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Interviews

„Die 50+1-Regel ist dort, wo sie externe Geldgeber störte, verwässert worden“

Wir haben mit Sportökonom und Blogger Jörn Quitzau über die wirtschaftlichen Entwicklungen im Profi-Fußball, das „Team Marktwert“, den effzeh und den Brexit gesprochen.

"Geld und Fußball" - das Thema beschäftigt Fans weltweit | Foto: Gareth Copley/Getty Images

Herr Quitzau, der Start in unsere Interviews hat stets mit der persönlichen Wahrnehmung des effzeh zu tun. Wann haben Sie erstmals ein Spiel des effzeh gesehen?

Jörn Quitzau: Das erste Mal im Stadion dürfte Anfang der Neunziger ein Spiel beim HSV im Volksparkstadion gewesen sein. Das erste Spiel im Fernsehen, an das ich mich erinnere, war wohl das DFB-Pokalendspiel 1980 gegen Fortuna-Düsseldorf. Besonders hängen geblieben ist aber ein Spiel – ich meine, es war gegen Leverkusen -, in dem Toni Polster die Rote Karte sah. Entgegen aller Gepflogenheiten schimpfte er nicht auf den Schiedsrichter, sondern verabschiedete sich freundlich per Handschlag vom Schiedsrichter und von den umstehenden Gegenspielern.

Was hat Sie bewogen das spezielle Thema Fußball in Ihrer beruflichen Praxis zu besetzen?

Quitzau: Als ich in den neunziger Jahren Volkswirtschaft studierte, erlebte der Profifußball wirtschaftlich gerade einen kräftigen Wachstumsschub. Neben dem Rückenwind, den die Bundesliga durch den WM-Titel 1990 bekommen hatte, war vor allem das Privatfernsehen dafür verantwortlich. Als es in Deutschland auf Sendung ging und die TV-Rechte für die Bundesliga erwarb, begann die Inszenierung des Sports und das Interesse am Fußball stieg rasant. Folglich wurden wirtschaftliche Fragestellungen im Fußball immer wichtiger. Den Anstoß für mich gab allerdings die zentrale Vermarktung der Fernsehrechte durch den DFB. Zentralvermarktung bedeutet aus volkswirtschaftlicher Sicht ein Verkaufskartell mit ggf. ungünstigen Folgen für die Fans. Das Bundeskartellamt hat sich dieses Thema bereits sehr früh angeschaut und hat sich in den letzten 20 Jahren schon so manche Auseinandersetzung mit dem DFB bzw. mit der DFL geliefert. Inzwischen ist der Fußball ein derart facettenreicher Wirtschaftsfaktor, dass sich für einen Bankvolkswirt wie mich jede Menge Anknüpfungspunkte geben. Allein die Finanzierungsfragen, mit denen sich Fans und Funktionäre heute beschäftigen müssen, haben natürlich einen engen Bezug zum Bankgeschäft.

Welche Investitionsformen sind derzeit führend im Fußball? Welche Trends sind absehbar?

Quitzau: Strategische Partnerschaften zwischen Fußballklubs und Sponsoring-Unternehmen, Rendite suchende Investoren, Mäzene. Das sind wohl die Themen, die uns auch in den nächsten Jahren beschäftigen werden. Schon lange bewährt hat sich zudem die Abtretung der Vermarktungsrechte an professionelle Sportvermarktungsunternehmen.

Welche Motivation haben Investoren bei solchen Investments?

Quitzau: Sponsoren und Investoren haben natürlich wirtschaftliche Interessen. Entweder suchen sie nach direkter Rendite für ihr eingesetztes Kapital oder sie hoffen auf indirekte Effekte – etwa darauf, dass das positive Image des Fußballklubs auf die eigene Marke abstrahlt.

Auf der nächsten Seite sprechen wir mit Jörn Quitzau über Gewinnchancen für Investoren und die 50+1-Regel in der Bundesliga!

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