-Fans das Erbe ihres ehemaligen Vereinspräsidenten Kurt Landauer hoch. Als Jude musste Landauer München und Deutschland während der NS-Herrschaft verlassen. Die „Schickeria“ erinnert unter anderem mit Veranstaltungen und Choreografien an Landauer. Für dieses erinnerungspolitische Engagement wurden sie 2015 vom DFB ausgezeichnet.

Auch interessant
"Scoring Girls"-Gründerin Tuğba Tekkal im Interview: "Der Fußball kann mehr leisten, als er gegenwärtig tut"

Jüdischer Nationalspieler als Namenspate für die Auszeichnung

Die Namensgebung des Preises hat ihren Ursprung ebenfalls im Nationalsozialismus und der Shoa, dem industriellen Massenmord an sechs Millionen Juden und Jüdinnen. Der, 1892 geborene Fußballer Julius Hirsch galt als einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer vor dem ersten Weltkrieg. Hirsch holte mit dem Karlsruher FV und der Spielvereinigung Fürth die Deutsche Meisterschaft. Nach der Machtergreifung der NSDAP im Jahr 1933 verschlechterte sich die Lage für die jüdische Bevölkerung, Roma, Sinti und Millionen andere Opfer des nationalsozialistischen Regimes. Als Jude im Dritten Reich wurde der Fußballer entmenschlicht, gedemütigt und verfolgt. Schlussendlich wurde Julius Hirsch im März 1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.

In diesem Jahr hat sich der DFB dazu entschieden, ein Projekt mit Bezug zum 1. FC Köln auszuzeichnen. Der diesjährige erste Platz heißt HAWAR.help. „Hâwar“ bedeutet „Hilfe“ auf Kurdisch und ist heute ein Synonym für Völkermord geworden. Der Verein wurde 2015 aus der Asche des jesidischen Völkermordes 2014 durch den sogenannten „Islamischen Staat“ von der Journalistin Düzen Tekkal gegründet. Seit über fünf Jahren setzt sich HAWAR.help für die Menschenrechte in Deutschland, im Nahen Osten und weltweit ein. Dabei geht es um die Aufarbeitung des Völkermordes an der jesidischen Glaubensgemeinschaft, an die kollektive Traumabewältigung und das Aufmerksam machen von religiöser Verfolgung.

DFB-Präsident Keller: „Noch nie war es so wichtig, Flagge zu zeigen“

Den Julius Hirsch Preis erhielt HAWAR.help für ihr Projekt „Scoring Girls“. Initiiert wurde das Projekt im Jahr 2016 durch Düzen Tekkals Schwester Tuğba , die von 2009 bis 2017 für den 1. FC Köln spielte. Seit vier Jahren bietet „Scoring Girls“ in Köln (und seit neuesten auch in Berlin) Fußballtrainingseinheiten und Begleitkonzepte für Mädchen mit und ohne Fluchterfahrung. Die Familie Tekkal ist selber Ende der Sechziger aus dem Osten der Türkei nach Deutschland geflohen. Mit der Kombination aus Sport und ehrenamtlichen Engagement möchten die „Scoring Girls“ starke Werte, Selbstbestimmung, Selbstbewusstsein und Impulse für ihr Leben vermitteln. Aktuell trainieren rund 60 Mädchen im Alter von acht bis 18 Jahren mit Tuğba Tekkal. Unterstützt wird die einstige FC-Spielerin von den Fußballspielerinnen Aylin Yaren und Erika Szuh.

04.04.2017, Köln, Deutschland, 1.Fußball Bundesliga, 1.FC Köln - Eintracht Frankfurt, Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht im Rahmen ihres Besuchs des 1.FC Köln bei dem Sie sich über das Engagement der Stiftung des Vereins in Sachen Integration informiert 04 04 2017 Cologne Germany 1 Football Bundesliga 1 FC Cologne Eintracht Frankfurt Chancellor Angela Merkel speaks in frame her Visit the 1 FC Cologne at the Them to above the Commitment the Foundation the Association in Matters Integration informed

„Scoring Girls“-Gründerin Tuğba Tekkal mit Bundeskanzlerin Angela Merkel | Foto: imago images / T-F-Foto

Bereits in der Vergangenheit hatten Tekkal und Co. für ihr Engagement Preise eingeheimst – 2017 informierte sich bei einem Besuch beim 1. FC Köln sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel über die von der Stiftung des Vereins unterstützte Initiative. Damals bedankte sich die CDU-Politikerin für den Einblick in die Integrationsarbeit und stellte fest, „dass hier eine wunderbare Arbeit geleistet wird, die dazu führt, dass Flüchtlinge die Integration über den Sport schaffen, aber dann eben auch viele Kontakte knüpfen können und damit auch Wege ins Leben, wenn man das so sagen darf, geebnet bekommen“.

„Unsere Preisträger stehen für die große Mehrheit in der Gesellschaft und im Fußball, die sich gegen die spaltenden Kräfte, für Zusammenhalt und Wertebewusstsein einsetzen. Wenn ich all die großartigen Aktionen im und um den Fußball sehe, geht mir das Herz auf.“

Auch der DFB fand bei der Verkündung der Preisträger lobende Worte für die Arbeit, die bei „Scoring Girls“ geleistet wird. „Die antisemitischen, rassistischen und neonazistischen Morde von Halle, Hanau und an Walter Lübcke unterstreichen die beklemmende Aktualität im 16. Jahr des Julius Hirsch Preises“, erklärte DFB-Präsident Fritz Keller: „Noch nie war es so wichtig, Flagge zu zeigen. Unsere Preisträger stehen für die große Mehrheit in der Gesellschaft und im Fußball, die sich gegen die spaltenden Kräfte, für Zusammenhalt und Wertebewusstsein einsetzen. Wenn ich all die großartigen Aktionen im und um den Fußball sehe – und das trotz Corona -, geht mir das Herz auf.“

Mehr aus Kurz & Knapp

.