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Vorspiel

Auswärtsspiel in Ingolstadt: Hinten sicher und vorne hilft Modeste?

Individuelle Klasse und Fokus auf die Defensive – das waren die beiden Gründe für die zwei Siege des 1. FC Köln zuletzt. Gegen Ingolstadt könnte ein Rückkehrer helfen.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Bis jetzt ist der 1. FC Köln durch die Englische Woche ganz gut durchgekommen: Dem 3:1-Heimerfolg gegen Sandhausen durch einen Modeste-Doppelpack folgte ein Arbeitssieg in Aue, den Marco Höger sicherstellte. Durch die Maximalausbeute von sechs Punkten aus zwei Spielen ist der Weg geebnet, um mit einem weiteren Erfolg gegen Ingolstadt am Sonntag die Tabellenführung zu sichern und weitere wichtige Zähler im Kampf um den Aufstieg zu holen – durch den Erfolg des MSV Duisburg gestern ist der FC Ingolstadt mittlerweile mit 19 Punkten Tabellenvorletzter und unter starkem Druck, nicht den Anschluss zu den Nicht-Abstiegsplätzen zu verlieren.

Seitdem bei den „Schanzern“ im Dezember Jens Keller am Ruder ist, läuft es allerdings besser als noch zu Beginn der Saison unter Stefan Leitl: Der FCI holte drei der vier Saisonsiege in den letzten sechs Spielen, vor der Niederlage auf St. Pauli am vergangenen Wochenende gelangen gar zwei Siege in Serie gegen Bochum und Aue. Der ehemalige Bundesligist schickt sich also an, unter Trainer Keller eben jenen tabellerischen zu verlassen. Seit dem Winter hat sich das Gesicht der Ingolstädter insbesondere in der Defensive gewandelt, wo mittlerweile ein ehemaliger Kölner das Sagen hat: Mergim Mavraj kehrte im Januar von Aris Thessaloniki nach Deutschland zurück und hilft nun mit, die Abwehrarbeit zu stabilisieren. Mit Björn Paulsen und Jonatan Kotzke haben sich bei den Oberbayern zwei weitere Spieler etabliert, in der Hinrunde noch nicht zum Kader gehörten.

FC Ingolstadt: Eine starke Offensive und körperliche Härte

Auf der Pressekonferenz vor der Partie äußerte sich Markus Anfang aber insbesondere lobend über die Offensive des FCI: „Der FC Ingolstadt ist besser, als es der Tabellenplatz vermuten lässt. Das Spiel am Sonntag wird entsprechend eine große Herausforderung. Die Mannschaft verfügt über eine hohe individuelle Qualität, gerade in der Offensive, die zu den stärksten in der Liga zählt.“ Damit meinte er wohl in erster Linie Sonny Kittel, Thomas Pledl und Dario Lezcano, die mit großer Wahrscheinlichkeit beim Heimspiel gegen die Kölner als Sturmtrio fungieren werden. Insbesondere der ehemalige Frankfurter Kittel ist derzeit ganz gut drauf, er sammelte in den letzten drei Spielern drei Scorerpunkte. Insbesondere durch seine Dribblings ist Kittel in der Lage, jederzeit einen Gegenspieler zu eliminieren und für Überzahl zu sorgen. Seine Kollegen Pledl und Lezcano kommen eher über die physische Komponente des Spiels.

Foto: Karina Hessland-Wissel/Bongarts/Getty Images

Das scheint auch ein wenig die Losung für den Heimauftritt gegen den 1. FC Köln zu sein, wie Jens Keller auf der Pressekonferenz unterstrich. Für ihn sei entscheidend, wie seine Mannschaft in den Bereichen „Laufbereitschaft, Zweikampfhärte und körperliche Härte“ agiere, um gegen den Aufstiegsaspiranten aus dem Westen der Republik etwas Zählbares mitzunehmen. Dort beschränkte man sich in den vergangenen beiden Spielen eher auf das Ausspielen der individuellen Klasse und pragmatisches Verteidigen – kurzfristig betrachtet keine schlechte Idee, um das Saisonziel Aufstieg nicht zu gefährden. Das inoffizielle Saisonziel (Etablierung und Umsetzung einer Spielidee) muss da derzeit ein wenig zurückstecken.

