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Nachspiel

FC verliert 1:4 in Leipzig: Fast mehr als nur ein Klassenunterschied!

Der 1. FC Köln verliert das Spiel in Leipzig deutlich und auch in der Höhe verdient mit 1:4, Gisdols Ideen fruchteten dabei zu keinem Zeitpunkt. Hoffnung gab den Verantwortlichen nach dem Spiel lediglich, dass die kommenden Gegner eher auf Augenhöhe mit den Kölnern sind.

Foto: Maja Hitij/Collection Bongarts

Der Zweite von oben spielte gegen den Zweiten von unten; es war klar, dass man nicht unbedingt ein Spiel auf Augenhöhe erwarten konnte. Was sich dann aber den Zuschauern im Leipziger Stadion bot, mutete über weite Phasen an wie ein Spiel eines Spitzenteams, das mit hohem Tempo, großer Ballsicherheit und schnellen Kombinationen einen Gegner fast nach Belieben beherrschte, der zwar willig und bemüht war, in seinen Mitteln aber eher beschränkt und hausbacken schien und deshalb so unterlegen war – fast wie eine Mannschaft aus einer anderen Liga.

Rein rechnerisch waren es zwar nur drei Tore, die beide Teams trennten, hätte RB Leipzig jedoch nur die Hälfte seiner 13, 14 Großchancen genutzt, wäre dies dem wirklichen Leistungsunterschied an diesem Tag eher gerecht geworden.

Ordentlicher Anfang bis zu Hectors Aussetzer

Markus Gisdol hatte in seinem ersten Spiel als Trainer des FC eine Aufstellung gewählt, die ein 4-3-3 suggerierte, sich auf dem Spielfeld aber als 4-5-1-Formation entpuppte. Die beiden Außenspieler, Kingsley Schindler und der junge Ismail Jakobs, verstärkten das Mittelfeld in dem Bemühen, die Außenbahnen gegen die schnellen Leipziger abzusichern. 22 Minuten lang funktionierte das dann auch defensiv recht ordentlich, führte jedoch dazu, dass bis auf einen Kopfball von Jakobs keine Kölner Offensivaktion zustande kam.

Ausgerechnet Mannschaftskapitän Jonas Hector leistete sich dann einen schlimmen Ballverlust gegen Nkunku, dessen maßgerechte Vorlage Timo Werner zum 1:0 vollendete. Die Leipziger kombinierten sich fortan fast nach Belieben in den Strafraum des 1. FC Köln, scheiterten aber entweder an Horns Reaktionen, einem Kölner Abwehrbein oder ihrem eigenen Schusspech, ehe dann Kingsley Ehizibue den Leipziger Nkunku nur mit einem recht plumpen Foul am Torerfolg hindern könnte – Elfmeter. Timo Horn ahnte die Ecke, erreichte Forsbergs harten und platzierten Schuss jedoch nicht mehr – 2:0.

Foto: Maja Hitij/Collection Bongarts

Nur sechs Minuten und zwei Leipziger Großchancen später konnte Horn zwar die Flanke des durchgebrochenen Sabitzer noch abwehren, Laimer nahm den Ball auf und hämmerte ihn am nur zögerlich herausrückenden Marco Höger zum 3:0 in den Kölner Kasten.

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Vier Minuten später konnte Rafael Czichos zwar nach einer Ecke von Birger Verstraete mit einem wohlgetimten Kopfball zum 1:3 verkürzen, dies änderte jedoch nichts an dem Eindruck der hohen Leipziger Überlegenheit in der 1. Hälfte.

Kölner Bemühen in der zweiten Hälfte

Markus Gisdol wechselte nach der Pause Florian Kainz für Ellyes Skhiri ein, zog Jonas Hector ins Mittelfeld vor, dessen Verteidigerposition Ismail Jakobs übernahm. Angriff auf Angriff brandete auf Timo Horns Tor, mehrere Male konnte der Kölner Keeper reaktionsschnell klären, allerdings ging Nagelsmanns Team auch recht fahrlässig mit den sich bietenden Chancen um.

Die Umstellung, die Markus Gisdol vorgenommen hatte, zeigte wenig Wirkung. Nach hinten bot man dem Gegner zu viel Raum, nach vorne versandeten die allermeisten Offensivaktionen schon weit vor dem Leipziger Strafraum.

Nach einer Flanke des eingewechselten Marcel Risse bot sich Anthony Modeste dann aber doch noch die Chance,  per Kopfball auf 2:3 zu verkürzen, der Kölner Sturmführer vergab jedoch kläglich. Dies sollte die einzige Kölner Torchance im zweiten Abschnitt bleiben. So war es dann Emil Forsberg überlassen, mit einem sehenswerten Freistoß aus 25 Metern den 4:1- Endstand herzustellen.

Die Lehren aus dem Spiel

Was bleibt aus Kölner Sicht nach diesem Spiel? Die Mannschaft wollte, ihr fehlte es jedoch an vielem, ganz sicher auch an Sicherheit und Vertrauen, was nach den letzten Negativerlebnissen und nur vier Trainingseinheiten unter Gisdols Leitung nicht weiter verwundert. Der neue FC-Trainer wird genau hingeschaut haben, und ihm werden dabei sicherlich auch die Lücken im Kölner Mittelfeld nicht entgangen sein, in die die Leipziger immer wieder hineinstoßen konnten.

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Er sagte nach der Niederlage: „Wir haben heute gegen einen Gegner verloren, der voll im Flow ist und vielleicht die beste Form von allen Mannschaften in der Liga hat. Wir müssen im Training hart daran arbeiten, aus engen Situationen besser herauszukommen, aggressiver zu verteidigen und einfach unangenehmer zu werden für den Gegner.“

Vielleicht wird er deshalb auch die Trainingseinheiten der nächsten Woche dazu nutzen, seinen Spielern die Bedeutung des aus dem Englischen stammenden Begriffs „Pressing“ genauer zu erläutern und dabei darauf hinweisen, dass dieser sich auf systematisches Anrennen und den-Gegner-unter-Druck-setzen reduzieren lässt, was neben entsprechendem Tempo und guter Organisation genau die Galligkeit bedingt, die die meisten Kölner an diesem Tag vermissen ließen.

„Aber wir werden nicht haufenweise solche Mannschaften vor uns haben, sondern Mannschaften, mit denen wir auf Augenhöhe sind.“

Auch der neue Geschäftsführer Sport, Horst Heldt, wird seine Schlüsse aus dem Spiel ziehen. Vermutlich überdenkt er im stillen Kämmerlein noch einmal seine Aussage, der Kader des 1. FC Köln besäße große Qualität.

Zur Niederlage sagte er: „Wir haben die Leipziger ein Stück weit eingeladen, trotzdem hatte RB noch ganz viele weitere Möglichkeiten. Aber wir werden nicht haufenweise solche Mannschaften vor uns haben, sondern Mannschaften, mit denen wir auf Augenhöhe sind.“

Er sollte sich aber auch nicht allzu sehr auf die Aussage kaprizieren, dass RB Leipzig nicht der Maßstab für die Geißbockelf sei. Der Leistungsunterschied war größer als die fünfzehn Tabellenplätze, die beide Mannschaften voneinander trennen. Keine rosigen Aussichten für die Spiele gegen den FC Augsburg und bei Union Berlin, Gegner, die zwar spielerisch nicht besser als der FC sein mögen, dafür aber mit der Aggressivität und Galligkeit zu Werke gehen, die der Geißbockelf heute fehlte.

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