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Interviews

Ralf Friedrichs im Interview zur Zukunft des FC-Stammtisch Talks: „Ich will wieder unters Volk – da gehört das Format hin“

Vor drei Monaten hatte Ralf Friedrichs seinen „FC-Stammtisch Talk“ nach Streitigkeiten um die 200. Ausgabe vorerst auf Eis gelegt. Wir sprechen mit dem Talk-Initiator über den aktuellen Stand und die Pläne für die Zukunft.

FC-Stammtisch Talk Löer Friedrichs Janßen Hauser
Foto: privat

Was wirfst du dir vor, was dem FC?

Das wurde ja alles schon gesagt, aber ich wiederhole es gerne. Offensichtlich habe ich während des Einladungsprozesses im Hinterkopf zu sehr auf den Bekanntheitsgrad des seit mehr als elf Jahren agierenden Talks gesetzt und nicht groß erklärt, dass immer auch weitere Gäste aus dem Bereich Medien oder Fanumfeld geladen werden. Das aber wusste Eckhard Sauren nicht, der dachte, es würde so laufen wie beim Sonder-Stammtisch, als das Trio auf Kandidatentour war. Auch das der Talk schon eine gute Woche zuvor mit allen Gästen, also auch euer Chefredakteur, öffentlich auf allen Kanälen angekündigt war, hat beim FC entweder keiner mitbekommen oder kein Problem darin gesehen. So kam es dann schließlich zu dem Umstand, dass Eckhard Sauren Thomas‘ Teilnahme erst kurz einen Tag vor der Veranstaltung bekannt wurde und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Man kann mir also vorwerfen, dass ich Eckhard Sauren nicht explizit darüber unterrichtet habe.

„Offensichtlich habe ich während des Einladungsprozesses im Hinterkopf zu sehr auf den Bekanntheitsgrad des seit mehr als elf Jahren agierenden Talks gesetzt.“

Sauren hat auf dem „FC-Stammtisch Talk“ seine Sicht der Dinge geschildert und auch gesagt, dass er letztlich sogar die ursprüngliche Zusammensetzung akzeptiert hätte. Warum kam das dann nicht zustande?

Es gab intensive Gespräche zwischen allen Beteiligten noch am Tag des Talks. Die Inhalte sollen grundsätzlich intern bleiben, aber im Zuge dessen hat Eckhard Sauren nach einigen Diskussionen tatsächlich angeboten, dass Thomas auch Teil des Talks sein kann. Dass er diese knapp zwei Stunden vor Talkbeginn gemachte Offerte abgelehnt hat, kann ich nach diesem Hin und Her verstehen. Ich hätte das vermutlich nach der Vorgeschichte auch so gemacht.

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Ist das Verhalten des Präsidiums denn in deiner Sichtweise nachvollziehbar? Warum glaubst du, sie wollten keinen Journalisten dabei haben?

Die zweite Frage muss man Eckhard Sauren und Werner Wolf selbst stellen. Persönlich fand ich das nicht nachvollziehbar, weil schließlich alle Talkformate über kontroverse Gästezusammenstellungen funktionieren. Vielleicht ist man es bei den großen Fußballvereinen mittlerweile gewöhnt, mehr im eigenen Saft zu schmoren. Ich sehe das eh allgemein als Problem an, dass man als Fußballverein zu sehr sein eigener Medienkonzern geworden ist. Schon die normale TV-Berichterstattung ist meines Erachtens in der Gänze gesehen viel zu unkritisch, da sind einige mittlerweile mehr Verkäufer ihres teuer erworbenen Produkts als kritische Journalisten. Das Ganze erhält dann in der vereinseigenen Berichterstattung dann noch eine Steigerung, die ist meist komplett kritikfrei oder höchstens pseudokritisch. Daran haben sich viele Verantwortliche wohl schon so sehr gewöhnt, das sich der ein oder andere tatsächlich kritische Journalist vor laufenden Kameras sogar schon einiges anhören musste, wenn man mal von der eher seichten Fragestellung abweicht.

FC-Stammtisch Talk Wagner, Höhner, Friedrichs

Foto: privat

Gab es denn deinerseits im Nachgang noch ein klärendes Gespräch mit dem 1. FC Köln?

Das wurde im Prinzip noch am Abend mit Werner Wolf und Eckhard Sauren bereits vor und nach dem Talk im Brauhaus Stüsser geführt. Ich habe das so verstanden, dass es nun damit auch aus der Welt ist. Es wurden beidseitig Kommunikationsprobleme eingeräumt und man ist friedlich auseinander gegangen. Danach gab es keinen Kontakt mehr mit dem Verein.

Wenn es doch friedlich auseinander gegangen ist, wieso der Ärger im Nachhinein?

Daran seid ihr auch nicht ganz unschuldig (lacht). Denn natürlich hat euer zeitgleich zum laufenden Talk veröffentlichter Artikel – den ich nachvollziehbar und richtig fand – ja mehr eure Sichtweise dargestellt. Ich konnte aber erst am Folgetag reagieren und mich zur Sache erklären. Bis dahin habe ich mir einen ziemlichen Shitstorm anhören müssen, da die meisten ja gedacht haben, ich hätte ohne offensichtlichen Grund dem FC nachgegeben. Aber nachdem ich meine Erklärung abgegeben hatte, drehte sich das rasch wieder, weil die Leute mein Dilemma, so oder so eigentlich keine allseits zufriedenstellende Entscheidung treffen zu können, verstanden haben. Daraufhin hat mich eine Flut an Nachrichten über alle Kanäle erreicht, über 150 Zuschriften. Zu 99 Prozent positiv für mich und das Format. Das hat natürlich gut getan und ich kann mich bei allen nur bedanken.

„Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber ich habe es im Endeffekt zugelassen, dass ein Gast auf Wunsch eines anderen nicht am Talk teilgenommen hat.“

Warum denn dann die Gedanken, alles hinzuschmeißen?

Weil mich das alles doch sehr aufgewühlt hat und weil ich hohe Ansprüche an mich selbst stelle. Als bekanntermaßen kritisches Format darf man sich solche journalistischen Fehler grundsätzlich nicht erlauben. Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber ich habe es im Endeffekt zugelassen, dass ein Gast auf Wunsch eines anderen nicht am Talk teilgenommen hat. Ob es dafür gute Gründe gab oder ich aus Veranstaltersicht richtig gehandelt habe, ist rein journalistisch gesehen, nicht relevant. Dieses „Vergehen“ habe ich begangen. Und ja, ich wollte deswegen zum Saisonende hinschmeißen. Ich war der Meinung, mich und das Format damit irreparabel beschädigt zu haben.

Jetzt sind genau drei Monate ins Land gegangen. Wie siehst du es heute?

Zunächst einmal habe ich ja den Februar-Termin bewusst ausfallen lassen, auch um mir meine Gedanken zu machen, wie ich damit umgehe. Da wäre es aber aufgrund der engen Terminierung und des Karnevals eh schwierig geworden, einen Talk durchzuführen. Dann sollte es am 16. März im Brauhaus Stüsser eigentlich normal bis Saisonende einmal pro Monat weitergehen. Doch der Coronavirus war dagegen und so habe ich eine Talk-Ausgabe am 25. März und eine Retro-Folge am 09. April von zuhause aus veröffentlicht. Das sind natürlich nur Notlösungen, aber ich will den Stammtisch-Freunden ja dennoch etwas anbieten und die Präsenz meiner Werbepartner auf den Roll-ups ist mir eben auch wichtig. Dazu tat es einfach mal gut, so was zu machen. Es ist schon alles recht eintönig dank der Situation rund um das Virus.

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