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Nachspiel

Gladbachs Sechser dominieren den FC

Woran lag es, dass der effzeh gegen Gladbach verlor? In unserem taktischen Nachspiel versucht effzeh.com-Redakteur Arne Steinberg, die größten Probleme des effzeh gegen den VfL herauszuarbeiten.

Mladenovic Gladbach
Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

In einem wie immer umkämpften Derby verlor der effzeh am Samstag verdient mit 0:1 in Mönchengladbach und im Anschluss daran wurde wie immer fast mantraartig betont, dass der effzeh eben über 90 Minuten am Limit gehen müsse, um in der Bundesliga zu punkten. Doch waren es wirklich nur psychologische Faktoren, die dafür gesorgt hatten, dass der effzeh an diesem Tag gegen die Borussia aus Mönchengladbach unterlegen war?

Wille, Gier, Geist und Bereitschaft sind gemeinhin die Nominative, die herangezogen werden, wenn es darum geht, zu beschreiben, warum und wieso eine Mannschaft X an einem Tag Y gegen eine Mannschaft Z nicht gewinnen konnte. Dass es natürlich wichtig ist, von der psychologischen Seite her in einem Fußballspiel auf der Höhe zu sein, ist nichts Neues – genauso wenig jedoch, dass die komplexen Prozesse auf einem Fußballfeld, hervorgerufen durch Aktionen und Reaktionen, ebenfalls eine Rolle spielen, wenn es darum geht, den Ausgang eines Fußballspiels zu analysieren. Man kann ein Fußballspiel dabei natürlich komplett von der emotionalen Seite her betrachten und in Zusammenhang mit der der Derby-Niederlage des effzeh darauf schließen, dass die Mannschaft nicht „geil“ genug war und der Support von den Fans fehlte, um der Mannschaft „ein paar Prozentpunkte“ mehr zu geben. Doch das greift zu kurz.

Die Diskussion im Spannungsfeld zwischen „kontextbefreitem Molekularfußball“ und „Fußball als Emotionsspiel“ fand während der vergangenen Woche in der Fußball-Blogger-Szene mal wieder ein vergleichsweise großes Publikum, als sich Endreas Müller (@EndreasMüller) auf der Seite 120minuten.net die Frage stellte, inwieweit eine fußballjournalistische Betrachtung von Taktik überhaupt notwendig und nützlich sei. Für das Derby gegen Gladbach stand ja schon von Vornherein fest, dass der effzeh weitestgehend ohne die Unterstützung der Fans würde antreten müssen. Dementsprechend fehlte schon einmal etwas vom emotionalen Faktor, doch darum soll es in diesem Text nicht gehen: vielmehr soll untersucht werden, aus welchen Gründen der effzeh verlor.

Eine verdiente Derbyniederlage

Die ersten 30 Minuten gegen Frankfurt und der kurzfristige Ausfall von Mergim Mavraj sorgten dafür, dass der effzeh zu einer Viererkette zurückkehrte. Pawel Olkowski nahm wie erwartet den Platz als rechter Verteidiger ein, während Matthias Lehmann auf seinen angestammten Platz im defensiven Mittelfeld neben Jonas Hector zurückkehrte.

Während der ersten 45 Minuten offenbarte der effzeh viele sichtbare Mängel, die dazu führten, dass Mönchengladbach völlig spielbestimmend war.

