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FC-Mitgliederratschef Stefan Müller-Römer im Exklusiv-Interview: „Es ist nicht unsere Aufgabe, zu allem nur ja zu sagen“

Der Vorsitzende des Mitgliederrats des 1. FC Köln spricht im Interview über Probleme mit der Vereinsführung, die Beziehung zur Fanszene und die Attacken auf seine Person.

Stefan Müller-Römer | Foto: Sebastian Bahr
Stefan Müller-Römer | Foto: Sebastian Bahr

Der Höhepunkt von traditionell turbulenten Zeiten beim 1. FC Köln steht bevor. Am Mittwoch steigt die Mitgliederversammlung bei den „Geißböcken“. Der wichtigste Tagesordnungspunkt dürfte in diesem Jahr die Wahl eines neuen Mitgliederrates sein, bevor 2019 die Vorstandswahlen auf dem Programm stehen werden. Anlässlich der mit Spannungen erwarteten Veranstaltung spricht Stefan Müller-Römer, Vorsitzender des noch amtierenden Mitgliederrats, im effzeh.com-Interview über grundsätzliche Probleme des Gremiums im Umgang mit der Vereinsführung, die Beziehung zur Fanszene, durchgesteckte E-Mails und die Attacken auf seine Person in den letzten Wochen. 

Die Beziehung zwischen Mitgliederrat und Vorstand plus Geschäftsführung gilt vor allem in der jüngeren Vergangenheit als schwierig. Was sind die Gründe für die Konflikte mit der Vereinsführung?

Stefan Müller-Römer: Die Gründe möchte ich im Wesentlichen intern halten und nicht in der Öffentlichkeit breit treten. Das Ganze wird faktisch viel zu sehr aufgebauscht. Nach unserer Auffassung ist völlig normal, dass man Nachfragen zu bestimmten Themen stellt. Das ist auch unsere Aufgabe. So steht es in der Satzung. Es ist nicht unsere Aufgabe, zu allem einfach nur ja zu sagen. Wir müssen die Sachverhalte klären, uns Gedanken machen und uns dann entscheiden. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Darum so ein Theater zu machen, ist einfach ein sehr durchsichtiges Manöver und im Endeffekt albern.

Bei der Vereinsführung scheint man eine andere Auffassung von den Rechten des Mitgliederrates zu haben, als sie der Mitgliederrat vertritt. Worin äußert sich das?

Müller-Römer: Das kann ich nicht leugnen. Tatsächlich vertritt der Vorstand plötzlich – das ist nämlich neu, das hat er früher nicht getan – die Auffassung, dass der Mitgliederrat den Vorstand in seiner Tätigkeit die Profi-KGaA nicht überwachen darf. Diese Auffassung ist schlicht falsch. Vor allem hat der Vorstand das selbst früher noch anders gesehen, es steht ja auch anders in der Satzung. Und da steht glasklar, der Mitgliederrat berät und kontrolliert den Vorstand. Da die wesentliche Tätigkeit des Vorstands in der Profi-KG stattfindet, und nicht in der Tischtennisabteilung, dürfen wir ihn natürlich auch dazu beraten und kontrollieren.

Also ist nur so eine effektive Kontrolle des Vorstands möglich?

Müller-Römer: Richtig. Wenn man das anders sehen wollte, dann kann man den Mitgliederrat auch direkt abschaffen. Dann gibt es kein unabhängiges Kontrollorgan mehr. Denn der Aufsichtsrat in der KGaA ist kein starker Aufsichtsrat, weil diese Aufsichtsräte vom Vorstand bestellt, und nicht von der Mitgliederversammlung gewählt werden. Wenn dem Vorstand ein Aufsichtsrat nicht gefällt, dann setzt er ihn einfach vor die Tür – so wie er es mit Jürgen Sieger gemacht hat.

„Ich habe bis jetzt gar nichts dazu gesagt – aus gutem Grund.“

Ist eine Satzungsänderung in dieser Frage zwingend notwendig oder reicht die aktuelle Satzung eigentlich aus? Müsste nicht eher wieder das richtige Verständnis beim Vorstand her?

Müller-Römer: Es würde ausreichen, wenn der Vorstand das wieder versteht. Herr Spinner hat das früher nicht anders gesehen. Er war damals bei den Satzungsdiskussionen dabei – da ist das nie in Frage gestellt worden. Das ist alles jetzt im Nachhinein entstanden, weil man keine Lust mehr hatte, die relativ harmlosen Fragen, die wir gestellt haben, zu beantworten. Eine Satzungsänderung muss man also nicht machen – denn es steht schon in der Satzung drin.

Stefan Müller-Römer | Foto: effzeh.com/Sarah Peters

Armin Veh bezeichnete den Mitgliederrat als „Voll-Amateure“, eine E-Mail bezüglich des Terodde-Transfers wurde an die „Bild“-Zeitung durchgesteckt, der „kicker“ brachte am Montag eine vor allem gegen Sie gerichtete Geschichte. Sie scheinen das Ziel einer Kampagne zu sein. Vergeht einem da manchmal die Lust, sich weiterhin ehrenamtlich für den 1. FC Köln zu engagieren?

