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Kurz & Knapp

FC-Stammtisch Talk: „Dass Medien versuchen, Vereinspolitik zu machen, ist eine Sauerei“

Der Aufstieg rückt für den 1. FC Köln immer näher – ein Sommer des Wahlkampfs allerdings ebenfalls. Ralf Friedrichs sprach beim FC-Stammtisch Talk im Brauhaus Stüsser mit seinen Gästen auch über die Rolle der Medien rund um die „Geißböcke“.

Der Aufstieg scheint für den 1. FC Köln nach dem 2:0-Auswärtssieg in Heidenheim und der Patzer der Konkurrenz nur noch Formsache zu sein. Dementsprechend gut gelaunt präsentierte sich die fünfköpfige Runde beim FC-Stammtisch Talk im Brauhaus Stüsser am Dienstagabend. Gastgeber Ralf Friedrichs durfte mit dem ehemaligen ZDF-Sportchef Wolf-Dieter Poschmann eine echte Reporterlegende zum ersten Mal begrüßen, darüber hinaus waren noch Lars Werner (Kölner Stadt-Anzeiger), Thomas Wagner (u.a. RTL Nitro) und als Fanvertreter der Ex-Mitgliederrat Michael Tuchscherer (FC-Echo-hilft e.V.) zu Gast.

Die sich frühzeitig anbahnende Rückkehr in die Bundesliga sorgte nicht nur für gute Laune, sondern bei den „Geißböcken“ auch für Planungssicherheit, wie Poschmann meint: „Es ist in dieser Phase wichtig, die Erfolgserlebnisse zu haben und den Aufstieg so schnell wie möglich fix zu machen. Das ist beim FC definitiv der Fall, auch wenn es rechnerisch noch nicht perfekt ist. Mit Blick auf die Konkurrenz muss das reichen. Jetzt kannst du planen und kannst gucken, welchen Spieler du brauchst“, erklärte der einstige Moderator des „Aktuellen Sportstudios“. Thomas Wagner, seines Zeichens HSV-Anhänger, stimmte ihm dabei zu und sieht vor allem die Stabilität der Kölner als großes Faustpfand: „Der FC hat die wenigen schwierigen Situationen relativ gut moderiert. Vielleicht fehlt den Leuten etwas Spektakel, aber sie gewinnen die Spiele, die sie gewinnen müssen.“

„Abteilung Attacke“ überzeugt beim 1. FC Köln

Auch die Planungen für die Bundesliga standen im Mittelpunkt der Diskussionen. Imposant sieht Poschmann vor allem die „Abteilung Attacke“ des 1. FC Köln um Top-Torjäger Simon Terodde: „Es gibt nicht so viele Vereine, die solch einen Angriff ihr Eigen nennen können“, schwärmte „Poschi“. Lars Werner ist vor allem von Jhon Cordoba überzeugt: „Ich traue ihm die Bundesliga zu, er hat alle Anlagen, die ein starker Angreifer braucht. Nun hat er auch das Selbstvertrauen, für mich ist er der beste Stürmer derzeit beim 1. FC Köln“, sagte der Sportredakteur des „Kölner Stadt-Anzeigers“. Das liegt laut Thomas Wagner vor allem daran, dass Cordoba nun endlich als zweite Spitze neben einem Torjäger agiert. „Er spielt auch die Position, die ihn in Mainz schon stark gemacht hat“, so der RTL-Mann, der allerdings warnt: „Als FC-Fan würde mir für die Bundesliga Sorgen machen, dass der Mannschaft das Tempo fehlt.“