  1. Das saubere Verteidigen im 4-4-2 gelang dem effzeh nicht, weil die Herausrück- und Übergabemechanismen nicht passten. Die Abstände zwischen den Kölner Spielern waren zu groß, sodass Gladbach mit einfachen vertikalen Pässen die Verteidigungslinien überspielen konnten. Das Gegentor stand stellvertretend für das Muster des Vertikalpasses, einer Ablage und einer Anschlussaktion, welches die Gladbacher schon seit einiger Zeit anwenden. Dazu haben sie mit Raffael und Stindl zwei ideale Spieler, die zwar nominell Stürmer sind, von Haus aus allerdings Mittelfeldspieler. Ihre Beweglichkeit im letzten Drittel stellte die Abwehr des effzeh ein ums andere Mal vor Probleme.
  2. Gladbach hatte durch das Kölner 4-4-2 meistens eine Überzahl im Mittelfeld, da das Kölner Pressing ins Leere lief, weil sich entweder Granit Xhaka oder Mahmoud Dahoud zwischen die Innenverteidiger Christensen und Nordtveit fielen ließen und dementsprechend ausreichend Optionen hatten, in Ruhe von hinten aufzubauen. Xhaka und Dahoud spielten dabei fast ohne Fehler, waren offensiv wie defensiv präsent und konnten fast nicht aus dem Spiel genommen werden.
  3. Der effzeh ließ die nötige Kompaktheit vermissen, um den Gladbacher Rhythmus schneller unterbrechen zu können. Dadurch konnten dieentstehenden Räume von den Gladbachern gut bespielt werden, insbesondere die beiden „Stürmer“ Raffael und Stindl bewegten sich geschickt und konnten sich so dem Zugriff der Kölner Abwehr entziehen.
  4. Die Gladbacher Endverteidigung spielte fehlerlos, was so aufgrund der ständigen Personalwechsel nicht zu erwarten war. Yannick Gerhardts Durchbruch auf links war die einzig nennenswerte Aktion des effzeh im ersten Durchgang. Ansonsten liefen die Offensivbemühungen darauf hinaus, lange Bälle auf Anthony Modeste zu schlagen.
Copyright: Eduard Schmulenson www.flickr.com/photos/schemen

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Diese Probleme schienen auch Peter Stöger aufgefallen zu sein, der in der Halbzeitpause einige taktische Umstellungen vornahm und Yuya Osako durch Milos Jojic ersetzte. Nach 60 Minuten tauschte Stöger noch einmal, Youngster Hartel kam zu seinem Bundesligadebüt. Davon schien sich der Übungsleiter versprochen zu haben, etwas mehr Ballsicherheit in die eigenen Reihen zu bekommen. Hartel deutete sein Potenzial mit einigen ordentlichen Aktionen an, seine Dribbelstärke und Beweglichkeit könnten für den weiteren Verlauf der Saison noch interessant werden. Fortan sah die Elf des effzeh folgendermaßen aus:

Damit einher ging auch eine Änderung im Spiel gegen den Ball: der effzeh lief nicht mehr im 4-4-2, sondern im 4-2-3-1/4-1-4-1 an. Anthony Modeste kümmerte sich um die beiden Innenverteidiger, während Jojic tiefer stand als noch Yannick Gerhardt in der ersten Halbzeit. Dadurch erhöhte der effzeh etwas die Präsenz im Mittelfeld; die Situationen, in denen Gladbach in Überzahl war, waren dementsprechend nicht mehr allzu häufig vorhanden wie noch zuvor. In der Anfangsviertelstunde des zweiten Durchgangs kam der effzeh auch zu einigen Abschlüssen, darunter dreimal Jojic aus der Distanz und ein Kopfball von Modeste. In der Schlussphase verhinderten Stindl und Sommer den Ausgleich nach einem weiteren Kopfball von Modeste bzw. einem Fernschuss von Lehmann.

Der effzeh war nach den Umstellungen etwas besser im Spiel, Gladbach insgesamt aber dennoch immer Herr der Lage. Dementsprechend geht der Sieg in Ordnung.

Als Fazit muss man aus diesem Spiel wohl ziehen, dass die Mannschaft gegen einen Tabellennachbarn in vielen Bereichen unterlegen war – trotz Stögers Umstellungen könnte man den Fohlen nicht wirklich gefährlich werden. Ob das jetzt vorrangig an mangelnder Emotionalität (Gier, Wille, Bereitschaft als Schlagwörter) oder taktischen Aspekten lag, lässt sich final nicht beurteilen.

Die verbleibenden drei Tage bis zum Heimspiel gegen Hertha BSC sollte Stöger allerdings nutzen, um einige Dinge zu thematisieren, die sowohl gegen Frankfurt als auch Mönchengladbach nicht allzu gut liefen – dass der Österreicher im In-Game-Coaching durchaus seine Stärken hat, ist bekannt, allerdings kann man sich eben darauf nicht immer verlassen.

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