Müller-Römer: Ehrlich gesagt ja. Schön ist das natürlich nicht, wenn man über sich nur Mist und Falschbehauptungen in der Presse liest. Da ich das alles aus Begeisterung für unseren Verein mache, macht das schon traurig. Aber jeder, der sich diese Kampagne unvoreingenommen anschaut, kann ja sehen, woher die Aktionen kommen. Ich habe bis jetzt gar nichts dazu gesagt – aus gutem Grund. Denn die Kampagne ist so plump, dass es eigentlich jedem Mitglied auffallen muss, dass da ganz gezielt im Vorfeld der Mitgliederversammlung versucht wird, den Mitgliederrat und im Speziellen meine Person zu diskreditieren. Der Kreis, aus dem meine Mail im Gemeinsamen Ausschuss zur „Bild“-Zeitung gekommen ist, ist sehr begrenzt. Sieben Personen kriegen diese E-Mails – und die Geschäftsführer, was eigentlich gar nicht sein dürfte. Wir selbst haben es jedenfalls nicht an die Öffentlichkeit gebracht, das wäre ja bescheuert.

Kann man vor diesem Hintergrund Werner Spinners Vorsatz „den Verein zu vereinen“ guten Gewissens als gescheitert betrachten?

Müller-Römer: Die Frage brauche ich nicht zu beantworten. Die beantwortet sich von selbst.

Stimmt der Vorwurf, dass der Mitgliederrat zerstritten sei und dort ein Klima der Angst herrsche?

Müller-Römer: Es gibt seit dem berühmten Ultra-Papier des Vorstandes eine partielle Entfremdung zwischen drei Mitgliedern und den restlichen elf Mitgliederräten, weil die drei das Papier des Vorstandes ohne Rücksprache mit dem Gremium durch gewunken haben. Viel krasser kann man seine Kollegen im Gremium nicht hintergehen, weswegen es da intern auch ordentlich gekracht hat, nicht mehr und nicht weniger. Wenn ich jetzt die Durchstechereien aus der internen Mitgliederrats-Whatsapp-Gruppe an den „kicker“ und so einen Unfug wie „Klima der Angst“ lese, dann scheint es nichts gebracht zu haben, dass die anderen elf sich seit diesem einen Konflikt bemüht haben, weiterhin mit den drei anderen kollegial zusammenzuarbeiten. Das ist schon sehr enttäuschend.

Der Vorstand hat hoffnungsvoll begonnen, zunächst war auch der Kontakt zu den engagierten Fans eher positiv. Wann und warum ist das Vertrauen in den aktuellen Vorstand abhanden gekommen? Gibt es da einen konkreten Knackpunkt?

Müller-Römer: Wie so oft im Leben sind die Dinge nie nur auf einen Grund zurückzuführen. Im Verhältnis mit dem Mitgliederrat könnte ich auch keinen Knackpunkt ausmachen. Bis heute arbeiten wir immer noch konstruktiv mit, das gilt gerade auch für meinen Stellvertreter und mich im Gemeinsamen Ausschuss. Wir nehmen an den Sitzungen teil, setzen uns mit den Themen auseinander, diskutieren – ohne uns anzuschreien, das geht alles ganz gesittet ab. Da wird von außen sehr viel hineininterpretiert, was nicht da ist. Dass eine Entfremdung stattgefunden hat, ist aber sicherlich richtig. Das ist ein schleichender Prozess. Ich war ganz zu Anfang gemeinsam mit Jörg Heyer, den der Präsident zwischenzeitlich in den Aufsichtsrat der KG berufen hat, der engste Berater von Werner Spinner. Wir haben ihn vor seiner ersten Wahl beraten – zu diesem Zeitpunkt hatten wir wirklich ein super Verhältnis. Das war auch danach noch lange so.

„Das wurde als respektlos empfunden.“

Im Laufe der Jahre ist da durch die positive Entwicklung, die der Verein genommen hat, ein bisschen die Bodenhaftung verloren gegangen – das ist unser Eindruck. Es wurde zunehmend schwieriger, die gleichen Fragen, die man vorher problemlos stellen konnte, jetzt überhaupt noch zu stellen, ohne dass sie gleich als Unverschämtheit oder Misstrauensbeweis verstanden wurden. Deutlich gemerkt haben wir das, als wir vom Vorstand vor seiner Nominierung für die Wiederwahl angegangen wurden, weil wir es uns erlaubt hatten, jedes Vorstandsmitglied zu seinen weiteren Plänen für die nächsten drei Jahre befragen zu wollen. Das wurde als respektlos empfunden. Noch deutlicher haben wir es dann bei der Vorstandsvergütung gemerkt, als uns klar gemacht wurde, dass die von uns bewilligten 150.000 Euro für den Präsidenten und 100.000 Euro für den Job des Vizepräsidenten ja wohl keine echte Wertschätzung darstellen würden.

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