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Vorspiel

Auswärtsspiel in Frankfurt: Die Müdigkeit der Vielspieler ausnutzen

Nächste Aufgabe für den 1. FC Köln: Am Mittwoch wartet mit Eintracht Frankfurt ein Gegner, der am Ende eines langen Jahres etwas ausgelaugt wirkt.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Schlag auf Schlag geht es kurz vor den Feiertagen für die Bundesliga-Teams: In der Woche vor Weihnachten steht ein weiterer Spieltag an, der den 1. FC Köln nach dem Heimsieg gegen Leverkusen nach Frankfurt führt. Die dortige SGE verlor am Sonntagabend mit 0:1 gegen den FC Schalke, mittlerweile ist das Team von Adi Hütter in der Bundesliga seit fünf Spielen sieglos. Der FC hingegen kommt nach dem lange ersehnten Heimsieg mit einer etwas breiteren Brust als noch zuvor. Tabellarisch gesehen empfängt der Tabellenzwölfte den Tabellensiebzehnten – nicht nur deswegen ist nicht unbedingt von einem fußballerischen Spektakel auszugehen.

Die Frankfurter werden in dieser Saison am Mittwoch das 30. Pflichtspiel bestreiten – fast eine ganze Saison haben die Adler bereits in den Knochen. Das liegt natürlich zu einem Gutteil an den Auftritten in der Europa League, in der die SGE in der vergangenen Spielzeit bis ins Halbfinale vorstieß und dort am Chelsea FC scheiterte. Grundsätzlich war die Entwicklung des Vereins seit 2016 absolut positiv – damals spielte die Eintracht noch in der Relegation gegen Nürnberg und setzte sich nur ganz knapp durch. Der fußballerische Aufschwung mündete im Sieg des DFB-Pokalsiegs im Jahr 2018, einige Monate später war das Spiel an der Stamford Bridge das nächste Highlight.

Die Entwicklung der Eintracht stagniert mittlerweile

Mittlerweile hat sich die Entwicklung aber etwas verlangsam, böse Zungen behaupten gar, sie stagniere – Makoto Hasebe und Co. überwintern zwar sowohl in DFB-Pokal als auch in der Europa League, die Magie der Eintracht scheint aber ein wenig verflogen. Die Stimmung im ehemaligen Waldstadion ist meistens immer noch außergewöhnlich, die fußballerischen Leistungen in der jüngeren Vergangenheit konnten damit aber nicht mithalten. Seit mittlerweile fünf Spielen warten die Hessen auf einen Erfolg in der Bundesliga. Am Sonntag war auch sichtbar, dass einige Spieler die Winterpause herbeisehnen. „Wir waren müde“, gab Mittelfeldspieler Djibril Sow nach der Partie zu und ergänzte: „Ich merke es auch an mir selbst.“

Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Im Vorfeld der Saison ging es viel um den Ersatz der drei Ausnahmestürmer Sébastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic, die die Eintracht verließen und für viel Geld bei anderen Vereinen anheuerten. Mit André Silva und Bas Dost kamen zwei namhafte Neue, die allerdings noch nicht ganz auf dem Niveau ihrer Vorgänger agieren. Der Niederländer feierte auf Schalke etwas überraschend sein Comeback, zuvor war nicht damit gerechnet worden, dass er in diesem Jahr überhaupt noch einmal spielen würde. Mijat Gacinovic, der brutal von Schalkes Keeper Nübel gefoult wurde, dürfte am Mittwoch wieder eine Option sein. Kapitän David Abraham fehlt nach seinem Rempler gegen Freiburgs Trainer Christian Streich. Am Dienstag gab die SGE dann bekannt, dass auch Lucas Torro und Frederik Rönnow Verletzungen aus dem Schalke-Spiel davongetragen haben und mehrere Wochen ausfallen.

Der 1. FC Köln muss den Flankenfokus und Filip Kostic verteidigen

Gerade in den letzten Partien wurde bei den Hessen deutlich, dass besonders im Offensivspiel ein wenig der Esprit fehlt. Gegen Schalke schaffte es die Offensivabteilung auch in Überzahl nicht, Torgefahr zu erzeugen. Ähnlich wie beim 1. FC Köln vor einigen Wochen schien das Konzept zuletzt einzig und allein darin zu bestehen, möglichst viele Flanken zu schlagen. Filip Kostic und Timothy Chandler schlugen gegen die Königsblauen zusammen 25. Der Serbe hat sich mittlerweile als einer der besten Flügelverteidiger in der Bundesliga etabliert, auch ihm ist aber die Belastung aus den letzten Wochen und Monaten anzumerken.

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Kölns Trainer Markus Gisdol, der mit seiner Mannschaft am Samstag den ersten Sieg feierte, sagte auf der Pressekonferenz über die Eintracht: „Wir treffen auf einen Gegner, der körperlich sehr gut aufgestellt ist. Es ist eine Mannschaft, die sehr gut umschalten kann und die mit Abstand die meisten Flanken schlägt in der Liga.“ Seine eigene Mannschaft zeigte gegen Leverkusen eine engagierte Leistung mit viel Körperlichkeit, die für das Spiel in Frankfurt wohl auch gebraucht wird. Von daher ist es ein umkämpftes Spiel zu erwarten, in dem es möglicherweise zu vielen gelben Karten kommen könnte. Gisdol muss dabei Kingsley Ehizibue ersetzen, der gegen Leverkusen die fünfte gelbe Karte sah. Für ihn könnte Benno Schmitz in die Mannschaft rücken.

Ein guter Zeitpunkt für die nächste gute Leistung

Insgesamt kommt der rechten Seite eine besondere Aufgabe am Mittwoch zu: In der Umschaltbewegung nach vorne besitzt Kostic aufgrund seiner Dribbel- und Endgeschwindigkeit Vorteile gegenüber den meisten Verteidigern in der Bundesliga, weswegen es auf Kölner Seite insbesondere auf die Unterstützung der anderen Spieler ankommt. Weitere Veränderungen wären eher überraschend, gerade weil der FC mit Hector und Skhiri im Mittelfeldzentrum nun endlich einmal so etwas wie Stabilität und Balance gefunden haben könnte. Gisdol sagte deswegen auch, dass seine Mannschaft genau diejenigen Dinge beibehalten müsse, die gegen Leverkusen zum Tragen kamen. „Wir müssen positive Dinge beibehalten: Intensive Läufe, die Torchancen erzeugen. Dass wir die richtigen Abstände halten. Solche Basics, die uns geholfen haben“, erläuterte er auf der Pressekonferenz.

Großartige Trainingsreize wird Gisdol zwischen Samstag und Mittwoch dabei nicht setzen können, die Regeneration stand offenbar ganz deutlich im Vordergrund. Die körperliche Komponente könnte am Ende eines für die Eintracht extrem anstrengenden Jahres tatsächlich den Unterschied ausmachen. Mit weiteren Punktgewinnen aus den kommenden beiden Partien in Frankfurt und zuhause gegen Bremen könnte der 1. FC Köln noch ein halbwegs versöhnliches Ende dieser unruhigen Hinrunde schaffen. Im Idealfall müsste schon in Hessen etwas Zählbares mitgenommen werden – der Zeitpunkt, gegen die Eintracht zu spielen, könnte dabei schlechter sein.

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