Welche Veränderungen nimmt Markus Anfang vor?

Auf Seiten des 1. FC Köln wird es personell auch wieder ein wenig Bewegung geben, zumindest auf der Bank: Özcan und Schaub waren nach dem Aue-Spiel krank, es wird die Frage sein, ob beide körperlich in der Lage sind, für das Spiel in den Kader zu rücken. Mit dabei ist auch wieder Innenverteidiger Lasse Sobiech, der seine körperlichen Probleme hinter sich gelassen hat und wieder eine Option darstellt. Niklas Hauptmann fällt nach seiner Knie-Operation weiterhin aus.

Von daher wird die Frage sein, ob und inwieweit Markus Anfang seine Startaufstellung wieder ein wenig verändert: Die Besetzung der rechten Seite erscheint offen, genauso ist es mit der Rollenverteilung zwischen Johannes Geis und Marco Höger. Welcher der beiden ehemaligen Schalker auf die Sechs rückt, könnte die Balance im Spiel entscheidend verändern – während Geis gegen Aue zu Beginn einige Probleme hatte, ins Spiel zu finden und seine Aufgabe anzunehmen, überzeugte Höger dort (bei seinem kürzeren Einsatz) gegen Sandhausen. Anfang kündigte weiterhin an, dass am Sonntag auch die Stunde für Anthony Modeste schlagen könnte – nachdem der Franzose zuletzt dreimal im Verlauf der zweiten Halbzeit für Simon Terodde eingewechselt wurde (und dabei dreimal traf), könnte er nun von Beginn an spielen.

Mit Pragmatismus zum Erreichen der Ziele – irgendwie

Im Gespräch mit den Medienvertretern ging Markus Anfang auf der Pressekonferenz auch noch auf die Rolle von Jonas Hector ein: Der Nationalspieler agierte in der jüngeren Vergangenheit als linker Innenverteidiger in einer Dreierkette oder auf der Achter-Position im Mittelfeld. Hector, laut Anfang ein echter „Mannschaftsspieler“ fülle seine Rolle dabei immer so aus, dass er der Mannschaft bestmöglich helfen könne – ein „Spielentscheider“ sei er sowieso nicht, für ihn ginge es in erster Linie um das Erfüllen der Aufgaben. Vincent Koziello wäre eine Option für die Achter-Position, dann wäre der Kapitän frei für die linke Seite – dort spielt allerdings mit Florian Kainz eine der wenigen Konstanten in diesen Wochen, der nach seinem Wechsel von Bremen sofort seine Qualitäten unter Beweis gestellt hat.

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Unabhängig davon, wer gegen Ingolstadt auf welcher Position spielt: Die mentale Komponente beim 1. FC Köln stimmt offensichtlicht wieder, gegen Aue zeigte man die Kompromisslosigkeit, die es braucht, um in der zweiten Liga kein Gegentor zu bekommen. Obwohl spielerisch nur wenig funktioniert, ist es vielleicht hilfreich, wenn man sich darauf verlässt, dass die Defensive funktioniert – bei der Qualität der Einzelspieler in der Offensive sollte ein Torerfolg immer möglich sein. Damit ist der 1. FC Köln zwar weit entfernt von der anfänglichen Dominanz, der Pragmatismus in Form der geholten Punkte erscheint momentan allerdings eher als das Mittel der Wahl. Dass sich die Wahrscheinlichkeit eines Sieges allerdings durch höheren Ballbesitz und bessere Torchancen erhöht, ist auch nichts Neues – dementsprechend ist wohl auch gegen Ingolstadt wieder ein enges Spiel zu erwarten.

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