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Neben der sportlichen Situation wurde auch die aktuelle sportpolitische Lage ausführlich diskutiert. Dabei immer noch im Fokus: Werner Spinners Rücktritt als Präsident und die Suche nach einem Nachfolger. „Wie es zum Rücktritt von Werner Spinner kam, war nicht in Ordnung. Das hätte man anders lösen müssen. Dass eine WhatsApp-Nachricht an die Geschäftsführung durchgestochen wurde, das geht nicht“, wurde KStA-Redakteur Lars Werner deutlich. Thomas Wagner pflichtete ihm bei: „Das ist wirklich ein Unding. Wie das gelaufen ist, wäre in der freien Wirtschaft Kündigungsgründe“, so der RTL-Moderator, der sich auch über die Berichterstattung mancher Kollegen ärgert: „Medien werden immer die eine oder andere Seite präferieren. Ich finde es aber schon verwunderlich, dass es Kollegen gibt, die seit Saisonbeginn alles, aber auch wirklich alles aus der Schumacher-Ecke gut gefunden haben. Man sollte immer beide Seiten beleuchten – aber es wird zum Teil tendenziös berichtet. Das ist nicht in Ordnung.“

Poschmann kritisiert Einflussnahme der Medien

Eine Entwicklung, die auch Poschmann kritisch sieht: „Der Job von Journalisten ist es zu berichten, die Hintergründe zu beleuchten und hier und da zu kommentieren – das müssen wir dann aber deutlich machen. Es scheint aber eine weitere Aufgabe dazugekommen zu sein: Mitgestalten in der Vereins- oder Verbandspolitik. Das machen sich einige Medien offensichtlich zum Ziel. Das ist eine Sauerei“, erklärte der erfahrene Fernsehmann, der aber auch den Sport nicht unschuldig an dieser Entwicklung sieht: „Auch die Beteiligten dort versuchen die Medien für seine eigene Zwecke zu nutzen. Es ist nicht so, dass der Sport unschuldig ist. All das ist ein Prozess, der ziemlich unappetitlich ist“, so Poschmann. Lars Werner schilderte die Situation aus seiner Sicht: „Man sollte sich nicht von einer Seite vereinnahmen lassen. Ich verstehe manchen Kollegen nicht, am Ende des Tages gewinnst du dadurch nichts. Ich versuche mit beiden Seiten zu reden und neutral zu bleiben.“

FC-Stammtisch Talk mit Poschmann, Wagner, Werner und Tuchscherer

Foto: Ralf Friedrichs

Dass es zu einer Kampfkandidatur zwischen einem vom Mitgliederrat vorgeschlagenen Trio und den bisherigen Vorständen kommen könnte, sahen die Diskutanten nicht allzu kritisch.
„Das ist Demokratie, das muss man aushalten“, betonte Michael Tuchscherer, gab aber auch zu bedenken: „Es könnte dazu führen, die Fanlager in zwei Lager zu spalten. Dass sich die Konfliktparteien nach der Wahl dann hinter dem neuen Präsidenten vereinen, sehe ich nicht als unbedingt gegeben an“, so der ehemalige Mitgliederrat. Poschmann plauderte von seinen Erfahrungen in seinem Wohnort Mainz, die vor kurzem bei der Strutz-Nachfolge Ähnliches erlebten: „An einer Kampfkandidatur finde ich nicht schlimmes. Das ist ein demokratisches Prozedere. Es würde nicht für die Vereinsmitglieder sprechen, wenn sie sich nachher nicht an die Mehrheit halten“, sagte er.

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Lars Werner zeigte sich derweil verwundert, dass insbesondere das in der Satzung festgelegte Prozedere der Vorstandssuche debattiert wird. „Es ist interessant zu beobachten, dass aus manche Ecken kritisiert wird, dass der Mitgliederrat das Vorschlagsrecht für den Vorstand besitzt. Darüber kann man durchaus geteilter Meinung sein, aber man darf nicht vergessen, dass der aktuelle Vorstand des 1. FC Köln diese Regelung mit der neuen Satzung selbst auf den Weg gebracht hat“, warf er in die Runde, die weiterhin gut gelaunt mit Tipps für die anstehenden Partie gegen Duisburg und Hamburg schloss.

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